Duke / Teil V – Es lebt!

In großen Schritten ging es auf das erste Anlassen zu. Um bloß keine Zeit zu verlieren und den lokalen Einzelhandel zu stützen, hatte ich noch schnell beim Louis-Terminshopping zwei Benzinfilter besorgt. Dass ich am Abend nochmal beim selbsternannten Gigastore stehen sollte, war nicht wirklich geplant. Aber zurück zum Thema, zurück zur Duke.

Der Kenner sieht: Es hat funktioniert. Oder man hat den Titel gelesen

In Vorbereitung des ganzen Motor-Kapitels schien es mir wie angekündigt ratsam, vorher die Kühlflüssigkeit zu wechseln. Die soll nämlich sowieso bei kaltem Motor raus und würde dann, im Fall des ersten Startversuchs, nicht nochmal unnötig durch das System gepumpt werden. Bei meiner Xchallenge hatte ich damit noch ziemliche Berührungsängste, ber der/dem Duke galt: Es hilft ja nix. Also Schlauch abgezogen und raus damit. Sorgfältig haben wir uns dafür noch ein Ablaufblech aus einer PET-Flasche gebaut, in Erwartung der sprudelnden, schier unkontrollierbaren Fluten, die auf einem Bild in der Reparaturanleitung angekündigt werden. Doch hier: Eine herbe Enttäuschung, Flüssigkeit wechseln war wohl etwas illusorisch ausgedrückt. Es rieselten lediglich ein paar Flocken aus dem Gummischlauch. Die Frage, ob ein Spülgang sinnvoll wäre, war damit aber auch beantwortet. Mangels Gartenschlauch gossen wir ein paar Flaschen warmes Leitungswasser durch die Leitungen.

Da kam erstmal garnix, wir mussten mit ein paar Spülgängen nachhelfen

Im Plastikbehälter setzte sich etwas brauner Schlamm ab, aber nach und nach kam das Wasser relativ klar aus der Leitung. Schlauch also wieder drauf und neue Flüssigkeit eingefüllt. Mit Kneten sämtlicher Kühlerschläuche sank der Pegel etwas, aber wie in der Anleitung beschrieben müsste der Motor schon ein paar Sekunden laufen, um den Flüssigkeitsstand halbwegs korrekt beurteilen zu können. Mit der Kühlflüssigkeit werden wir nun einfach so verfahren, wie mit dem neuen Öl: Wenn die Maschine mal ein paar Stunden gelaufen ist, werden wir sie einfach nochmal vorzeitig wechseln. Erst dann soll sie für die üblichen drei bis X Jahre drin bleiben. Solange es nicht wieder über 24 werden…

Neues Gemisch für den Kühler

Danach ging es an Eingemachte: Der für KTM-Novizen wie mich höchst kompliziert anmutende Ölwechsel. Die ersten Schritte waren jedoch noch vergleichbar einfach. Warum es aber gleich zwei Ablassschrauben gibt, bleibt vorerst ein Rätsel. Streng genommen sogar drei, denn am Brustrohr bzw. Rahmen kam ebenfalls eine beträchtliche Menge Altöl raus. Erst dann ging es an den großen Schraubfilter (am eben jenem Brustrohr) und an den zweiten, der ähnlich wie bei meiner 650er auf der rechten unteren Motorseite untergebracht ist und dem, genau wie beim Filter der Rotax-650er, Ähnlichkeiten zu einer Klorolle nachgesagt werden. An den davon weggehenden Ölleitungen waren dann auch noch drei Dichtringe zu wechseln. Fehlt nur noch das Entlüften, das wir beim nächsten Motorstart erledigen werden. Für weitere Verwirrung sorgten die Widersprüche zwischen Duke-Besitzerhandbuch (von 1996) und der etwas allgemeiner gehaltenen Reparaturanleitung für sämtliche LC4-Motoren. Nach alter Lesart werden 2,1 Liter eingefüllt, gestartet und entlüftet, bis Öl an einer Entlüfterschraube (eine weitere, oben am Rahmen) austritt. Fertig. Nach neuer Lesart kommen in den Motor nur 1,3 bis 1,5 Liter und die restlichen 600 Milliliter werden mit einer Spritze oben in das Brustrohr eingefüllt und dann entlüftet. Ja mei. Dieses Mal haben wir uns für die alte Art entschieden, der Motor wird es uns bestimmt nochmal verzeihen. Als reines Spül-Öl war uns das zu schade, aber dafür plane ich den nächsten Ölwechsel (wie das Kühlwasser) schon deutlich früher, nach ein paar Betriebsstunden bzw. wenigen Hundert Kilometern.

