Zwei Tage im Enduropark Hechlingen (2)

Am nächsten Morgen war alles noch schlimmer.

Der erwartete ganzkörperliche Muskelkater störte mich weniger, als der dicke Kopf und die laufende Nase. Hier half auch kein Frühstück und doppelter Kaffee, ich fühlte mich nicht sonderlich fit als wir mit dem Aufwärmtraining (ohne Motorrad) begannen.

In den Fußrasten stehend wurde es dann schon besser, die Körperhaltung war jetzt schon fast Gewohnheit. Nach Wiederholungen vom gestrigen Programm folgte das Führen des Motorrads beim Nebenhergehen. Die Intensität des Programms steigerte sich danach wieder schnell und ein paar Parkrunden später erwischte es mich dann doch. Der Schotterweg war relativ eben, ich wollte normal bremsen und vergaß irgendwie die Kupplung zu ziehen. Das schien zumindest im Nachhinein die wahrscheinlichste Erklärung… denn als ich bremste, die 800er aber immer noch weiter bergab rollte, verriß ich das Vorderrad.

Die Maschine landete links, ich rechts, mein Bein halb darunter.

Der Schreck war größer als beim letzten Sturz, aber ich merkte schnell dass alles glimpflich ausgegangen war. Ich war fast froh, endlich mal die Erfahrung gemacht zu haben, vom Motorrad gefallen zu sein. Der Unterarm war dank eines nicht zurecht gezurrten Protektors aufgekratzt und das Schienbein war leicht angeschwollen. Ich fuhr also zurück zum Glaspalast, wo ich sofort einen Eisbeutel erhielt. Die Bremsübungen im Schotter würde ich also verpassen. Irgendwann wurde das Bein schon taub von der Kälte.

Nach einer guten Stunde traute ich mich wieder in den Sattel, bekam aber bald eine andere 800er da meine Kühlflüssigkeit verlor. Der Kühler hatte wohl doch etwas abbekommen. Mein Selbstvertrauen hatte ebenfalls eine leichte Delle. Im Stehen schmerzte das Schienbein zwar kaum noch, aber eine langgezogene Abfahrt machte mir trotz geringem Gefälle derart Angst, dass ich geradezu herunterschlich. Schon mit Motorbremse relativ langsam herunterzurollen war mir zu schnell. Die zwei hinter mir fahrenden drängten mich zum Glück auch nicht, meinen Hintermann hatte es gestern immerhin acht Mal aus dem Sattel gerissen. Ein paar aufmunternde Worte später redete ich mir ein, einfach an die gezogene Kupplung zu denken. Trotzdem fuhr ich die nächste Stunde wesentlich verhaltener und defensiver.

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Maxi wühlt sich durch die Mikrowüste des Parks

Die nächste Station wirkte Wunder und war mein persönliches Highlight des Trainings

Sand. Nach den ersten Erklärungen meldete ich mich als Freiwilliger, um das kurze Stück des rechteckigen Sandkastens zu überqueren. Natürlich fuhr ich viel zu zaghaft rein und landete prompt im Weichen. Die Instruktoren hatten nicht geplant, gleich so schnell die Bergung zeigen zu müssen. Mein fehlender Biss war mir aber scheinbar anzusehen, weshalb es auch niemanden überraschte.  Ein paar andere Motorradfahrer abwartend ließ ich mich erneut darauf ein und konzentrierte mich auf meinen Fixpunkt am gegenüberliegenden Wald. Und schon jetzt, mit bisschen mehr Gas, machte es einen Heidenspaß. Die nächste Streckenvorgabe war eine leichte Diagonale, gute 30 m durch Sand. Wo ich nun problemlos durchpflügte, blieben andere stecken. Mein Selbstvertrauen war wieder da und stieg mit jeder weiteren Durchquerung.

Schließlich durften wir die gesamte Länge des Sandbeets nutzen, worauf allerdings nur noch wenige andere Lust hatten. Auch hier spielten kleine Faktoren eine große Rolle:  Punkt suchen und im Blick halten, Lenker locker halten, leicht nach hinten lehnen. Gesteuert wird mit Blickführung und Druck auf die Rasten. Ich dachte zwar drei oder viermal dass es mich gleich schmeißen muss, doch irgendwie fand das 21-Zoll Rad immer wieder zurück in die Spur.

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Im Sandkasten mit F800GS Nr. 2

Nach dieser Erfahrung ging alles weitere wieder fast von selbst. Wie beim Jiu-Jitsu begriff ich dass nicht nur korrekt ausgeführte Technik, sondern auch eine Portion Lockerheit notwendig ist. Die weiteren Fahrten durch den Park, rauf und runter, über enge Pfade im Wald, über feinen oder groben Schotter, über Wiesen, Felsen und durch Röhren machten trotz Erschöpfung einen riesen Spaß. Der Nachmittag wurde mit einer Ausfahrt in der Gegend um Hechlingen und Treuchtlingen gekürt, bei der wir auf Schotterstraßen im Windpark und auf abgeernteten Feldern wie Reiter in der Steppe nebeneinander herfuhren. Da es trotz einigen Stürzen nur einen Ausfall gab, nahmen nach Abgabe der Maschinen alle Teilnehmer ihre frisch signierte Urkunde entgegen und bekamen von den Trainern ein „für die Heimfahrt trockenes“ Enduropark T-Shirt in die Hand gedrückt.

Alle Informationen zum Park, noch freien Terminen, einer Preisübersicht und weiteren Angeboten findet ihr auf Enduropark-Hechlingen.de. Wenn man einen bis mehrere Stürze einkalkuiert, relativieren sich die Mehrkosten für ein Mietmotorrad übrigens ziemlich schnell. Ob sich das Training auch dauerhaft bezahlt gemacht hat, werden erst die nächsten Geländeabstecher zeigen.

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Abschlussfoto – Im Hintergrund einige Steilhänge

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