Gepäckprobleme und -lösungen

Wie so viele Motorradthemen wird auch beim Stichwort „Gepäck“ äußerst leidenschaftlich diskutiert, manchmal auch missioniert. Teilweise verkommt die Debatte zu typischer Schwarz-Weiß-Malerei. „Hard vs. Soft“ bzw. „Koffer vs. Weichtaschen“. Nachdem ich jahrelang im „Soft“-Lager verortet war und Alu-Koffer dementsprechend als schweren Bling-Bling abgetan habe, bringt mir Anschaffung eines Koffersystems nun den verdienten Spott. Aber immerhin kann ich aus den Beweggründen und Gedanken einen neuen Beitrag gießen, der vielleicht keine neuen Erkenntnisse bringt („There is nothing new under the sun“), aber Neulingen vielleicht zu einem besseren Überblick verhilft.

Fast die ganze Bandbreite: Softgepäck, Alu-Koffer mit und ohne Topcase, Gepäckrolle

Auch wenn ich die grundsätzlichen Gepäcklösungen vorstellen möchte, kommt es (wie bei der Wahl des vermeintlich besten Motorrads) auch beim Gepäck auf den Einsatzzweck an. Die Unterscheidung zwischen Touring, Endurowandern und sportlichem Endurofahren ist hier sehr wichtig. Aber auch ob man ausschließlich in Pensionen und Hotels nächtigt, ob das Gepäck schnell abnehmbar sein sollte, auch mal unbeaufsichtigt sein kann und, am wichtigsten, wie viel man mitnehmen möchte. Möglich ist vieles, aber nicht alles ist sinnvoll. Tendenziell schwere Koffersysteme beinflussen das Fahrverhalten, Gewicht und Geländegängigkeit bei leichten Motorrädern zum Beispiel viel entscheidender, als bei ohnehin größeren Zweizylindern. Daher wird an meine leichte Xchallenge auch in Zukunft kein Koffersystem kommen. Bewusst ausklammern möchte ich außerdem folgende, weitgehend selbsterklärende Taschen:

  • Rucksäcke (versuche ich auf Reisen zu vermeiden oder am Motorrad zu verzurren)
  • Tankrucksäcke (gibt es mit vielen Größen, Farben, Materialien und Befestigungsmöglichkeiten)
  • Kleine Hecktaschen (vielen Größen, gern genutzt für Regenzeug, Werkzeug und Verbandszeug)
  • Zusatztaschen (für die Befestigung an Sturzbügeln, Gepäckbrücken oder an größeren Taschen)
  • Topcase (gibt es als Kunststoff- und Alu-Koffer, ich nutze den Platz lieber für andere Taschen)

Soft: Gepäckrollen

Macht ein schlankes Heck und reicht je nach Reisestil für Wochen…

Gepäckrollen gibt es in vielen Größen- und Preisklassen, sie dürfte viele im ersten Mopedurlaub begleitet haben. Klassischerweise sind sie aus wasser- und staubdichtem Tarpaulin gefertigt. Gerade im Retro-Bereich gibt es auch Varianten aus Stoff, die über eine wasserdichte, zweite Innenschicht verfügen. Verschlossen werden sie entweder mit einem Rollverschluss, der mehrfach umgeschlagen und dann seitlich von Steckschnallen gehalten wird. Gestopft und herausgezogen wird alles an einer Seite. Teurere Versionen bieten daher auch Reißverschlüsse, die ein Beladen „von oben“ ermöglichen, die Zipper sind jedoch anfälliger und langfristig pflegeintensiver. Manche Gepäckrollen (z. B. mein TT Rack Pack) kombinieren diese Öffnung mit einem Rollverschluss, sind aber ebenfalls teurer. Egal wie sie befüllt wurde, landet die ansich sehr leichte Rolle entweder längs oder quer auf dem Gepäckträger oder auf einem Koffer. Dort werden sie meist mit zwei oder drei Packriemen oder Expandern verspannt und halten so bombenfest am Motorrad. Günstige Rollen gibt es für unter 20 Euro, diese können nach meinen Erfahrungen jedoch schon nach wenigen Touren bzw. Jahren reißen oder undicht werden. Höherwertige Rollen halten dagegen oft viele Jahrzehnte. Taschen mit 30 bis 50 Liter sind daher eine gute und langfristige Investition, die sich auch mit anderen Gepäcksystemen kombinieren lassen, es gibt sie aber auch mit Seesack-ähnlichen 90 Liter. Ein abschließbares Gepäcknetz erhöht bei Bedarf die quasi nicht vorhandene Diebstahlsicherheit. Noch größere Rollen ermöglichen auch Campingurlaube mit dem Motorrad. Weiterlesen ist ab hier nicht nötig, denn mehr Motorradgepäck braucht es eigentlich nicht…