Ganz normal, die alten LC4 haben drei Stellen zum Öl ablassen

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum Countdown war ein zum Glück offensichtlich abgerütteltes oder abgezogenes Kabel nahe der Batterie. Der Schaltplan war hilfreich und an dieser Stelle halbwegs verständlich, aber auch so blieb eigentlich nur eine Möglichkeit, wo das Kabel hingehört. Angelötet und mit Tape versiegelt sollte das wieder für die nächsten Jahre halten.

Abgerüttelt und später wieder angelötet: Ein Kabel, dessen Funktion vorerst das Geheimnis des Schaltplans bleibt

Mit dem frisch eingebauten Vergaser konnte nun auch wieder der Tank angebaut werden. Nächste Herausforderung: Die Kraftstofffilter irgendwie zwischen die beiden Leitungen bringen, was bei den Platzverhältnissen und der Nähe zum Krümmer gar nicht so einfach war. Schien aber eine bessere Lösung, als irgendwelche Chemiebomben auf Verdacht in den Tank zu geben. Vorher überprüften wir noch, ob der Benzinhahn überhaupt Sprit durchlässt. Hier war nichts verharzt oder verstopft, wieder eine Sorge weniger. Dafür, und natürlich für die spätere Feuerprobe, hatte ich vorhin extra noch drei Liter vom guten Super Plus getankt.

Frisches Feuerwasser für den kleinen Duke-Tank

Vor dem Abziehen und Auftrennen der Benzinleitungen entdeckte ich im Regal noch eine etwas längere, ummantelte Spritleitung, die ich sonst benutze, um bei der G650X das Öl aus dem Öltank abzulassen. Somit hatten wir nochmal mehr Material und konnten die Filter und Leitungen relativ elegant verlegen, den vorderen Filter mit einem Kabelbinder sogar noch etwas mehr Abstand zum bald warm werdenden Krümmer verschaffen. Hält gut und dicht.


Mit dem Anschliessen der Batterie stieg die Vorfreude. In der Nähe des Gleichrichters konnte man ein leises surren hören, so als ob auch die Elektrik erstmal warm werden müsste. Aber Zündung und alle Lampen waren soweit schon mal ok. Hätte ja auch anders sein können. Damit blickte Herr Duke seit langem mal wieder einäugig in die Welt. Unsere Erwartungshaltung war unterschiedlich: Ich sah naiverweise keinen Grund, warum sie nicht anspringen sollte. Mein Bruder, der die Start-Allüren der Duke schon nach zwei Wochen Stillstand kannte, rechnete nicht wirklich damit. Nach einigen Ankick-Versuchen (ja ja, kick ten minutes) brachten wir den E-Starter zum orgeln und die Nachbarschaft womöglich an die Fenster… dann pulsierte das zweite Auge im Takt des Anlassers. Und der Duke erwachte schüttelnd und rüttelnd (und mit viel zu hoch eingestelltem Standgas) aus dem Winterschlaf:

Was wir dann in der ganzen Aufregung vergessen haben: Nach dem Ölwechsel entlüften und den Kühlwasserstand checken. Außerdem tropfte etwas aus dem wieder angebrachten Kühlerschlauch, den ich wohl zu halbherzig angebracht habe. Kleinigkeiten, die ich aber bereits notiert habe. Ich habe mich ja schon zwischenzeitlich gewundert, wie schnell das alles eigentlich ging. Aber selbstverständlich kümmern wir uns zuerst um die dringenden, TÜV-relevanten Sachen. Für die Überholung des Fahrwerks und Austausch der etwas rostigen Kette ist dann immer noch Zeit. Weiter geht es daher erstmal mit dem Austausch der Bremsflüssigkeit, was wieder sehr lehrreich für mich werden dürfte.

An dieser Stelle (wie immer) die Liste zur Übersicht:

  • Motor
    • Vergaser überprüfen / reinigen und wieder einbauen
    • Kickstarterhebel ersetzen
    • Kühlflüssigkeit ersetzen
    • Tank reinigen –> Ausschwenken, Benzinfilter dazwischenhängen
    • Öl- und Filterwechsel
    • (Ventilspiel kontrollieren)
    • (Zündkerze ersetzen)
    • (Kühlerschläuche / Dichtungen bei Bedarf ersetzen)
    • (Luftfilter ersetzen)
  • Getriebe / Antrieb
    • Kettensatz erneuern
  • Bremsen
    • Bremsflüssigkeit vorne und hinten wechseln
    • Bremsleitung hinten gegen Stahlflex austauschen
    • Bremsbeläge wechseln
    • Bremssattel reinigen
    • (Bremsscheiben wechseln)
  • Fahrwerk und Reifen
    • Gabelservice (Gabeöl wechseln, Simmerringe etc.)
    • (Federbein ggf. überholen lassen)
    • (Radlager bei Bedarf ersetzen)
    • Reifen und Schläuche erneuern
  • Elektrik
    • Batterie ersetzen
    • Lichter, Hupe und Anlasser überprüfen
  • Sonstiges
    • Schwinge und Felgen polieren
    • Hebelspiel überprüfen und einstellen (Kupplung, Choke, Gas etc.)
    • Schmierstellen fetten / ölen

