G 650 ÖlChallenge

Ein Ölwechsel ist eigentlich eine Sache von wenigen Minuten. Bei der XChallenge ist es auch aufgrund der Trockensumpfschmierung ein wenig komplizierter. Dennoch ist der Ölwechsel an der G650X-Reihe ohne Werkstattbesuch machbar. Da es im Netz relativ wenige (deutsche) Anleitungen gibt, versuche ich das Prozedere so gut wie möglich zu beschreiben. Ich habe diese Anleitung als Grundlage genutzt. Als Anhalt kann außerdem der Ölwechsel der anderen BMW 650er dienen. Darüber hinaus gibt die BMW Wartungs-DVD genaue Vorgaben. Bei mir ist trotzdem einiges schief gegangen, was ich jetzt unter „Das-passiert-mir-nie-wieder“ verbuchen kann… Update: Anmerkungen nach zweitem Ölwechsel

Ein Set besteht mindestens aus drei Liter Motoröl und einem neuen Ölfilter. Idealerweise auch neue O-Ringe und Kupfer-Unterlegscheiben. Beim BMW-Händler gibt es das auch als Satz zu kaufen. Welches Öl gekauft werden sollte, gibt das Handbuch vor, laut meiner Version 15W50 oder 10W40. Ich habe mich für ein teilsynthetisches 10W40 entschieden. Bei vollsynthetischem scheiden sich die Geister. Bei vielen funktioniert es wunderbar, bei manchen führt es zu Kupplungsrutschen. So oder so: für die ersten 10 000 Kilometer sollte ausschließlich mineralisches Öl benutzt werden. Und, so oder so, muss es die Norm JASO MA2 bzw. API SF bis SH erfüllen. Die Norm ist wichtig, da die F650 und G650 über eine Nasskupplung verfügen.

Erster Schritt: Warmfahren!

Damit das Öl besser abfließt, sollte der Motor etwas warmgefahren waren. Gute 15 – 30 min sollten reichen. Alternativ (im Stand) soll der Motor so lange laufen, bis der Lüfter anspringt.

Zweiter Schritt: Altes Öl ablassen.

Reihenfolge gemäß BMW-Wartungsplan: Erst Öltank, dann Ablassschraube.

Um bereits hier eine Sauerei zu vermeiden sollte der Boden mit Zeitungspapier, Papiertüchern o.ä. bedeckt werden. Das Öl wird zunächst aus dem Öltank abgelassen. Die Verkleidung muss dafür nicht entfernt werden, aber das Bild zeigt ganz gut, warum das meiste Öl im Öltank ist.

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Öltank

Jetzt ist Kreativität gefragt. Das Ablassventil befindet sich am Boden des Öltanks. Allerdings müsst Ihr hier einen passenden Schlauch finden. Ich habe auf dem Speicher eine Benzinleitung eines 2V-Boxers gefunden, die nahezu bündig aufsteckbar war. Um eine Sauerei zu vermeiden solltet Ihr ein Tuch darunter stecken.

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Der Schlauch sollte gut abdichten.

Danach kann die Schraube etwas geöffnet werden und das Öl fließt ab. Ein offener Einfüllstutzen oder ein paar Umdrehungen mehr beschleunigen den Vorgang.

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Aderlass

Wenn der Schlauch auch ohne Eure Hilfte hält, könnt Ihr es auch noch eine Zeit lang tröpfeln lassen. Wenn der Strom abreißt, könnt Ihr das Ablassventil wieder schließen. Auch hier bitte mit Gefühl. Hier sollten ungefähr 1,1 Liter herauskommen.

Danach geht es an die Unterseite des Motors. Eine Bemerkung für unerfahrene Schrauber, da es zumindest mir jedesmal so geht: nicht erschrecken wenn das warme Öl über die Finger fließt und die Ablassschraube festhalten! Bei meinem ersten Ölwechsel an meinem damaligen 328i (E36) durfte ich sie später aus der Schüssel fischen…

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Äußert praktisch: Motorschutz mit Aussparung für die Ölablassschraube

Die Metallspäne, die an der (magnetischen) Schraube hängen wegwischen. Die Kupferdichtung sollte ersetzt werden, kann aber zur Not auch nochmal benutzt werden.