  • Was immer noch für die Gepäckrolle spricht:
    • teilweise sehr günstig (60 Liter für 10 Euro!)
    • viele Größen verfügbar, für Wochenendtrips bis zu mehrwöchigen Urlauben
    • flexibel an jedem Motorrad einsetzbar, schlank und sicher verzurrbar
    • in Kombination mit Koffern oder Seitentaschen nutzbar
    • sehr leichtes Eigengewicht
  • Warum man vielleicht trotzdem irgendwann das Gepäck erweitert:
    • nicht diebstahlsicher
    • nicht erweiterbar, ein großes Fach
    • Inhalt nicht direkt zugänglich
    • aufschnallen und verzurren dauert ein paar Momente

Soft: Große Hecktaschen

Eine weitere Möglichkeit, viel Gepäck ohne Träger zu transportieren sind große Hecktaschen. Im Gegensatz zu Gepäckrollen haben sie meist integrierte Riemen und werden wie diese auf dem Soziusplatz und/oder der Gepäckbrücke verzurrt. Daher ist der Inhalt, im Gegensatz zu Gepäckrollen, auch im verzurrten Zustand zugänglich. Sie sind in vielen Formen verfügbar, als mittelgroße oder riesige, weiche Boxen, nach Art einer Gepäckrolle oder als eine Art weiches Topcase. Außerdem bieten die Hecktaschen oft viele Fächer und Außentaschen, manche erweitern das Packvolumen noch durch seitlich herunterhängende Taschen. Damit passen sie fast an jedes Motorradheck, sind dafür aber auch relativ teurer und können je nach Form nicht ganz so einfach mit anderen Gepäckstücken kombiniert werden. Objektiv spricht wenig gegen diese Taschen, ich persönlich kann mit diesem Konzept bis jetzt trotzdem nicht so viel anfangen.

  • Warum Hecktaschen ein guter Kompromiss sein können:
    • wetterfest, leicht, universell
    • Mit Unterteilung, Außentaschen und großer Öffnung sehr praktisch
    • teilweise mit Zusatztaschen erweiterbar
    • Inhalt bleibt auch ohne Abschnallen zugänglich
  • Was andere Taschen besser können:
    • Ggf. höherer Schwerpunkt als bei Gepäckrollen
    • nicht diebstahlsicher
    • verzurren dauert ein paar Momente
    • für das gebotene Volumen meist sehr teuer

Soft: Satteltaschen (ohne Träger)

