Nach Athen und (irgendwie) zurück – Prolog und Tag 1

  • Abschnitt: Stuttgart – Ammersee – Trento
  • Strecke: 225 Kilometer bzw. ca. 350 Kilometer
  • Fahrzeit: 19:30 bis 22:30, 09:30 bis 17:30 Uhr
  • Motto / Idee des Tages: Habe wohl das Reisen verlernt.
  • Lied des Tages: EUROTEURO x NINJARE DI ANGELO – Autogrill

Halbwegs rechtzeitig melde ich mich aus dem Urlaub. Gleich vorweg: Wie an das Reisen muss ich mich zunächst wieder dran gewöhnen, möglichst jeden Abend einen Beitrag zu schreiben. Aber wenn ich schon den blöden Laptop mitschleppe, dann sollte ich ihn auch benutzen. Dazu später, oder vielleicht auch gleich mehr. Bei all der Planung habe ich meine Gepäckprobe auf den Abreisetag geschoben. Wenn ich die Minuten der verzweifelten Blicke in die Tiefen meines Ikea-Teppichs abziehe, war eigentlich schon nach kurzer Zeit klar, dass ich die gerade angeschaffte Campingausrüstung daheim lassen muss. Schade, aber es war einfach zuviel für meine Taschen. Selbst so bin ich ordentlich bepackt, aber auf Staviv, Spiegelreflex und Laptop wollte ich eben nicht verzichten. Vorgestern habe ich sogar noch einen Funkauslöser für die Spiegelreflex gekauft. Ebenso wenig verzichten wollte ich auf das Bordwerkzeug, das sogar für Radausbau und Reifen flicken taugt und damit vielleicht etwas überdimensioniert geraten ist. Mir ist selbst jetzt, einen Tag später, noch nicht so ganz klar, warum ich trotzdem so ein Packvolumen dabei habe. Bei den Klamotten habe ich mich noch mehr eingeschränkt als sonst. Aber immerhin: Die Enduristan Satteltaschen sind nicht angeschmort oder abgefackelt, die selbstmontieren Reifen haben auch Tempo 130 gehalten und das mühevolle Aufpumpen des Luftfederbeins auf acht bar sorgt für ausreichende Dämpfung. Das ist bei der Xchallenge ganz einfach: Wenn ich draufsitze und das Bein anwinkeln kann, ist etwas zu wenig Luft drin. Ist das Bein gestreckt, passt es.

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In diesem Moment hätte ich auch gern fette Alukoffer und ein Topcase…

Von der abendlichen Verbindungsetappe gibt es nicht viel zu berichten. Außer dass ich ziemlich nervös durch Stuttgart geeiert bin. Warum? Siehe oben. Die Geräusche der neuen Reifen, Angst um angeschmorte und komisch herumbaumelnde Satteltaschen und die Sorge um die Spanngurte am Rucksack lösten sich nach und nach ein wenig auf. Also, die Sorgen, nicht die Gurte. Dazu kam, dass ich mich in den Motorradsachen aus der Arbeit zusätzlich unwohl und richtig unsexy fühle. Aber eins muss man der Büse-Kombi lassen: Sie ist temperaturtechnisch unheimlich flexibel, sehr beweglich und sehr luftig. Da müssen Motorradjeans, Lederjacke und Protektorenhemd leider daheim bleiben. Trotzdem war die Liasion-Etappe zum Ammersee aufgrund der späten Abfahrt wenig unterhaltsam und ich hoffe, dass dies fürs Erste der einzige Autobahnabschnitt des Urlaubs bleibt. Wahnsinnig dröge, schon mit 120 km/h nervig und nach einer guten Stunde wurde es auch noch richtig kalt. Gut, dass ich immerhin eine Thermoweste eingepackt hab. Trotzdem: Als ich frierend und vibrierend auf der rechten Spur vor mich hin gepröttelt bin, kam ich dann schnell wieder ins Grübeln. Vielleicht hätte ich doch lieber die GS nehmen sollen. Aber wichtiger als Zelt und Co. war mir eben die Tour mit der 650er zu unternehmen. Vielleicht hätte ich die Reise doch anders planen sollen, vielleicht habe ich mich schon wieder übernommen. Aber warum nicht mal neue Länder erkunden? Vielleicht hätte ich anders packen sollen, den Laptop zuhause lassen sollen, das Stativ, vielleicht dies, vielleicht das… Dass ich vor vier Wochen mehr in Urlaubsstimmmung war als heute, tut das Übrige dazu. Aber als ich dann gegen Mitternacht im Bett lag, war alles wieder halbwegs ok.