Hier sollte ein weiterer Liter Altöl herauskommen.

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Sollte nicht in der Schüssel landen: Ablassschraube

Wenn nichts mehr tröpfelt, kann die Ablassschraube wieder eingesetzt werden. Unbedingt mit Gefühl oder Drehmomentschlüssel festziehen. Nach fest kommt ab!

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20 Nm oder 40 Nm? Das Netz widerspricht sich hier teilweise…

Nun geht es auf die andere Seite des Motors. Um eine bessere Zugänglichkeit zu erreichen, sollten Bremsflüssigkeitsbehälter und Spannungsregler entfernt werden. Was außerdem mal wieder eine Gelegenheit bietet, etwas Rost zu entfernen…

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Kein großer Aufwand für bessere Zugänglichkeit

Nun ist wieder Bastelzeit. Ob mit einer Dose oder Alufolie (wie in der Anleitung, die ich genutzt habe): Im Ölfiltergehäuse befindet sich noch genug Öl, das etwas kontrolliert abfließen sollte. BMW-Mechaniker verwenden dafür ein Ablaufblech.

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Auch hier schaden etwas Küchenrolle oder ein Lappen nicht, um die Stellen abzudichten, wo keine Alufolie hinkommt.

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Nicht vergessen die Schüssel mitzunehmen…

Nachdem alle drei Schrauben entfernt sind, fließt ein Großteil des Öls nun schön in die Schüssel ab. Dafür solltet Ihr die Maschine etwas kippen. Danach können Deckel und Filter entnommen werden. Den alten Filter packt Ihr am besten gleich in eine Plastiktüte, da er sonst binnen Minuten alles vollsuppt. Hier kommen nochmal 1-200 ml Altöl raus.

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Der alte Ölfilter

Der schwarze Ring aus Gummi, der im Deckel liegt, ist das nächste Teil was in meinem Fall wiederverwendet werden muss. Normalerweise wird hier das Ersatzteil, mit etwas Öl benetzt, eingesetzt.

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Einfach auszuwischen.

Vor dem Einsatz des neuen Filters kann das verbliebene Öl ausgewischt werden. Auch der neue Filter sollte etwas mit Motoröl bestrichen werden, bevor er eingesetzt wird.

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Fast fertig…

Jetzt wird der Deckel wieder aufgeschraubt. Fest aber nicht zu fest. Anschließend können Bremsflüssigkeitsbehälter und Spannungsregler wieder verschraubt werden. Und das Öl aufgewischt werden, das nicht über die Alufolie abfließen wollte.

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Das Öl sammelt sich gerne am Motorschutz

Dritter Schritt: Überprüfen.

Alles was aufgeschraubt oder gelöst wurde, muss nun wieder festsitzen. Das schließt die vorher gelöste Verkleidung mit ein. Wer möchte kann außerdem die abgelassene Menge Altöl messen. Obwohl die Gesamtmenge 2,3 Liter beträgt, bekommt man selten das gesamte Öl aus dem Motorrad. Das sollte man beim Auffüllen im Hinterkopf haben.

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Bereit zum Auffüllen

Vierter Schritt: Neues Öl einfüllen.

Für die Vorfüllung gibt BMW 1,7 Liter an. Da die meisten Ölflaschen über eine Skala verfügen, lässt sich das leicht ablesen.

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Praktisch

Spätestens hier begann jedoch die Sauerei. Um meinen Fehler nicht zu wiederholen: Langsam einfüllen! Mehr dazu unten…

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Mit Gefühl einfüllen und Foto machen verträgt sich nicht.

