Sturmgepäck: Enduristan Blizzard Satteltaschen

Mit dem Motorrad zum Campingplatz. Was ich schon immer mal machen wollte, scheiterte stets am unterzubringenden Zusatzgepäck. Hatte ich bei meiner GS noch hin und wieder an Alukoffer gedacht, stand das bei der leichten Xchallenge nicht zur Debatte. Und obwohl es dutzende Softgepäcklösungen gibt, gefielen mir die Taschen von Enduristan schon bei der Markteinführung 2016. Die Besonderheit: die Blizzard-Taschen sollen auch ohne Kofferträger halten. Im Folgenden schildere ich ein paar, mitnichten vollständige, erste Eindrücke. Update: R 1200 GS

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Die Schweizer Enduristen haben sich zuvor vor allem mit ihren wasserdichten Tankrucksäcken und Packtaschen einen guten Namen gemacht. Die Satteltaschen Blizzard sind als modular erweiterbares Set gedacht, das sowohl an Sportenduros als auch an großen Reiseenduros passen soll. Ohne Kofferträger oder anderes Schwermetall. Je nach Lage des Auspuffs muss allerdings ein Hitzeschild angebaut werden, das Enduristan praktischerweise gleich mit anbietet.

Die Blizzard-Taschen sind in drei Größen erhältlich, S, M und L. Die Höhe ist bei allen Varianten 24 cm, die Länge 36 cm, sie unterscheiden sich nur in der Breite. Die kleinste Größe bietet insgesamt zwölf Liter Volumen (2×6) bei einer Breite von 9 cm je Tasche. Die mittlere Größe bietet bei einer Breite von 12,5 cm je Tasche jeweils 8,5 Liter, also 17 insgesamt. Die Large-Variante bietet insgesamt 24 Liter (2×12) bei einer jeweiligen Breite von 18 cm. Durch diesen geringen Platz- und Preisunterschied (205, 230 bzw. 260 €) habe ich mich für die L-Blizzards entschieden.

Die zunächst unpraktisch anmutende Form soll die Bewegungsfreiheit beim Offroad-Fahren nicht einschränken. Wie bei anderen Enduristan Produkten bestehen die Taschen aus mehreren Schichten. Verschlossen werden sie per Rollverschluss, der links und rechts eingeclipt wird. Durch diese Kombination sind sie garantiert wasserdicht. An der Oberseite der Taschen sind zusätzlich zwei clipbare Riemen angebracht, welche den Inhalt zusätzlich komprimieren. Dort können außerdem weitere Taschen, Flaschen oder Kanister angebracht werden. Auch die an der Unterseite angebrachten Riemen können weiteres Gepäck aufnehmen. Nette und praktische Details: die seitlichen Schlaufen und das rote Innenleben der Taschen. Es ist ebenso wasserfest und kann nach einer Reise theoretisch einfach ausgewaschen und getrocknet werden.

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Out of the box sorgen die Taschen zumindest für ein paar Fragezeichen.

Zurück zum Selbstversuch. Als Testgepäck wählte ich Schlafsack und eine Thermarest-Isomatte. Dass jede Menge Klamotten reinpassen, sollte unbestritten sein. Mein Zweier-Zelt ist ohnehin zu groß und müsste zwischen den Taschen Platz finden.

Erstens: Inferno

Ein erstes Auflegen der Taschen machte klar, dass ich definitiv das mitbestellte Hitzeschild Inferno anbringen muss. Es wird mit einer Schlauchschelle am Auspuff angebracht, diese war aber um einen verreckten halben Zentimeter zu kurz um den dicken Endschalldämpfer der Xchallenge zu umschließen. Da ich sowieso bald einen Hattech-Auspuff montiere, nicht weiter tragisch. Für Demonstrationszwecke habe ich das Schild daher mit einem Kabelbinder fixiert.

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Hitzeresistente Spezialkabelbinder gibt es bestimmt. Dieser hier gehört nicht dazu.

Zweitens: RTFM

Gemäß mitgelieferter Mini-Anleitung werden die Taschen wie folgt befestigt:

  • Auflegen und Abstand zwischen den Taschen einstellen
  • Riemen mit Haken am Heck (Kotflügel oder Gepäckträger) befestigen
  • Mit Spanngurt nach vorne (Soziusfußrasten / Rahmen) verzurren

Den richtigen Abstand einzustellen war für einen Gurt- und Riemenanalphabeten wie mich gar nicht so einfach. Ich beließ es nach einiger Hin- und Herfriemelei vorerst dabei, beide Taschen halbwegs auf Höhe der Sitzbank zu lassen. Weiter ging es mit den Gurten zum Heck. Diese konnte ich zwar einhaken, allzu viel wollte ich dem weißen Plastik jedoch nicht zumuten. Ich stieg daher hoch ins Lager und schraubte den kürzlich entfernten Gepäckträger wieder dran, der achtern eine solide Befestigung ermöglicht. Mit weiser Vorahnung packte ich die Soziusfußrasten gleich mit ein.

