G 650 ÖlChallenge

Ein Ölwechsel ist je nach Fahrzeug eine Sache von wenigen Minuten. Bei der XChallenge ist es aufgrund der Trockensumpfschmierung mit separatem Öltank ein wenig komplizierter. Dennoch ist der Ölwechsel an der G650X-Reihe ohne Werkstattbesuch machbar. Da es im Netz relativ wenige (deutsche) Anleitungen gibt, versuche ich das Prozedere so gut wie möglich zu beschreiben. Ich habe diese Anleitung als Grundlage genutzt. Darüber hinaus gibt die BMW Wartungs-DVD genaue Vorgaben.  Überarbeitet nach zweitem Ölwechsel.

Was Ihr braucht:

  • 3 Liter Motoröl (siehe Handbuch, z.B. 15W50 oder 10W40 mit JASO MA2 / API SF bis SH Norm. Wichtig, da der Einzylinder über eine Nasskupplung verfügt
  • Ölfilter, neuer O-Ring und Kupferdichtung
  • einen Schlauch, Schüssel und etwas Alufolie
  • Werkzeug und etwas Platz

 

Erster Schritt: Warmfahren!

Damit das Öl besser abfließt, sollte der Motor etwas warmgefahren waren. Gute 15 – 30 min sollten reichen. Alternativ gemäß Handbuch (im Stand) soll der Motor so lange laufen, bis der Lüfter anspringt.

Zweiter Schritt: Altes Öl ablassen.

Um bereits hier eine Sauerei zu vermeiden sollte der Boden mit Zeitungspapier, Papiertüchern o.ä. bedeckt werden. Das Öl wird gemäß der BMW-Wartungsanleitung zunächst aus dem Öltank abgelassen. Die Verkleidung muss dafür nicht entfernt werden, aber das Bild zeigt ganz gut, warum das meiste Öl im Öltank ist.

DSCN1279.JPG

Öltank

Jetzt sind Kreativität und ein passender Schlauch gefragt. Das Ablassventil befindet sich am Boden des Öltanks. Ich habe auf dem Speicher eine Benzinleitung eines 2V-Boxers gefunden, die nahezu bündig aufsteckbar war. Um eine Sauerei zu vermeiden solltet Ihr auch hier ein Tuch darunter stecken.

DSCN1281.JPG

Der Schlauch sollte gut abdichten.

Danach kann die Schraube etwas geöffnet werden und das Öl fließt ab. Ein offener Einfüllstutzen oder ein paar Umdrehungen mehr beschleunigen den Vorgang.

DSCN1285.JPG

Aderlass

Wenn der Schlauch auch ohne Eure Hilfte hält, könnt Ihr es auch noch eine Zeit lang tröpfeln lassen. Wenn der Strom abreißt, könnt Ihr das Ablassventil wieder schließen. Auch hier bitte mit Gefühl. Hier sollten ungefähr 1,1 Liter herauskommen.

Danach geht es an die Unterseite des Motors. Eine Bemerkung für unerfahrene Schrauber, da es zumindest mir jedesmal so geht: nicht erschrecken wenn das warme Öl über die Finger fließt und die Ablassschraube festhalten! Bei meinem ersten Ölwechsel an meinem damaligen 328i (E36) durfte ich sie später aus der Schüssel fischen…

DSCN1274

Äußert praktisch: Motorschutz mit Aussparung für die Ölablassschraube

Die Metallspäne, die an der (magnetischen) Schraube hängen wegwischen. Die Kupferdichtung sollte ersetzt werden. Hier sollte ein weiterer Liter Altöl herauskommen.

dscn1276.jpg

Sollte nicht in der Schüssel landen: Ablassschraube

Wenn nichts mehr tröpfelt, kann die Ablassschraube wieder eingesetzt werden. Unbedingt mit Gefühl oder Drehmomentschlüssel festziehen. Nach fest kommt ab!

DSCN1282.JPG

20 Nm oder 40 Nm? Das Netz widerspricht sich hier teilweise…

Nun geht es auf die andere Seite des Motors. Um eine bessere Zugänglichkeit zu erreichen, sollten Bremsflüssigkeitsbehälter und Spannungsregler entfernt werden. Was außerdem mal wieder eine Gelegenheit bietet, etwas Rost zu entfernen…

DSCN1287.JPG

Kein großer Aufwand für bessere Zugänglichkeit

Nun ist wieder Bastelzeit. Ob mit einer Dose oder Alufolie (wie in der Anleitung, die ich genutzt habe): Im Ölfiltergehäuse befindet sich noch genug Öl, das etwas kontrolliert abfließen sollte. BMW-Mechaniker verwenden dafür ein Ablaufblech.

DSCN1289.JPG

Auch hier schaden etwas Küchenrolle oder ein Lappen nicht, um die Stellen abzudichten, wo keine Alufolie hinkommt.

DSCN1290.JPG

Nicht vergessen die Schüssel mitzunehmen…

Nachdem alle drei Schrauben entfernt sind, fließt ein Großteil des Öls nun schön in die Schüssel ab. Dafür solltet Ihr die Maschine etwas kippen. Danach können Deckel und Filter entnommen werden. Den alten Filter packt Ihr am besten gleich in eine Plastiktüte, da er sonst binnen Minuten alles vollsuppt. Hier kommen nochmal 1-200 ml Altöl raus.

