Nach Athen und zurück – Vorbereitung

Aufregung! Vorfreude! Der Urlaub war noch nicht mal abgesegnet, da hatte ich den good old Diercke Weltatlas schon in der Hand. Seit Tagen plane ich hin und her, denn zuerst ging es darum, ob es sich überhaupt ausgeht: Über Italien nach Griechenland und dann über Albanien zurück. Jetzt geht es um die Details und darum, Freude aber auch Befürchtungen in den Griff zu kriegen.

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Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Diese Route ist das vorläufige Resultat meiner Überlegungen, wie ich rund drei Wochen Urlaub verbringen kann und gleichzeitig jemanden für ein paar Tage in der Nähe von Athen besuchen kann. Als vermeintliche Schnappsidee vorgeschlagen wurde schnell klar, dass die Überfahrt mit der Fähre deutlich mehr Charme hat, als einfach so in Italien herumzufahren und unabhängig davon für ein langes Wochenende nach Athen zu fliegen. Gleichzeitig möchte ich in diesem Urlaub endlich mal ein Zelt mitnehmen. Über all dem steht nach wie vor die Frage, ob alle Lockerungen der Corona-Maßnahmen so eintreten werden. Um die Fallhöhe noch weiter zu erhöhen, brauche ich in der Zwischenzeit noch einen neuen Reisepass und eine frische TÜV-Plakette. Die Passfotos habe ich wenigstens schon in der Tasche.

La Moto

Im Rückblick wird mein Italien-Trip vor drei Jahren immer rosiger und schöner. Obwohl fast alles für die GS spricht will ich daher unbedingt wieder einen Urlaub mit der 650er verbringen. Ich bin in den letzten Monaten sehr wenig gefahren, was hauptsächlich an den aufgezogenen Crossreifen lag. Genauer gesagt, in meiner Unlust, sie umbereifen zu lassen. Öl, Luftftilter und Reifen sind jetzt frisch. Dieses Mal werde ich außerdem sinnvolles Werkzeug mitnehmen und auch wissen, was ich damit anstellen kann. Die endgültige Entscheidung für oder gegen meine Xchallenge hängt aber noch von der anstehenden Hauptuntersuchung und einer Gepäckprobe ab. Bis jetzt habe ich in den Satteltaschen nur wenig befördert. Da wird sich aber eine Lösung finden.

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Die längste Tour in letzter Zeit: Freising -> Stuttgart

Hotel oder Zelt?

Manchmal wundere ich mich, warum mir gewisse Sachen nicht vorher klar waren. Ich möchte seit Jahren einen Camping-Urlaub mit dem Motorrad machen. Geld sparen war da eher zweitrangig, oft ist die Differenz nicht besonders groß. Zumindest wenn eine halbwegs gepflegte Unterkunft mit Bett und Frühstück der Anspruch ist. Das Problem war mein riiiiiiiiiiiesiges Zelt, das schon irgendwie auf die Sitzbank gepasst hätte, aber naja. In einem Onlineshop habe ich dann ein 1-Mann-Zelt (zeitgemäßer scheint 1-Personen-Zelt zu sein) gefunden. Wesentliche Vorteile: Gewicht und Packmaß. Da freut sich der minimalistische Motorradtourist. Und fragt sich, warum er da nicht früher drauf gekommen ist. Für unter 50 oder 60 Euro gibt es bereits viel Auswahl. Trotzdem drängen sich die Bedenken auf. „Wer billich kauft, kauft zweimal!“ versus „Für das, was ich vorhabe, reicht es doch…“. Wer möchte, kann auch 200 und mehr Euro ausgeben. Ein perfekter Kompromiss und Preis-/Leistungstipp schien das Gossamer von Jack Wolfskin zu sein, das nicht nur gute Rezessionen sondern auch viele positive Erfahrungsberichte vorzuweisen hat. Es kostet je nach Laden zwischen 110 und 130 Euro.