Mit Satteltaschen bleiben Sitzbank und Träger frei

Satteltaschen werden ebenfalls ohne Gepäckträger am Motorrad verzurrt und stellen daher die leichteste Möglichkeit dar, Gepäck auch seitlich zu transportieren. In Verbindung mit einer Hecktasche oder Gepäckrolle bekommt man dann einiges unter, hält das zusätzliche Gewicht und den Schwerpunkt aber niedrig. Die gezeigten Blizzard von Enduristan passen an (fast) jedes Motorrad und erlauben durch ihre Form viel Bewegungsfreiheit beim Stehendfahren. Weiterer Vorteil: Sie sind selbst voll beladen nicht besonders breit. Zumindest im Vergleich zu Koffern. Das Volumen fällt dafür je nach Modell nicht allzu üppig aus, es gibt jedoch auch deutlich größere Satteltaschen von Giant Loop und Enduristan. Wasser- und staubdicht sind fast alle, entweder durch einen Materialmix oder wasserdichte Innentaschen. Je nach Offroadfokus kommen hier ebenfalls die bewährten Rollverschlüsse oder Reißverschlüsse zum Einsatz. Die Seiten oder Unterseiten lassen sich außerdem häufig Zusatztaschen für Kanister etc. erweitern. Das Verzurren erfolgt meist mit vier integrierten Riemen, daher ist der Inhalt auch hier zugänglich. Um die idealen Verzurrpunkte zu finden, sollte man vor der ersten Fahrt mit Gepäck etwas Vorbereitungszeit einplanen. Selbst dann sitzen die universellen Taschen nie komplett wackelfrei, aber trotzdem sicher. Das Verzurren und Lösen dauert nach etwas Übung nicht länger als eine Minute. So oder so, wenn es mit viel Gepäck in hartes Gelände™ gehen soll, führt kaum ein Weg an Weichtaschen vorbei. Das liegt zum einen am geringen Eigengewicht der Taschen, zum anderen an den fast unvermeidbaren Stürzen: Die Taschen dämpfen Stürze gewissermaßen und schonen damit den Heckrahmen, viel wichtiger aber: sie haben keine harten Kanten und reduzieren damit deutlich das Verletzungsrisiko für den Fahrer. Diebstahlsicher sind sie konzeptbedingt natürlich nicht, abschließbare Draht-Gepäcknetze können auch hier für eine gewisse Sicherheit sorgen. Je nach Lage des oder der Endtöpfe verlangen die Taschen außerdem nach einem Hitzeschild, auch über Kratzer darf man sich dann nicht ärgern. Leider sind sie auch relativ teuer.

Satteltaschen halten das Heck schlank, auch bei großen Motorrädern
  • Warum ich Softbags schätze:
    • günstiger als Koffersysteme
    • flexibel einsetzbar
    • sehr leicht, eng anliegend
    • oft mit Zusatztaschen erweiterbar
    • besonders geeignet für Offroad-Ausflüge
  • Wieso trotzdem nicht jeder mit Weichgepäck durch die Welt fährt:
    • teurer als Gepäckrollen
    • nicht diebstahlsicher
    • nicht allzu viel Stauraum
    • Abstandshalter oder Hitzeschild notwendig
    • Befestigung dauert ein paar Momente

Soft: Seitentaschen / Satteltaschen mit Träger („Soft Panniers“)

KTM im Enduristan-Ornat. Die Monsoon-Seitentaschen sind mit und ohne Gepäckträger nutzbar

Seitentaschen stellen einen guten Kompromiss zwischen Weich- und Hartgepäck dar, viele sind quasi identisch mit Satteltaschen und sind daher auch mit Riemen fest verbunden. Damit können sie sowohl ohne, als auch mit Kofferträger über die Sitzbank gelegt und verzurrt werden. Manche Taschen sind aber explizit für die Kombination mit einem Edelstahl-Kofferträger entworfen und kommen werden daher als Einzeltaschen an den Träger. In Abgrenzung zu den Satteltaschen sollen sie daher nochmal explizit beschrieben werden. Denn sie bieten deutlich mehr Raumangebot, sitzen wackelfrei und sind in Verbindung mit Kofferträgern sehr schnell abgenommen. Hersteller wie Kriega, Mosko-Moto, Wolfman und viele andere bieten sogar entsprechende Platten, die als Basis am Trägergestell dienen. Die Taschen werden dort einfach eingeschoben oder nach oben herausgezogen. Genauso wie Satteltaschen sind sie perfekt fürs Endurowandern und heftigere Geländeeinsätze geeignet, durch Rollverschlüsse und Kunststoff-Materialien gibt es auch hier keinen Wassereinbruch zu befürchten. Gewicht und Baubreite halten sich trotz des Trägersystems im Rahmen, somit sind Staudurchfahrten oder enge Trails auch ohne (zusätzlichen) Angstschweiß machbar. Wie anderes Weichgepäck sind auch Seitentaschen häufig erweiterbar und aufrüstbar, aber nicht diebstahlsicher. In Kombination mit einem abschließbaren Gepäcknetz können Seitentaschen den besten Kompromiss für längere Reisen darstellen. Zumal die Kofferträger noch mehr Haltepunkte für weitere Taschen oder Werkzeugrollen bieten.

