Nach A. und via I. zurück – Tag 21 und Epilog

  • Abschnitt: Freising – Stuttgart
  • Strecke: 256 Kilometer
  • Fahrzeit: 14:00 bis 18:00 Uhr
  • Motto / Idee des Tages: Judgement Day.
  • Lied des Tages: Far Caspian – Finding My Way Home

Wo soll ich anfangen? Die Rückfahrt ist nicht wirklich der Rede wert. Es hat schon bei der Abfahrt geregnet und so bin ich wenigstens regenfest eingepackt losgefahren. Auch meinen Rucksack konnte ich nun rundherum wasserdicht verpacken. So hat mir der Regen garnicht so viel ausgemacht, außer dass mein ursprünglicher Plan schnell abgehakt war. Eigentlich wollte ich über Dachau bis Sulzemoos fahren, dann erst auf die A8 und kurz nach Ulm wieder runter. Aber egal. Der Verkehr war zusätzlich ätzend, die 2,5 Staus bin ich aber meist einfach durchgefahren. Ich musste zwischendurch tanken und selbst hier war Stau. Manche denken natürlich keine zwei Meter weit und bleiben trotzdem an der Zapfsäule stehen, obwohl schon getankt und bezahlt ist. Aber vielleicht findet der Geldbörsenbeauftragte und Göttergatte sonst das Auto nicht mehr? Man weiß es nicht so genau, Hauptsache ich konnte irgendwann tanken. Danach werde ich noch kurz in einen Motorradfahrer-im-Regen-Smalltalk mit einem Wiener verstrickt. „Aber es ist sich eh noch ausgegangen.“ Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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Alptraum Autobahnrasthof

Zwischendurch hört es auf zu regnen, zwischendurch fängt es wieder an, zwischendurch läuft es, dann ist wieder Stau. Die letzten Kilometer auf der Neuen Weinsteige und in Downtown Stuttgart passe ich noch mehr auf als sonst, da ich keine Lust auf einen unnötigen Unfall habe. Um kurz vor 6 bin ich wieder da, dort wo ich zuhause bin, aber nicht daheim. Ich packe schnell die Sachen vom Motorrad, werfe mich aus der Schale und bringe das Motorrad umparken gleich hinter mich. Meine Wohnung kommt mir ganz anders vor und ich brauche ein paar Sekunden, um zu erkennen, dass nichts anders als vorher ist. Meine Sachen räume ich jetzt noch aus, und damit endet der Urlaub eben so unspektakulär und anstrengend wie immer. Man kann das vielleicht hinauszögern, aber nie ganz aufhalten. Das Gute ist, dass ich keinen Job mehr habe, vor dem es mir graust. Sondern einen, auf den ich mich auch wieder freuen kann.

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21 Tage und 4324 Kilometer später

Fazit

Braucht eine Reise unbedingt ein Fazit? Wahrscheinlich nicht, ich möchte aber trotzdem ein paar Punkte erwähnen. Das Wichtigste war für mich sicherlich die erneute Erfahrung gemacht zu haben, alleine zu reisen. Das Gute daran: Man hat viel Zeit nachzudenken. Das Schlechte daran: Man hat viel Zeit nachzudenken. Viele Gedanken, die man so mit sich herumschleppt, können so zu einem Abschluss kommen, oder zumindest deutlich weiter gebracht werden als sonst. Alte Freundschaften, aktuelle, Situationen in der Arbeit oder wo auch immer, alles mögliche. Das also, was viele am Alleinereisen schätzen, konnte ich auch schätzen lernen. Zumindest manchmal. Für mich überwiegen aber leider die negativen Seiten und die Situationen, in denen ich mich nicht wohl gefühlt habe, es zu zweit aber getan hätte. Ich fühle mich trotzdem ein gutes Stück reifer, erfahrener, mündiger und qualifizierter. Klar hatte ich zu viel Kram dabei, aber ein Großteil ging eben Kamera und Laptop zurück. Und wenn ich eine Panne gehabt hätte, wäre ich deutlich besser aufgestellt gewesen als letztes Mal. Die Quintessenz für mich: Das nächste Mal einfach nur ein paar Tage wegfahren, vielleicht trotzdem nach Italien, aber ohne Laptop, Handy nur für den Notfall dabei haben, nur eine kleine Kamera. Kein Schreiben, kein Internet, nur ein paar Tage mit dem Moped unterwegs sein. Dann vielleicht auch nochmal alleine.