Nebenbei konnte ich erfahren dass es a) Jack Wolfskin Stores gibt und b) der größte in Stuttgart ist. Wie praktisch. Ich konnte es online reservieren und betrat das Abenteuerland am Rotebühlplatz. Zwischen Funktions-Safarihemden, bunten Funktionsjacken und zwischendurch ganz schicken Rucksäcken (ohne Funktion) musste ich nur kurz auf das Zelt warten. Der Praxistest steht noch aus, der Probeaufbau ging jedoch sehr schnell und mit rund 1,5 Kilogramm und einem Packmaß von rund 44 Zentimeter auf 14 Zentimeter  hat mich das Zelt eh schon überzeugt. Es ist etwas länger als ein Schlafsack, dafür aber nur halb so hoch. Etwas gestopft kommt das Zelt auf nur 42 Zentimeter mit 12 Zentimeter Durchmesser. Jetzt muss ich nur noch überprüfen, wie gut das Trio aus Zelt, Isomatte und Schlafsack in meine Satteltaschen passt. Einen Kocher und Kochtopf brauche ich auch noch. Das war allerdings schneller ausgemacht, denn Gaskocher scheinen für mich die beste Wahl zu sein. Topftechnisch werde ich als Pastafreund auf eine Pfanne verzichten und nur einen Kochtopf mitnehmen. Irgendwas anbrutzeln geht ja trotzdem. Zugegebenermaßen wird Camping für mich eine komplett neue Erfahrung, genauer gesagt das Zelteln auf einem Campingplatz und alles, was damit zusammenhängt. Obwohl mir der Gedanke sehr gut gefällt, werde ich im Zweifelsfall und nach einem Regentag aber trotzdem eine Pension suchen. Dass ich mit all den Ausgaben fürs Camping auch ein paar Übernachtungen finanzieren hätte können ist richtig, aber egal.

Die Route!

Die Notwendigkeit einer groben Routenplanung ergibt sich für mich durch die Urlaubstage. Die Tagesetappen richtig einzuschätzen ist schwierig, zumindest jenseits der mir bekannten Landstriche in Italien. Südlich von Rom ist terra incognita. Einziger Fixpunkt wird das Ferienhaus in der Nähe von Ancona, das in drei oder vier Tagen erreichbar ist. Obwohl Ancona eine der Hauptverbindungen nach Griechenland darstellt, möchte ich noch ein paar (ok, vielleicht auch nur zwei) Tage länger in Italien verbringen. Weitere Fährhäfen sind Bari und Brindisi. Da ich jedoch mehr Zeit auf dem Balkan brauchen werde und verbringen möchte, werde ich voraussichtlich nach Bari fahren. Ein großer Vorteil ist, dass die Fähren dort auch am Abend fahren. Die Abfahrt um 19:30 spart mir eine weitere Übernachtung in Italien, Vormittags bin ich dann ich Patras. Und schon wieder so viel Neues, so viele Entscheidungen! Ich bin zwar schon mit der Fähre nach Norwegen gefahren, das war aber mit Auto und Kabine, also Standard. Mit dem Motorrad weiß ich nichtmal ob ich selbst verzurren soll/darf, ob das nicht-ganz-so-wertvolle Gepäck am Moped bleiben soll, ob man im „Schlafsessel“ wirklich schlafen kann. Vieles davon wäre auch einfacher, wenn man zu zweit wäre. Alleine schon kurz einen Kaffee holen. Egal wie tourimäßig und routiniert das sein mag, für mich sind Fähren richtig abenteuerlich. Dass ich wahrscheinlich die gesamte Überfahrt Angst um mein Moped, meine Sachen und um meinen Schlaf haben werde, gehört da halt dazu. Ich freue mich trotzdem drauf.