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Viel Platz für Hecktasche und Gepäckrolle. Von hier aus links: Isomatte, rechts: Schlafsack.

Schwieriger wurde es erst mit dem Abspannen nach unten. An der rechten (Antrieb) Fahrzeugseite wäre es am Heckrahmen gegangen, an der linken (Auspuff) Seite wäre aber der Krümmer gefährlich nahe gekommen. Da der Heckrahmen obendrein asymetrisch verläuft, gefiel mir diese Befestigung nicht wirklich. Ich schraubte also fix die Soziusfußrasten an. Mit montierten Soziusrasten ließen sich die Taschen perfekt nach vorne bzw. unten abspannen.

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Selbst voll gefüllt bauen die Blizzards in L nicht wirklich breit. Etwas verrutscht: das Hitzeschild.

Drittens: Einstellungssache

Nachdem alles halbwegs fest verzurrt war, war ich auch mit einer Sitzprobe sehr zufrieden. Die Taschen lassen wirklich viel Bewegung zu und geben viele Möglichkeiten für weiteres Gepäck. Sogar der seitliche Tankdeckel war ohne Probleme zu erreichen. Da die Taschen jedoch links wie rechts sehr gegen die teilweise bereits gerissenen Kotflügel drücken, würde ich diese beim nächsten Mal etwas weiter vorne platzieren. Sie ruhen dann eher gegen den Tank und die bereits vorhandene große Hitzeblende des Auspuffs. Letzter Kritikpunkt, der vermutlich auch leicht behebbar ist: die von hinten gesehen rechte Tasche baumelte seitlich doch etwas stark. Ich denke aber dass dieses Problem durch eine Positionierung weiter vorne gelöst wird. Oder durch einen zusätzlichen Riemen. Das ist eben der Nachteil eines Universal-Sets. Es passt nicht überall hunderprozentig.

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Sitzprobe

Viertens: Soweit so gut…

Obwohl ein Praxistest noch auf sich warten lassen muss, bin ich soweit sehr zufrieden. An der Qualität oder der Wasserfestigkeit habe ich keine Zweifel, lediglich die wackelfreie Befestigung am Motorrad bereitet mir noch etwas Sorgen. Was allerdings schon klar wurde: Sobald die Gurte (einmal) eingestellt sind, sind die Taschen mit wenigen Handgriffen an- und abgebaut. Vorne mit kleinem Spanngurt, hinten mit besagten Haken. Und mit den angebrachten Griffen sind beide Taschen einfach transportierbar. Wer dafür gerne einen Schultergurt verwenden möchte, kann diesen auch an den oben angebrachten Ösen befestigen.

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Ois im Griff.

Bewährungsprobe?

Nach einigen Versuchen bleibt es vorerst bei einer eingeschränkten Empfehlung für die Xchallenge. Besser als beim ersten Mal habe ich die Taschen nicht verzurrt bekommen. Richtig zufrieden bin ich damit nicht und für Fahrversuche damit fehlt es mir aktuell schlicht an Gelegenheit. Ich denke aber dass ich die Blizzard-Taschen noch passend hinbekomme. Es bleibt jedoch bei der Frage, ob sie dann nicht zu sehr wackeln.

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An der 1200 GS passen sie jedoch wie angegossen. Sowohl die Gurte über der Sitzbank, das Abspannen nach hinten und besonders nach unten klappte hier wesentlich einfacher. Der Heckrahmen bietet außerdem bessere Möglichkeiten, die unteren Clips zu verzurren. Die sind eigentlich dafür gedacht, weitere Taschen oder Ersatzkanister festzuclipsen. Aber so oder so, selbst bei Geschwindigkeiten von 140, 150 km/h wackelte nix. Dabei hatte ich in der einen Tasche nur Regenzeug, in der anderen nur ein erweitertes Bordwerkzeug. Für umfangreichere Praxistests bleiben die Taschen daher vorerst an der großen GS. Zumindest dafür haben sich die Taschen dann doch gelohnt, vor allem da sie deutlich leichter und schmäler als die Tourenkoffer sind.

2 Gedanken zu “Sturmgepäck: Enduristan Blizzard Satteltaschen

  1. Hatter wieder schön eingekauft. Damit sollte der nächste Trip bis ganz (!) nach unten zur stiefelspitze gebongt sein. : )E
    Im Ernst, gefällt mir immer sehr gut, aber evtl bin ich befangen ?? Was is RTFM? Richtig toll für’s Moped…

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