Zwei Tage im Enduropark Hechlingen (1)

„Ooooh sche…e!“ schreit die Stimme der Vernunft in meinem Kopf auf, kurz bevor ich den geschotterten, teilweise felsigen Steilhang nach hinten gelehnt herunterholpere. Die weiße F800 nimmts gelassen und eigentlich geht alles so schnell, dass ich erst beim Ausrollen zum Nachdenken komme. Es ist nicht das erste und auch nicht das letzte Mal in diesen zwei Tagen, dass mir der Kopf gewissermaßen im Wege steht.

Ungefähr 30 Stunden vorher.

Nach vielen Baustellen und Umleitungen schafften mein Bruder und ich es gerade noch rechtzeitig zum Briefing im gläsernen Hauptquartier des Enduroparks. Es ist kurz nach 9 und die Temperatur beträgt bereits jetzt über 25°C. Kurz nach Ende meiner 6-wöchigen Sprachreise in Brighton, die auch eine Auszeit vom Motorradfahren bedeutete, freute ich mich umso mehr auf das Geländetraining. Bis jetzt war der schwierigste Untergrund der mir unter die Räder kam ein matschiger Forstweg zwischen Wippenhausen und Burghausen.

Kurz nach Begrüßung, Einweisung und Formalitäten wurden die Gruppen eingeteilt. Ich war stolz in eine der Fortgeschrittenengruppen zu dürfen, obwohl „fortgeschritten“ in diesem Fall nur bedeutete, dass man schonmal abseits geteerter Straßen gefahren ist. Danach gingen wir auch schon zu den in Reih und Glied aufgestellten Motorrädern, von F700 und F800GS bis zu R1200GS Adventures. Meine 800er trug eine rote -11- auf dem Windschild.

Die ersten Übungen, bei denen wir im Kreis fuhren und auf dem Moped herumturnten dienten der Koordination und dem Gefühl fürs Motorrad. Ich war erstaunt wie schnell ich mich an die große F gewöhnte. Die längste Eingewöhnungszeit brauchte der Gasgriff, der im Vergleich zu meiner einzylindrigen „G“ relativ schnell reagiert und dank 85 PS auch mehr Leistung ans Hinterrad weitergibt. Weitere „Grundfahraufgaben“, bei denen wir im möglichst kleinen Bogen wenden sollten, gaben wichtige Erkenntnisse für später: Der Kopf bestimmt die Richtung, in die es gehen soll. Tausendmal gehört und ebenso oft vergessen.

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Chief-Instructor Drill Sergeant Walter gibt Tipps am Hang

Nach einer ersten, lockeren Runde durch einen Teil des Parks kamen wir schnell zu einer der ersten richtigen Übungen – Steilhänge.

Angefangen an einem vielleicht 4m hohen Wall mit moderatem Winkel steigerte sich das Vergnügen und das Gefühl der Kontrolle mit jeder Auf- und Abfahrt. Endete der erste Versuch noch mit einem kleinen Sprung, konnten wir nach wenigen Versuchen ziemlich genau an der oberen Kante anhalten. Schwieriger (für den Kopf) wurden dann längere Hänge nur weil man daran denken musste am Gas zu bleiben. Beim Herunterfahren galt das Gleiche, leicht nach hinten lehnen und rollen lassen. Die Motorbremse erledigte den Rest.

Die Mittagspause verbrachten wir im nahegelegenen Ort, zum ersten Mal nutzte ich den dritten, vierten, fünften und sechsten Gang.

Erschöpft durch Training und die mittlerweile über 30° war viel Wasser und leichtes Essen notwendig, um in der zweiten Hälfte des Tages nicht vom Moped zu fallen. Bei den nächsten Runden durch den Park steigerte sich das Tempo schon merklich. Ein eng geschlungener Pfad zwischen Bäumen ließ mich staunen, wo man überall mit einem doch relativ großen Motorrad durchkommt. Teilweise hatte ich die Bewegungsabläufe unbewusst so verinnerlicht, dass ich schneller durchkam als ich schauen konnte. Trotzdem verlor sich die nun geteilte Gruppe immer mal wieder. Bei einer Wartegelegenheit wurde ich dann fast von einer zweiten 800er abgeräumt, mit blockierenden Rädern schob sich die Maschine knapp an mir vorbei, den unglücklichen Fahrer schmiss es wenige Meter später.

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kurze Verschnaufpause

Ein paar Abzweigungen weiter und wir fuhren wieder enge Pfade durch ein Wäldchen, auch bergauf, mit wenig Platz zum Manövrieren. Wieder war ich erstaunt wie viel das Motorrad scheinbar automatisch erledigt, solang man nur die richtige Richtung weist. Trotzdem forderte die dauernde Konzentration am späten Nachmittag ihren Tribut. Der Instruktor bog rechts in den Hang ab, bremste kurz, durch das „plötzliche“ Bremsen irritiert bremste ich ebenfalls. Aufeinmal lag ich rechts im Hang zwischen Dornbüschen und schaute mich verwundert um. Mir fehlte nichts, die 800er hatte nur ein paar Schrammen abbekommen. Alles noch einmal gut gegangen.

Nach baldigem Trainingsende sammelten sich alle Teilnehmer im nahegelegenen Hotel zum Grillen. Ich ging später als geplant ins Bett und konnte trotz merklicher Erschöpfung nicht so recht einschlafen. Ich hatte Kopfweh, die Decke war viel zu warm und nach hundertfachem Umdrehen schlief ich dann doch irgendwann ein.

Weiter zu Tag 2…

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