Enduroreifen – Ein ewiger Kompromiss

Die Frage, welcher Reifen nun der beste sei, wird in Internetforen genauso hitzig debattiert wie Diskussionen über das beste Motorrad, das beste Motoröl oder den besten Anzug. Auch in diesem Artikel wird diese Frage unbeantwortet bleiben, denn wie bei allen anderen Beispielen gibt es per se niemals „das Beste“. Es kommt immer darauf an.

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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte!

Die Reifenwahl hängt hauptsächlich von folgenden Faktoren ab:

  • Motorrad (Sportenduro oder doppelt so schwere Reiseenduro?)
  • Strecke und Distanz (Sand, Schotter oder Asphalt?)
  • subjektiver Wohlfühlfaktor und/ oder Optik

Da sich bereits beim Begriff „Gelände“ die Geister scheiden, werden Enduroreifen meist in drei oder vier Kategorien eingeteilt, bei denen die Übergänge entsprechend fließend sind.  Ob ein Reifen die an ihn gestellten Erwartungen erfüllen kann, hängt aber nicht nur von den rein materiellen Eigenschaften des Pneus ab. Zum Großteil entscheiden das Fahrkönnen und die Umweltbedingungen über den Vortrieb. Die Geometrie des Reifenprofils und die Zusammensetzung der Gummimischung kommen erst bei extremeren Bedingungen richtig zur Geltung. Auch das Absenken des Luftdrucks kann die Traktion im Gelände und bei Schnee zusätzlich verbessern, bei Schlauchreifen erhöht sich dabei allerdings auch die Gefahr einer Reifenpanne. Bei jedem Modell werben Hersteller mit Angaben zur Straßen- und Geländeeignung, beispielsweise 70 % Gelände und 30 % Straße. Diese bieten eine grobe Orientierung.

Straßenreifen für Enduros
meist 90 % Straße, 10 % Gelände

Obwohl Enduroreifen dieser Art bereits mehr Negativprofil als Tourenreifen besitzen, bleibt ihr Haupteinsatzzweck die Straße. Auch Schotterwege und trockenes Geröll sind damit ohne Probleme machbar. Daher tragen diese Gummis auch oft ein „Trail“ im Namen. Wird es feucht oder sandig ist ein Vorwärtskommen zur Rutschpartie.
Auf der Haben-Seite steht dafür der Komfort, die lange Lebensdauer, sehr gute Bremswerte und die besten Fahreigenschaften bei jeder Witterung. Für Vielfahrer-Enduristen, die nur ab und zu auf Schotter- oder Waldwegen fahren, sind diese Reifen ideal. Sie halten in der Regel deutlich über 10 000 Kilometer.

Typische Vertreter dieser Kategorie sind unter anderem: Continental Trail Attack, Dunlop Trailmax, Michelin Anakee II und III, Metzeler Tourance und viele mehr.

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Michelin Anakee 2

Allzweckreifen
(50/50 bis 70 % Straße und 30 % Gelände)

Die Reifen dieser Kategorie sind als klassischer Kompromiss zu verstehen. Sie glänzen mit Vielseitigkeit, sind in den einzelnen Teildisziplinen jedoch reinen Spezialisten unterlegen. Das Profil ist deutlich gröber als das der Straßenreifen, die Blöcke sind jedoch noch -straßenorientiert- gepfeilt. Je nach Reifendimension sind teilweise auch Mittelstege verbaut. Diese erhöhen zusätzlich die Laufleistung. Trotz deutlich erhöhter Geräuschkulisse sind diese Reifen auf der Straße sehr gut fahrbar, genauso wie in trockenem Gelände, Schotter, Wald und auf Feldwegen. Für Matsch oder Sand bleibt jedoch nur der Griff zu den stärker profilierten Kollegen. Für eine lange Anreise mit gelegentlichen Geländeausflügen sind diese Reifen mit ihrer hohen Laufleistung aber ideal.

Die beliebtesten Reifen dieser Art sind Metzeler Enduro 3, Heidenau K60 Scout, Conti TKC 70 oder die tschechischen Mitas E-07. Auch die sehr stollig aussehenden Pirelli Rally STR würde ich eher noch in diese Schublade einsortieren.

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Mitas E07 an KTM 690

Allzweck-Stollenreifen
(50/50 bis 80 % Gelände bzw. 20 % Straße)

Stollenreifen bieten naturgemäß die größte Traktion im Gelände und meist akzeptable Leistungen auf der Straße. Was alle Stollenreifen eint: lautes Abrollgeräusch, eingeschränkte Bremsleistung, geringe Lebensdauer, schlechtes Nassfahrverhalten. Vor allem bei diesen Modellen bestimmt die Gummimischung  die Ausprägung der Nachteile. So sorgt eine härtere Mischung für eine längere Lebensdauer, der Fahrstil bei Regen sollte dafür umso weicher sein. Umgekehrt sind weichere Mischungen unbedenklicher zu fahren, müssen aber dafür noch öfter gewechselt werden. Bei einer langen Anreise ins Urlaubsland sollte man über einen Transport via Hänger, Autozug, Spedition oder Fähre nachdenken. Bei Fernreisen werden Reifen teilweise Ersatzreifen mitgeführt oder vor Reisebeginn an Zwischenzielen deponiert. Sie halten zwischen 4 und 6 000 Kilometer im gemischten Einsatz. Dann sind die Stollen aber meist so abgefahren, dass sie im Gelände auch nichts mehr reißen…

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TKC 80 Reifen auf einer R 100 GS

Die zivilisiertesten Reifen dieser Kategorie sind Klassiker wie Continental TKC 80, Metzeler Karoo 3 oder Mitas E-10. Die neueste Ergänzung ist Michelin’s Anakee Wild. Stärker geländebetonte Reifen sind Michelin T63, Mitas E-09 oder Pirelli MT21.

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Michelin T63, Laufleistung ca. 3700 km

Endurosport- und Crossreifen
(100 % Gelände)

Für den artgerechten Einsatz und Wettbewerb sollten spezialisiertere Reifen aufgezogen werden. Michelin Desert, Metzeler 6 Days oder Varianten von MEFO sind genau das: Spezialisten für Lehm, Sand oder Steinböden mit kaum vorhandener Straßeneignung und teilweise auch fehlender -zulassung. Auf Asphalt sind sie mit Vorsicht zu genießen und verschleissen sehr schnell. Auch im reinen Geländeeinsatz sind damit kaum mehr als 2000 Kilometer fahrbar.

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6 Days von Metzeler

Eine Alternative? Zwei Radsätze!

Um künftig für jede Reise den optimalen Reifen zur Hand zu haben, möchte ich künftig zwei Radsätze verwenden. Auf den ersten werde ich dann Allzweckreifen wie Heidenau K 60 Scout packen, auf den zweiten Satz sollen grobe Stollen aufgezogen werden. Aktuell schwanke ich zwischen Mitas E 09, der mich sehr an meinen geliebten T63 erinnert und richtigen Enduroreifen wie den Metzeler Six Days oder Michelin Desert. Weiterer Vorteil zweier Radsätze ist mehr Flexibilität beim Reifen bestellen und aufziehen lassen…

Meine eigenen Erfahrungen habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.