  • Warum „weiche Koffer“ sinnvoll sind:
    • viel Platz, geringes Gewicht
    • schnell abnehmbar
    • mit Zusatztaschen erweiterbar
    • besonders für Offroad-Ausflüge geeignet
    • deutlich günstiger als feste Koffersysteme
  • Warum sie nicht perfekt sind:
    • benötigen häufig einen Träger
    • nicht diebstahlsicher

Hard: Koffersysteme aus Kunststoff

Kunststoff-Koffer sind der Standard bei Tourenmotorrädern und, wenn nicht sowieso Serie, meist Teil des Zubehörangebots. Sie benötigen zwar ebenfalls Halter, diese sind aber in der Regel dezent und im Heck integriert. Auch die Koffer selbst fügen sich sehr schlank ans Heck, was nicht nur gut aussieht, sondern auch die Handlingnachteile minimiert. Sie sind wetterfest, zumindest für Gelegenheitsdiebe unattraktiv und meist mit dem Zündschlüssel auf- und zuschließbar. Bei manchen Herstellern (v. a. die bekannten Varios von BMW) sind die Koffer in der Breite variabel. Durch die Anpassung an Heck und Auspuff fällt das Volumen meist nicht besonders üppig aus, je sportlicher geschnitten, desto lächerlicher das Platzangebot. Die Öffnung zur Seite sehen viele als Nachteil an, ebenso dass die Koffer meist nur hingelegt und nicht hingestellt werden können. Dafür sind sie schnell an- und abgebaut und benötigen normalerweise keine Innentaschen, auch wenn diese oft angeboten werden. Damit eignen sich die schlanken (und meist hübschen) Koffer für normales Touring mit Hotelübernachtungen, besonders zu zweit. Für Fernreisen, schlechte Pisten und Gelände sind sie eher ungeeignet. Die Koffer sind zwar nicht aus Pappe, aber die Halterungen empfindlich und nach einem Sturz oft irreparabel. Viel leichter als Alu-Koffern sind sie ohnehin nicht, nur durch das fehlende Trägermaterial spart man ein paar Kilo. Womöglich sind sie auch robuster als ihr Ruf und ihr Aussehen, ehrlicherweise entscheiden sich auch viele (mich eingeschlossen) aus optischen Gründen gegen Plastikkoffer.

Adventuresk gestylte, sehr eng anliegende BMW Variokoffer; Old-School-Plastikkoffer aus dem Zubehörmarkt

Eine erwähnenswerte Sonderform sind „robuste“ Outdoor-Kunststoffkoffer wie die berühmten Peli-Cases, die als Motorradkoffer zweckentfremdet werden können. Sie dürften einiges wegstecken, sind in vielen Größen erhältlich und von Haus aus wasserdicht, staubdicht und sicherlich auch abschließbar, verlangen aber ebenfalls nach einem Kofferträger. Damit sind sie, wie Eigenbau-Koffer aus Alu oder umgebaute Munitionskisten eine Alternative, spielen für die Masse der Motorradreisenden aber nicht wirklich eine große Rolle. Eigens für Motorradreisen entwickelte, robuste Koffer wie die berühmten Gobi-Koffer von Hepco & Becker können eine Alternative zu Alu-Koffern sein. Wie diese benötigen sie ebenfalls einen Kofferträger, einen Gewichtsvorteil dürften sie aber nicht wirklich haben.

