Solo Italia – Tag 1

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  • Abschnitt: Freising nach Langenargen
  • Strecke: 257 Kilometer
  • Fahrzeit: von 13:30 bis 18:00
  • Erkenntnis des Tages: Es ist Herbst.

Ich krame die letzten Kleinigkeiten zusammen, stopfe noch eine Tüte mit Nüssen in den Tankrucksack und quetsche eine kleine Wasserflasche in die Jackentasche.  So voll beladen wie ich bin, habe ich ganz sicher nichts vergessen. Ich schwinge ein Bein über das Sitzbrett, versuche beim Aufsteigen das Motorrad NICHT umzuwerfen und finde zwischen Tankrucksack und Gepäckrolle gerade so genug Platz. Es geht los. Ich fahre über vertraute Straßen, für die ich im Moment noch keine Karte brauche. Fahrgäste im rot-weißen Stadtbus mustern mich neugierig beim Vorbeifahren. Oder haben sie Mitleid? Egal, bald lasse ich die Stadt hinter mir. Das Gefühl, absolut keinen Zeitdruck zu haben vermischt sich mit dem eigenartigen Gefühl, dass diese Fahrt schon wieder eine dumme Idee sein könnte. Heute ist der 11. September, da ist für viele der Urlaub schon längst vorbei. Aber was soll man sonst mit drei Wochen anstellen, in denen die Freundin eine Exkursion in ein Land unternimmt, in dem man auch wunderbar Motorrad fahren könnte…

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Dieses Bild veranschaulicht recht gut, warum ich nicht zelten werde.

Obwohl mir mein Pullover beim Beladen schon fast zu warm wurde, bin ich beim Fahren schnell froh drum. Denn irgendwie ist es doch ganz schön frisch. War das schon immer so? Oder hab ich das schon wieder verdrängt, so wie ich jedes Jahr vom Heuschnupfen überrascht werde? TRIP 1 zeigt um die 150 km an, als ich eine Tankstelle entdecke. Zeit für den zweiten Kaffee des Tages und eine kurze Verschnaufpause. Ich habe kurz ein schlechtes Gewissen, da ich den netten Tankwart nicht für die beste Musik lobe, die ich je in einer Tankstelle gehört habe: Pink Floyd.

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Wieso bietet Touratech keinen lasergeschnittenen V2A-Cupholder an?

Richtung Kempten werden die Wolken immer grauer und mir wird klar, dass ich mitten reinfahre. Dafür tröste ich mich mit dem Gedanken, dass ich bald wieder am Strand in Italien liegen kann. Und ich, neben Regenzeug, noch Überziehhandschuhe dabei habe. Ich fahre an so vielen Kühen vorbei, dass ich so ziemlich jede Farbvariante gesehen haben dürfte. Es wird langsam wirklich frisch, und ich beschließe, die Regenjacke als Zusatzschicht unterzuziehen. Bei meinen luftigen Enduro-Handschuhen stoßen die Heizgriffe auch langsam an ihre Grenzen.

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Das kann ja noch was werden…

Gegen 16 Uhr. In Immenstadt prasseln kleine Tröpfchen auf mein Visier. Wie gut, dass ich die Regenjacke unter der Motorradjacke trage. Als der Regen immer ekliger wird, halte ich kurz an und ziehe die XL-Überhandschuhe an. Eigentlich wollte ich ein Foto machen, um die Mischung aus Grau und Grün festzuhalten, aber ich wollte so schnell wie möglich durch diese kalt-nasse Suppe durch. Mein Nacken schmerzt langsam, die Fingerspitzen werden langsam taub. Erinnerungen an meine abgebrochene Tour nach Tschechien im März werden wach. Bei Sonnenschein wäre die Strecke tatsächlich so schön, wie sie auf der Karte verzeichnet ist. Zum Glück ließ der Regen irgendwann nach. Schon bald blitzte der Bodensee durch Waldschneisen durch. Als ich mich dann bergab durch die ersten richtigen Kehren in Richtung Lindau schraubte, war ich froh diese Route gewählt zu haben. Die B12 über Isny wäre sicherlich genauso kalt aber weniger kurvig gewesen.

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Nur noch wenige Kilometer

Beim etwas steifen Abstieg vom Motorrad fiel mir ein, dass ich wohl eine halbe Stunde zu früh angekommen bin. Barbara und Simon, bei denen ich heute übernachten kann, würden erst um halb 7 zuhause sein. Aber in diesem Moment radelte mir Barbara schon entgegen. Nach einer Dusche und sehr leckerer, nachgeschärfter Gemüselasagne war meine Körpertemperatur dann auch wieder im normalen Bereich. Morgen werde ich gegen 8 oder 9 losfahren. Ich werde etwas Strecke machen müssen, wenn ich es zeitig bis nach Italien schaffen will. Gute Nacht.

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2 Gedanken zu “Solo Italia – Tag 1

  1. Wo ist eigentlich der „Gefällt mir“ Button?
    Schön geschrieben, macht wieder Lust aufs Fahren, auch wenn die Temperaturen nicht mehr so sommerlich sind.

    • Hi David, danke für deinen netten Kommentar. Ich glaube den Like-Button sehen nur registrierte WordPress-User. Ich freue mich aber eh viel mehr über individuell geschriebene Worte. 😉

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