Die weitere Reiseplanung ist viel komplizierter. Klar ist, dass ich ab Slowenien viele Schnellstraßen nutzen und Kilometer machen muss. Alles ab Athen ist noch offen. Bis jetzt habe ich vorsichtig Tagesetappen mit rund 200 bis 300 Kilometern geplant, was je nach Straßenverhältnissen schon viel sein kann. Oft sind es aber auch nur 170. Ich verlasse mich da sehr auf kurviger.de und plane einen ungefähren Korridor. Bis auf den Ohridsee in Albanien habe ich noch keine anderen Wegpunkte. Um ganz spontan zu reisen, fehlen mir aber leider doch wieder Reisetage. Spontaner wird eher die Entscheidung sein, ob ich durch Bosnien lediglich durchfahre oder auch dort übernachte. Ich versuche noch ein paar Reisetipps zu sammeln, möchte aber auch nicht zu viel empfohlen bekommen. Neben den mir bekannten Motorradbloggern sehe ich mich auf anderen Blogs um. Sogar Kroatien ist für mich ein komplett unbeschriebenes Blatt, Albanien, Montenegro und Bosnien sowieso. Apropos Blatt: Ich habe weder auf Papierkarten noch auf dem Navi einen Überblick über den Balkan. Daher habe ich mir eine eigene Karte mit OpenStreetMap zusammengestellt und auf die SD-Karte des Garmin gezogen. Trotzdem werde ich mir noch Faltkarten besorgen. Das sollte die Tourenplanung etwas erleichtern. Vielleicht kann ich die Navi-Halterung sogar umbauen, ansonsten landet das Zumo halt wieder im Kartenfach.

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Dank OpenStreetMaps ist mein Zumo nicht mehr auf Zentraleuropa beschränkt

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Ohne zu viel versprechen zu wollen, werde ich wieder versuchen während der Reise zu schreiben. Jeden Abend Tagebuch führen, Fotos aussuchen und alles schon vor Ort zu veröffentlichen war in Italien eine spannende Sache. Für mich, und hoffentlich auch für Leser dieser Webseite. Gleichzeitig bedeutet das für mich, dass ich einen Laptop mitnehmen und fast jeden Abend benutzen muss. Im Rückblick habe ich aber nicht das Gefühl, jeden Abend stundenlang am Rechner gehangen zu haben. Daher werde ich auch dieses Mal versuchen, von unterwegs zu schreiben. Je nach WLAN-Verfügbarkeit (und Strom!) kann das vielleicht auch mal ein paar Tage dauern. Neben Fotos sichern und aussortieren bietet der Laptop auch noch mehr Möglichkeiten, Routen anzupassen und aufs Navi zu laden.

„aufgrund der aktuellen Situation…“

… ist das alles noch etwas halbgar. Zumindest soll es in ein paar Tagen keine Einreise- oder Durchfahrtsbeschränkungen mehr geben, mir kommt außerdem entgegen, dass ich hauptsächlich in EU-Ländern unterwegs sein werde. Trotzdem muss ich abwarten, ob und wie Buchungen in Campingplätzen und Hotels möglich sind. Auch der ein oder andere Restaurantbesuch könnte schwierig oder unmöglich sein. Abgesehen davon sehe ich aber keine Probleme. Die Grenzen sind wieder offen, die Tankstellen und Supermärkte auch. Auch die Fährgesellschaft mahnt „nur“ wie überall zum Mindestabstand und Maske tragen. Visa sind nicht nötig. Trotzdem spannend, dass ich auch mal Länder bereise, die keinen Euro haben. Geld wechseln kenne ich ja fast nur noch von früher oder vielleicht der Sprachreise nach England. Die Sprache ist auch das, was mich dann komplett aus der Komfortzone holen wird. Ich möchte es nicht Abenteuer nennen. Aber für mich ist es das. Los geht’s übrigens am 13. Juli.


Plan B?

Mittlerweile zeichnet sich ab inwieweit die Corona-Auflagen die Reiseplanung beeinträchtigen. Da sich einige Länder auf der Route befinden, ist das eine etwas aufwendigere Recherche, die man sonst vielleicht nur von Fernreisen kennt.