  • Warum man sich über beim Kauf enthaltene Tourenkoffer freuen kann:
    • perfekt integriert (inkl. gleicher Schlüssel), relativ schlank (außer bei „gehärteten“ Kunststoff-Koffern)
    • schicke Optik
    • abschließbar, schnell an- und abgebaut
    • dezente Kofferhalter (außer bei den „gehärteten“ Kunststoff-Koffern)
    • mittelgroßes Volumen, teilweise erweiterbar
  • Weshalb sie irgendwann doch bei ebay landen:
    • hohes Leergewicht (rund 3 bis 5 Kilogramm pro Koffer)
    • teuer (aber günstiger als Alu-Koffer)
    • designlastige Form = stehen nicht von selbst, manchmal auch geringes Packvolumen
    • nicht besonders geländetauglich (Ausnahme: gehärtete Koffer)

Noch harder: Koffersysteme aus Aluminium

Ze Topcase is not enough. So einen Einbauschrank hatte ich jahrelang im Kopf, wenn es um Alu-Koffer ging

Alu-Koffer werden offensichtlich gleichermaßen geliebt wie belächelt, verteidigt wie angefeindet. Grundsätzlich verteufeln oder als Poser-Equipment abtun sollte man sie sicherlich nicht, denn der Erfolg hat, wie bei gewissen Motorrädern, sicherlich nicht nur etwas mit Marketing zu tun. Der Anteil derer, die damit tatsächlich auf Fernreisen unterwegs waren, stützt diese Behauptung. Was sind also die Gründe, warum Motorradfahrer um die 1000 Euro ausgeben und im Anschluss rund 15 Kilogramm Zusatzgewicht (ohne Topcase und Inhallt) ans Motorrad schrauben? Alu-Koffer sind robust, wetterfest, abschließbar und ungeheuer praktisch: Sie lassen sich von oben beladen, bieten eine rechteckige Grundform und sind darüber hinaus als Hocker, Tisch, Ablage oder als Aufbockhilfe bei einer Panne zu gebrauchen. Mit Laschen an den Deckeln sind sie meist noch erweiterbar, können etwa weitere Taschen oder Gepäckrollen aufnehmen. Die breiten Rückseiten werden außerdem gerne genutzt, um Flaschen- oder Kanisterhalter anzubringen. Damit eignen sie sich also vor allem für lange Touren oder Reisen mit Campingausrüstung. Uncool, aber ein Vorteil für alle, die kein Auto besitzen: Einkaufen gestaltet sich damit wesentlich einfacher, als mit anderen Gepäckstücken. Ihre solide Form kann zudem die Besatzung vor Anremplern schützen, der ggf. sensible Inhalt wird hier bei Umfallern am besten geschützt.

Hier könnte Ihre Werbung stehen: Die Koffer bieten viel Platz für Sticker

Bei Stürzen im Gelände werden all diese Vorteile aber zum Nachteil: Zwar stützen sie das Motorrad gewissermaßen auch, können aber ihrer unnachgiebigen Struktur nach auch Füße oder Beine verletzen. Mitunter schaden sie auch dem Heckrahmen, denn die Kofferträger können (ähnlich wie Sturzbügel) die Energie nicht absorbieren. Die Koffer selbst stecken das meist gut weg, können meistens auch wieder in Form gedengelt werden. Wenn die Boxen nicht ohnehin schnell abgenommen werden können, bieten sich Innentaschen an, die den Inhalt zudem vor Abrieb des Alus schützen. Wer nicht gerade eine Ikea-Tasche nutzt und etwas passendes möchte, zahlt damit nochmal 100 bis 200 Euro drauf. Bei eloxierten Koffern soll das aber kein Thema mehr sein. Zu den bereits genannten Nachteilen kommt noch der offensichtlichste: Durch den notwendigen Kofferträger wird das Heck je nach Motorrad ganz schön breit. Das lässt sich teilweise durch die gewählte Koffergröße abmildern. Beliebt sind daher schmalere Koffer für die Auspuffseite und breitere für die andere Seite. Klassische Formate liegen jedoch zwischen 30 bis 45 Liter Volumen, teilweise auch mit modellspezifischem Ausschnitt für den Auspuff (z. B. die Koffer für BMW Adventure Modelle). Wer sich dagegen für die universellen, quadratischen Boxen entscheidet, benötigt dafür bei einem neuen Motorrad nur einen neuen Kofferträger. Bei den vor über 30 Jahren noch häufig selbst angefertigten Koffern gibt es mittlerweile große Unterschiede in der Ausstattung und beim Design. Von zweckmäßigen Alu-Boxen bis zu „rollenden Werkzeugkästen“, von relativ dünnwandigen Koffern bis zu vermutlich beschusssicheren Exemplaren. Schön im klassischen Sinne sind auch die Kofferträger aus Edelstahl nicht, viele sehen meiner Meinung nach (wie die Koffer selbst und manche Schutzteile) jedoch regelrecht überdesignt aus. Das ist jedoch, wie bei allen Gepäckstücken, Geschmackssache. Schlussnotiz: Viel Stauraum lädt auch dazu ein, viel einzupacken… Ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist?