P.S. Ich hoffe natürlich trotzdem irgendwann nochmal durch den Balkan fahren zu können. Hab ja schließlich noch Straßenkarten dafür.

  • TOP 5
    • Telefon mit EU-Datenflatrate
    • Midland Bluetooth Headset
    • Textilkombi ohne Membran
    • Europa
    • G 650 Xchallenge, eh klar
  • Nicht ganz so TOP 5
    • Meine Faulheit das Stativ, die Fernbedienung und Spiegelreflexkamera zu benutzen
    • Die gefühlt drei bis fünf Kilo Werkzeug, zum Glück nichts davon gebraucht
    • Flasche für ~ 900 ml Reservesprit – nicht einmal benutzt (für Balkan gedacht)
    • Maske am Museum in Delphi vergessen
    • Telefon mit EU-Datenflatrate verleitet dazu, Surfgewohnheiten von daheim auch im Urlaub nicht bleiben zu lassen
  • Gefahrene Kilometer
    • Stuttgart bis Bari: 1960
    • Patras bis Igoumenitsa: 1040
    • Ancona bis Stuttgart: 1324
    • Insgesamt: 4324
  • Ich fand es eine nette Idee die Lieder zu notieren, die ich tagsüber im Kopf hatte, mehr oder weniger passend zum jeweiligen Reisetag. Ich habe daraus eine Playlist erstellt, die unter diesem Link abrufbar sein sollte. Hier und da habe ich mich natürlich auch bei Long Way Round und Long Way Down oder anderen Serien die ich mag bedient.

Ein letzter Punkt und eine letzte, kleine Bitte. Wer bis hierhin gelesen hat, wird das auch noch schaffen. Ich war mir während der Reise immer unsicherer, ob ich nicht einfach nur belangloses Zeug beschreibe und mich dafür wichtig nehme, wie ich von A nach B fahre, um irgendwann in C anzukommen. Ich schreibe das Reisetagebuch primär für mich und vielleicht auch für die, die mich persönlich kennen. Ich freue mich aber trotzdem über ehrliches Feedback, auch von denen, die meinen Blog eher zufällig entdeckt haben.

4 Gedanken zu “Nach A. und via I. zurück – Tag 21 und Epilog

  1. Ich liebe Deinen Blog und wäre traurig, solltest Du dich eines Tages dagegen entscheiden. Deine Art zu schreiben macht Laune, ihn zu lesen und lässt mich mal kichern, mal laut auflachen………. Umärmelung

  2. ja da kann ich Sylvi nur zustimmen -wohl wissend dass Eltern da wohl nicht ganz unbefangen sind. dazu kommt dass ich viele deiner Gedanken sehr gut nachvollziehen kann: diese Situationen allein unterwegs, Selbstzweifel und Hundstage, Hochgefühle und Stolz, die emotionale Beziehung zum Motorrad, das Heimkommen…. Ich habs halt nie mitgeteilt, erkenne aber mich aber ein gutes Stück selber drin wieder. und ich hätte es nie so schön in Form bringen können.
    Du musst das für Dich schreiben. Wenn’s andere schön/spannend/unterhaltsam finden…umso besser. ich find’s alles zusammen.

  3. Servus Ferdi,
    deine Schreibe mach mir Spaß, weil du deinen Zustands so ehrlich und aufrichtig mit Selbstzweifeln gespickt (die jeder kennt, der sich reflektiert) beschreibst. Lustiges und auch das unaufgeregte Erlebte wert findest in Worte zu fassen. Nicht aufhören! Rolo

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