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Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

  • Österreich: nur Transit, sollte kein Problem sein. Mopdes haben auch unter 95 dB. Das geht sich aus.
  • Italien: mal schauen, ob es aktuell ausreicht am selben Tag zu buchen bzw. Campingplätze spontan anzufahren. Sonst sehe ich keine Probleme.
  • Griechenland: Gesundheitsformular für die Fähre und neuer Fragebogen zur Einreise, dessen Ergebnis man als QR-Code bekommt und erst vor Ort gesagt bekommt, ob man getestet wird oder nicht. Ggf. 36 Stunden zusätzliche Wartezeit nötig… bei den Buchungen ähnliche Situation wie Italien.
  • Albanien: sollte ohne große Einschränkungen möglich sein
  • Montenegro: ab hier wird es spannend. Aktuell (1. Juli) und schon vorher war die Einreise für die meisten EU-Bürger erlaubt. Wer allerdings aus Ländern einer so genannten gelben Liste kam, durfte nur mit negativem Covid-19-Test einreisen, der zudem maximal 72 Stunden alt sein darf. Zu der Liste gehörte bis gestern noch Italien, jetzt ist es immerhin noch Albanien. Das ist im Moment der größte „Showstopper“, denn das würde bedeuten, dass ich in Albanien einen Test machen müsste. Und an Montenegro führt kaum ein Weg vorbei… ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden drei Wochen (bis ich in Griechenland bin) noch viel ändern wird, so dass der Plan bestehen bleibt. Die Alternativen sind nicht wirklich attraktiv.
    • Fähre von Igoumenitsa zurück nach Italien (machbar aber naja)
    • Nur über EU-Länder zurückfahren wird zeitlich nicht wirklich machbar sein (großer Bogen über Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Österreich)
  • Bosnien: nach wie vor für Ausländer dicht, Ausnahme ist ein Transit. Damit fallen Mostar, Sarajevo usw. für mich auf dieser Reise weg
  • Kroatien: nach Montengro wieder zurück in die EU, also kein Problem

Der Rest?

Bis auf die Gepäckprobe gibt es nicht mehr viel zu tun. Ich konnte durch einen spontanen Geburtstagsbesuch im Freistaat einen kurzen Stopp an der Werkstatt einhalten. Bei der Gelegenheit konnte ich nützliche Ersatzteile (Ruckdämpfer, Schlauch, Kleinteile) und praktisches Zubehör (größere Auflageplatte für den Seitenständer) einsacken. Aber das Beste: Nach über zwei Jahren ist der verschollene Endurostar Trail Stand aufgetaucht. Eigentlich war er nie weg, aber ich habe ihn in schätzungsweise fünf ausgiebigen Suchaktionen konsequent übersehen. Er hätte aber auch einfach überall sein können… allein in Stuttgart gab es sechs potenzielle Lagerorte. Wenn ich ihn mit umgezogen hätte. Naja, dank Wolfang und seinen Adleraugen kann ich mir nun das Geld für eine ähnliche aber viel schwerere Lösung aus dem Louis-Sortiment sparen und das Teil endlich in der Praxis testen.

Zelt, Campingkocher, Bialetti und Co. sind jedenfalls bereit, die Xchallenge hat wieder zwei Jahre Segen von der Dekra erhalten und ich warte jetzt nur noch auf meinen neuen Reisepass. Achso, bei diversen Besuchen in der Stuttgarter Einkaufsmeile (spend local) habe ich die Konjunktur durch den Kauf diverser Zusatzartikel angekurbelt. Etwa eine MSR-Flasche für Benzin, die eine kleine Spritreserve darstellt und theoretisch mit meinem Gaskocher kompatibel ist, zumindest lässt sich dieser umrüsten. Sie fasst 30 fluid ounces, in der metrischen Welt sind das 887 Milliliter. Das erhöht meine theoretische Reichweite um rund 25 Kilometer auf rund 280. Nicht viel, aber bei einer verzweifelten Suche nach einer Zapfsäule sicherlich etwas wert. Dazu kamen dann noch diverse Karten, eine billige LED-Stirnlampe, ein paar neue Glühbirnen (danke Kroatien)… was man halt so braucht, wenn man auf einen günstigen und puristischen Camping-Trip fährt.

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Dekra-Selfie

 

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