Für alle, die sich noch an die einleitenden Worte erinnern und sich dafür interessieren, folgt hier die Geschichte hinter der Geschichte. Denn manchmal langt man eben doch zweimal auf die heiße Herdplatte. Oder fährt mal wieder mit schwächelnder Batterie zur Tankstelle, die nur einen guten Kilometer entfernt liegt. Warum? Um Sprit für die oben beschriebene Duke-Aktion zu besorgen. Nach dem ungewohnten Auffüllen eines mitgebrachten Kanisters stieg ich wieder routiniert auf das blaue Sitzbrett meiner Xchallenge. Aber, Déjà-vu, der Anlasser jaulte und der Brennraum blieb stumm. Da man das natürlich nicht wahrhaben will, versucht man es weiter. Verdrängen hilft aber nix, und weiterorgeln auch nicht. Ich ging also kurz die wenigen Optionen durch. Selbst wenn ich mein Handy dabei gehabt hätte, hätte ich auch nichts damit anfangen können. Werkzeug hatte ich nicht dabei. Und den Berg zurück schieben? Nein, danke. Also Motorrad, wie schon mal erlebt, erstmal um die Ecke schieben. Nur dass ich dieses Mal nicht Richtung Motor-Presse-Hangar unterwegs war, sondern es nochmal beim Louis versuchen wollte. Die waren aber leider dank des Terminshoppings mehr als ausgelastet, was der Dame an der Kasse aber sichtlich leid tat. Nicht schlimm, und einen Versuch war es wert. Also ließ ich die Xchallenge auf dem Mopedparkplatz vor leeren Schaufenstern stehen und lief zurück, um die Batterie später auszubauen. Mit dem letzten (wirklich!) Zwickel, den wir in der Wohnung hatten, leistete ich mir ob des einsetzenden Regens immerhin eine Fahrkarte für die Stadtbahn, um damit zur Garage zurückzufahren. Zum Glück hat niemand den Sprit gerochen, denn den Kanister hatte ich ja immer noch im Rucksack. Lag vielleicht auch an der Maskenpflicht. In der Garage angekommen, sattelte ich auf die GS um und fuhr zurück zum Gigastore, dieses Mal im Rucksack: Werkzeug, Schlüssel und Papiere der Xchallenge. Falls einer fragen sollte, was ich denn da machen würde. Aber ich wurde nur gefragt, ob das eine 650er sei, und ob das ein zugekaufter Motor wäre. Aha, so so, ja, viel leichter als so eine GS. Ein paar Sekunden später war die Batterie im Rucksack, und die Xchallenge musste (nun vollkommen stromlos) auf meine Rückkehr warten.

Wie das halt manchmal so ist: Der große Bruder hilft dem Kleinen aus der Klemme

In der Zwischenzeit, die wir an, neben und unter der Duke verbrachten, war die kleine Batterie schnell wieder aufgeladen. Gegen 22:30 Uhr und nach der erfolgreichen Duke-Zündung hatte ich also noch unfinished business. Ich würde ja auch nicht gern vor dem Louis-Schaufenster in Stuttgart-Mitte übernachten. Um die Aktion zu verkürzen, bot mir mein Bruder noch an, mich auf dem Roller hinzufahren. Treppenwitz des Abends: Die Batterie des Rollers war auch leer. Die Anschiebeversuche sahen lustig aus, brachten aber keinen Erfolg. Dann fiel ihm der Kickstarter ein, ich war wohl zu müde, um ihn auf das vermeintlich offensichtliche hinzuweisen. Nach ein paar Minuten vergeblicher Kickerei (kick ten minutes – das können auch andere) sprang das 50er-Rollerle an. Um die vorherige Arbeitsverweigerung gerade zu überkompensieren, drehte die Automatik vollgasmäßig auf, nur um dann mit einem fulminanten Zahnriemen-Quietschen auch die letzten Anwohner aus dem Bett zu schmeißen. Full-Gäs! Wir zischten so schnell ab, wie es die 50 Kubik eben zuließen, und, erstmal in Bewegung, beruhigte sich der Roller dann auch schnell. Der frisch geladene Akku war schnell eingebaut und niemand da, der komische Fragen stellte. Nach der kurzen Rückfahrt war die Garage wieder voll und alles endlich wieder in seiner gewohnten Ordnung.

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