DSCN1291.JPG

Der alte Ölfilter

Der schwarze Ring aus Gummi, der im Deckel liegt, sollte ebenfalls ersetzt werden. Vorher mit etwas Öl benetzen.

DSCN1292.JPG

Einfach auszuwischen.

Vor dem Einsatz des neuen Filters kann das verbliebene Öl ausgewischt werden. Auch der neue Filter sollte etwas mit Motoröl bestrichen werden, bevor er eingesetzt wird.

DSCN1293.JPG

Fast fertig…

Jetzt wird der Deckel wieder aufgeschraubt. Fest aber nicht zu fest. Anschließend können Bremsflüssigkeitsbehälter und Spannungsregler wieder verschraubt werden. Und das Öl aufgewischt werden, das nicht über die Alufolie abfließen wollte.

DSCN1295

Das Öl sammelt sich gerne am Motorschutz

Dritter Schritt: Überprüfen.

Alles was aufgeschraubt oder gelöst wurde, muss nun wieder festsitzen. Das Altöl habe ich nur für diesen Beitrag abgemessen. Obwohl die Gesamtmenge 2,3 Liter beträgt, bekommt man selten das gesamte Öl aus dem Motorrad. Das sollte man beim Auffüllen im Hinterkopf haben.

DSCN1296.JPG

Bereit zum Auffüllen

Vierter Schritt: Neues Öl einfüllen.

Für die Vorfüllung gibt BMW 1,7 Liter an. Da die meisten Ölflaschen über eine Skala verfügen, lässt sich das leicht ablesen.

DSCN1297.JPG

Praktisch

Großes Sauereipotenzial. Langsam einfüllen!

DSCN1298.JPG

Mit Gefühl einfüllen

Mit den 1,7 Litern ist der Öltank in der Regel voll. Falls nicht und etwas Warten auch nichts bringt: Stutzen einschrauben und Motor kurz (!) laufen lassen. Das Öl wird dann etwas von der Ölpumpe verteilt. Danach sollte aber auf 1,7 Liter aufgefüllt werden. Spätestens wenn diese Menge im Tank ist soll der Motor gestartet werden und etwas länger laufen, etwa 30 Sekunden. Nun sollte der Rest (0,6 Liter) aufgefüllt werden. Diese Menge hängt aber wie gesagt davon ab, wie viel Öl Ihr überhaupt herausbekommen habt. Es kann also auch sein, dass Ihr hier nur 300 ml auffüllen könnt. Sollte das Öl also oben anstehen, kann der Motor noch einmal etwas länger laufen (bis der Lüfter anspringt).

Jetzt gleicht der Ablauf eigentlich der normalen, durchaus schwierigen Prüfung des Füllstands: Motor aus, Motorrad gerade stellen, Ölmessstab herausschrauben, abwischen, einschrauben, ausschrauben, abmessen. Laut Handbuch beträgt die Differenz zwischen MIN und MAX 0,25 Liter. Um den korrekten Füllstand zu messen, muss der Motor allerdings warm sein. Je wärmer, desto genauer. Also lieber nach 30 min Fahrt messen, als nach kurzer Laufzeit im Stand. Bei kaltem oder nur halbwarmen Motor ist der Ölstand so niedrig, dass gerne mal zu viel nachgefüllt wird. Das ist einer der häufigsten Fehler bei den BMW-Eintöpfen, die teilweise auch von fachkundigen Mechanikern überfüllt werden.

Als Faustregel: Ölstand bei warmen Motor messen und beim Ölwechsel auf keinen Fall mehr als 2,3 Liter einfüllen! Im Übrigen versteht sich dieser Beitrag nur als Anhalt und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Aber wenn ich es hinbekommen habe, sollte es eigentlich jeder schaffen.

Was trotzdem schiefgehen kann…

Nicht zur Nachahmung empfohlen. Beim ersten Ölwechsel lief es nach dem Einfüllen nicht mehr ganz so harmonisch. Zum einen habe ich zu schnell aufgefüllt, so dass das frische Öl seitlich am Trichter übergelaufen ist. Unschön, aber noch nicht so schlimm. Um den Motor nicht die ganze Zeit im Stand laufen zu lassen, hielt ich es für eine gute Idee kurz zur Tankstelle zu fahren, gute vier km hin und zurück. Zu dem Zeitpunkt waren so 1,7 bis 2 Liter eingefüllt.

Nach dem Ortsschild bemerkte ich jedoch die braune Soße am linken Hosenbein. Und sah Rauchschwaden und das tropfende Öl. Mist, also vorsichtig zurück geeiert. Das ganze Heck war mit Öl eingesaut. Nachdem ich die erste Panik bekämpft hatte, nahm ich die Sitzbank ab und sah den Fehler.

DSCN1303.JPG

Nur die Sitzbank hat den Abflug verhindert.

Ich weiß nicht warum aber ich habe vergessen den Einfüllstutzen einzuschrauben. Daher konnte das Öl natürlich ablaufen, runtertropfen, auf dem Hinterrad landen und davon schön verteilt werden. Ich hatte Glück, dass ich das rechtzeitig bemerkte und dann entsprechend vorsichtig zurückfuhr. Verdammt ärgerlich. Dafür gewann die XChallenge einen Waschtag und ich jede Menge Erfahrung.

DSCN1302

Bitte nicht nachmachen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s