Viele Kofferträger sehen etwas eleganter aus, ein breites Heck lässt sich jedoch kaum verhindern
  • Warum ich zum Alu-(Koffer)-Träger geworden bin:
    • Praktische Form mit viel Stauraum, können an neues Motorrad gebracht werden
    • unverwüstlich, teilweise reparierbar
    • abschließbar
    • wetterfest und pistentauglich (eingeschränkt geländetauglich)
    • als Hocker / Tisch / Aufbockhilfe nutzbar, besonders bei Fernreisen oder Camping
    • mit Zusatzhaltern oder Taschen erweiterbar
    • „looks the business“
  • Warum das sechs Jahre gedauert hat, nach wie vor berechtigte Kritikpunkte:
    • sehr teuer (allein Kofferträger und Koffer kosten neu mindestens 750 Euro)
    • hohes Leergewicht (rund 4 bis 6 Kilo je Koffer, Kofferträger um die 4 Kilo)
    • bauen je nach gewählten Koffergrößen sehr breit
    • erhöhen die Verletzungsgefahr in schwerem Gelände
    • Alu-Abrieb, sofern nicht eloxierte Koffer oder Innentaschen genutzt werden
    • „looks the business“

Fazit

Wie schon angedeutet gibt es auch hier kein einfaches „Entweder – oder“ und, ich wiederhole mich, sicherlich nicht „das Beste“. Denn wer minimalistisch unterwegs ist, kann wochenlang mit einer Gepäckrolle verreisen. Wer aber monatelang verreist, oder auch mal Fotoausrüstung und Laptop, Zelt und Schlafsack dabei hat, tut sich damit schwer und investiert vielleicht lieber in ein Kofferset, das gebraucht auch gar nicht mehr so teuer sein muss. Je nach Motorrad und Urlaub lässt sich das Gepäck nahezu beliebig kombinieren. Auch „weiche“ Koffer sind ein guter Kompromiss, die höchstens Nachteile haben, wenn das Motorrad mal länger irgendwo abgestellt wird. Wer nur in der Wildnis unterwegs ist, hat damit kein Problem. Meine Gründe für Alu-Koffer lagen vor allem im begrenzten Volumen meiner Softbags und den Erfahrungen der letzten längeren Tour nach Griechenland. Insbesondere habe ich die Möglichkeit vermisst, meine Fotoausrüstung abschließen zu können. Daher habe ich mir jetzt gebrauchte Touratech-Koffer besorgt. Die sehr simpel und zweckmäßig aussehenden Zegas der ersten Generation gefallen mir ohnehin besser als die aktuelle Pro- und Evo-Serie, von Modellen anderer Hersteller ganz abgesehen. Für einen Wochenendtrip oder Urlaub ohne Zelt nutze ich trotzdem nach wie vor gerne meine Gepäckrolle oder die Blizzard-Taschen. Oder eben eine Kombination aus „Hard und Soft“. Es lebe die Vielfalt und der Kompromiss. Trotzdem: Je höher der Geländeanteil, desto weicher sollte das Gepäck sein.

Bild von der ersten Koffer-Testfahrt

Eine weitere, gute Zusammenfassung (Englisch)

Als Rausschmeißer noch ein (englisches) Video vom geschätzten Bret Tkacs:

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s