Obwohl im ersten Schritt 1,7 Liter eingefüllt werden sollen, kann es sein dass das Öl schon vorher oben ansteht. In meinem Fall war es ein guter Liter. Ihr könnt zum einen etwas darin rühren um eventuelle Blasen zu lösen. Wenn trotzdem nichts mehr reingeht: Stutzen einschrauben und Motor kurz (!) laufen lassen. Das Öl wird dann etwas von der Ölpumpe verteilt.

Beim zweiten Ölwechsel gingen genau 1,7 Liter rein. Damit war der Öltank aber auch voll.

Danach sollte aber auf 1,7 Liter aufgefüllt werden. In meinem Fall also nochmal 700 ml. Spätestens jetzt ist man wieder synchron mit der offiziellen Anweisung. Der Motor soll dann nochmal gestartet werden und etwas länger laufen (gute 30 Sekunden). Nun sollte der Rest (0,6 Liter) aufgefüllt werden. Diese Menge hängt aber wie gesagt davon ab, wie viel Öl Ihr herausbekommen habt. Es kann also auch sein, dass Ihr hier nur 300 ml auffüllen könnt. Sollte das Öl also oben anstehen, kann der Motor noch einmal etwas länger laufen (bis der Lüfter anspringt).

Nachdem der Motor 20 Sekunden lief, füllte ich noch 300 ml auf. Danach lief der Motor, bis der Lüfter ansprang. Der trockene Ölmessstab verlangte aber nach mehr Öl. Ich füllte noch etwas nach. Nach erneuter Warmlaufphase stieg das Öl bis kurz vor die MAX-Markierung. Perfekt.

Jetzt gleicht der Ablauf eigentlich der normalen Prüfung des Füllstands: Motor aus, Motorrad gerade stellen, Ölmessstab herausschrauben, abwischen, einschrauben, ausschrauben, abmessen. Laut Handbuch beträgt die Differenz zwischen MIN und MAX 0,25 Liter. Um den korrekten Füllstand zu messen, muss der Motor allerdings warm sein. Je wärmer, desto genauer. Also lieber nach 30 min Fahrt messen, als nach kurzer Laufzeit im Stand. Das ist einer der häufigsten Fehler bei den BMW-Eintöpfen. Bei kaltem Motor ist der Ölstand so niedrig, dass gerne mal zu viel nachgefüllt wird.

Als Faustregel: Ölstand bei warmen Motor messen und auf keinen Fall mehr als 2,3 Liter einfüllen! Im Übrigen versteht sich dieser Beitrag nur als Anhalt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber wenn ich es hinbekommen habe, sollte es eigentlich jeder schaffen.

Da war ja noch was… was ist schiefgegangen?

Zum einen habe ich zu schnell aufgefüllt, so dass das frische Öl seitlich am Trichter übergelaufen ist. Unschön, aber noch nicht so schlimm. Um den Motor nicht die ganze Zeit im Stand laufen zu lassen, hielt ich es für eine gute Idee kurz zur Tankstelle zu fahren, gute 4 km hin und zurück. Zu dem Zeitpunkt waren so 1,7 bis 2 Liter eingefüllt.

Nach dem Ortsschild bemerkte ich jedoch die braune Soße am linken Hosenbein. Und sah Rauchschwaden und das tropfende Öl. Mist, also schnell zurück gefahren. Das ganze Heck war mit Öl eingesaut. Nachdem ich die erste Panik bekämpft hatte, nahm ich die Sitzbank ab und sah den Fehler.

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Nur die Sitzbank hat den Abflug verhindert.

Ich weiß nicht warum, und es ärgert mich jetzt noch. Ich muss vergessen haben den Einfüllstutzen einzuschrauben. Daher konnte das Öl natürlich ablaufen, runtertropfen, auf dem Hinterrad landen und davon schön verteilt werden. Ich hatte Glück, dass ich das rechtzeitig bemerkte und dann entsprechend vorsichtig zurückfuhr. Verdammt ärgerlich. Dafür gewann die XChallenge einen Waschtag und ich jede Menge Erfahrung.

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Bitte nicht nachmachen…

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