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Nicht im Bild: Corona-Frühstück mit Blaubeermuffin und Cappucino

Urlaubsstimmung stellte sich nämlich schon rund um Garmisch ein, als wir in zähflüssigen und nahezu nicht zu durchfahrendem Transitverkehr standen. Positive Urlaubsstimmung stellte sich nach dem ersten Grenzübertritt ein, vielleicht auch weil Grenzen in den letzten Monaten eben wieder etwas mehr Bedeutung bekommen haben. Kurz die altbekannten Straßen durch Innsbruck genommen und nach den ersten ernst zu nehmenden und schön zu fahrenden Wechselkurven waren wir schon in und am Brenner. „Wir fahren nach Italien und alles was ich will ist AUTOGRILL“ (siehe oben, Lied des Tages)

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„Saufen ko ma’s a ned oba BRENNER duads guad“

Sterzing, Penser Joch, Mittagessen kurze Zeit später. Die Wohnmobil-, Caravan- und Motorraddichte nahm erst nach Bozen spürbar ab. Ich habe mich zwischenzeitlich auch mit meinen Gepäck arrangiert. Zum einen habe ich eh keine andere Wahl, zum anderen packe ich immer innerhalb der ersten Tage hin und her, bis alles so seinen Platz gefunden hat. Und bis auf das etwas umständliche Tanken (der 650er Rocket-Fuel lagert unterm Sitz) passen sie wirklich gut an das Moped, halten den Schwerpunkt tief und sind eigentlich schnell an- und abgebaut. Dass ich einen Rucksack statt Gepäckrolle dabei habe lag hauptsächlich daran, weil ich mir einbilde damit flexibler auf die Eigenheiten des Alleinreisens reagieren zu können. Anders gesagt: Den Rucksack schnall ich ab um Kamera und Laptop dabei zu haben, wenn ich zum Beispiel im Supermercato verschwinde. Eine Gepäckrolle würde ich nicht mitschleppen wollen. Ebenso stelle ich mir das auf der Fähre vor. Apropos alleine: Noch sind wir zu zweit, denn die ersten paar Tage bin ich mit meinem Papa unterwegs, erst am Donnerstag oder Freitag werden wir getrennt nach Norden bzw. Süden weiterfahren.

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Good old Südtirol

Bis zur Fähre am Sonntag sind es dann noch ein paar Zwischenhalte, die ich in weiser Voraussicht eingeplant habe. Um meine potenziell nicht allzu erholsame Nacht auf der SUPERFAST I (braucht trotzdem 16 Stunden) auszugleichen, habe ich schon eine Unterkunft in Griechenland gebucht. Bis dahin sollte ich auch den Online-Fragebogen für die Einreise ausgefüllt haben. Per QR-Code erfährt man dann bei der Einreise, ob man einen Corona-Test machen und bis zum Ergebnis in Quarantäne muss oder weiterfahren darf. Abgesehen davon macht sich die aktuelle Situation™ noch nicht besonders bemerkbar, außer mit Mundschutz herumlaufen eben. Wahlweise auch oben ohne, da ist es auch egal wo die Leute herkommen. Die Chancen stehen damit auch gut, dass mein Corona-Cut garnicht so auffällt. Wollte eben schon immer mal einen Iro ausprobieren, habe mich aber noch nie getraut. Corona macht’s möglich. Nur falls sich jemand beim letzten Foto erschreckt. Nach ungefähr drei oder vier Pässen sowie vielen kleinen Straßen haben wir schließlich im Agriturismo Maso Miri Unterkunft bezogen. Noch ein kurzer Hüpfer in den Pool, eine Pizza 4 Formaggi gegessen, Bilder von den Kameras gezogen und nun trotz Schreibfaulheit hoffentlich trotzdem ein paar Minuten digitale Mitreise-Unterhaltung beschert. Es wird noch spannender, das kann ich fast versprechen.

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Eigentlich wollte ich noch die Monument Valley Tapete fotografieren. Dann kamen andere Gäste…

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