Auf der Suche nach dem idealen TET-Setup

Nachdem ich im September auf einer Dienstreise endlich meine ersten Erfahrungen auf dem Trans Euro Trail in Bosnien machen konnte, will ich mehr davon. Entweder als dedizierter Urlaub oder um zumindest Teile davon in eine Tour einzubauen. Ein Vorhaben, über das ich mir gerne bereits im Winter herrlich theoretische Gedanken machen kann. Auch wenn vieles davon deckungsgleich mit meinen Beträgen zu Enduros, Reifen und zu Gepäcklösungen sein wird.

Wie schon an anderer Stelle beschrieben, hängt „das ideale Setup“ von persönlichen Präferenzen (Fahrstil, Reisetempo, Fahrkönnen etc.) ab. Was das konkrete Vorhaben „Trans Euro Trail“ aber schon mal grundsätzlich kennzeichnet:

  • eine womöglich nervige, aber zeitsparende An- und Abreise über die Autobahn
  • Strecken ohne einheitlichen Schwierigkeitsgrad, jedoch (soweit mein Eindruck) überwiegend mehr oder weniger anspruchsvolle Schotterpisten, selten technisch schwierige Passagen
  • führt zum Teil durch sehr dünn besiedelte Gebiete
  • „offiziell“ empfohlen werden Einzylinder und leichtes Gepäck

Daraus abgeleitet:

  • Es ist kein Offroadevent, sondern eine Reise
  • Motorrad und Reifen brauchen genügend Ausdauer für die Autobahn, sollen aber auch genügend Fahrspaß auf Landstraßenabschnitten ermöglichen
  • Motorrad und Reifen müssen aber auch geländetauglich sein, auch wenn es regnet und dementsprechend anspruchsvoller wird
  • Eine gewisse Autonomie sollte vorhanden sein. Das heißt: genug Sprit und Campingausrüstung

I. Das Moped

Die auf dem TET genutzten Maschinen bilden das übliche Spektrum ab, von sportlichen Einzylindern, den beliebten Rallye-Umbauten der 701er Husqvarna über F 800 GS, größere Zweizylinder-KTMs und natürlich auch viele Boxer-GS. Im Prinzip lässt sich die altbekannte Frage nach der idealen Enduro so einfach beantworten: Macht was ihr wollt, nutzt was ihr habt, es geht. Doch auch in diesem, recht konkreten Fall habe ich das Luxusproblem, dass ich mich nicht entscheiden könnte. Zwar möchte ich im ersten Moment „XCHALLENGE!“ schreien. Der Einzylinder scheint ausnahmsweise mal genau das passende Gefährt für so etwas zu sein. Wo die 650er nicht durchkommt, werden auch die meisten Sportenduros scheitern. Die Anreise wird zwar eine Tortur, ließe sich aber evtl. durch einen Zwischenstopp erträglicher gestalten. Dafür ist die 650 auf den Trails selbst mit vollem Gepäck eine leichtfüßige Alternative zur großen GS. Mit Packtaschen und Gepäckrolle ließe auch Fotoausrüstung unterbringen, einzig bei Zelt, Schlafsack und Co. könnte mir der Platz auf der schmalen Sitzbank ausgehen. Damit wäre ich an Unterkünfte gebunden, die es aber der Theorie nach überall geben sollte. Rund 180 Kilometer Reichweite bis zur Reserve sollten (und müssen!) für alle Fälle reichen. Denn Platz für Reservekanister gibt es nicht wirklich, meine „Fuel Bottle“ taugt mit 800 Milliliter nur als absolute Notreserve für rund 25 Kilometer.

Option 1 (+ den Rucksack noch durch eine Gepäckrolle ersetzen…)

Andererseits: Mit der GS (und vergleichbaren Zweizylindern) ist die Anreise am nächsten Tag vergessen. Auch mit ihr kann man auf üblichen Schotterpisten viel Spaß haben, auf der Landstraße sowieso. Auch mit 19-Zoll-Vorderrad und etwas weniger Federweg kommt man fast überall durch, auch Sand und loses Geröll. Klar würde es mit dem 21-Zöller noch besser gehen. Aber die einfache Fahrbarkeit des Boxers nimmt einem viel ab, dazu hat die GS nicht nur eine größere Reichweite, sondern auch einfach mehr Möglichkeiten mehr mitzunehmen. Das heißt nicht, dass ich die GS in diesem Fall mit Alu-Koffern und daran noch zusätzlich aufgeschnallten Gepäckrollen vollpacken würde. Ich würde mich vermutlich in diesem Fall auch für die Satteltaschen entscheiden, doch der robuste Heckrahmen bietet einfach wesentlich mehr Reserven (und Platz!) als die Xchallenge. Campingausrüstung wäre also kein Problem und selbst wenn ich doch die Alu-Koffer montiert lasse, sehe ich jetzt keinen Grund, warum diese nicht auch auf dem TET ihre Vorteile auspielen können. Die viel zitierte Pistentauglichkeit kann man den Zega-Koffern nicht absprechen. So gesehen ist die GS als Expeditionsfahrzeug in diesem Vergleich unschlagbar. Wie viele stelle ich mir die GS gerne als zuverlässiges Muli vor, das viel tragen kann und ein guter Reisebegleiter ist, aber mit dem man alles eben etwas gemütlicher angehen muss. Wobei das sicherlich nur für das Gelände, und nicht für die Landstraße gilt. Aber gewichtstechnisch sind 245 Kilo ohne Gepäck schon wirklich die Schmerzgrenze. Finde ich zumindest.

Die dritte Möglichkeit ist in meinem Fall nur hypothetisch. Hätte ich keines dieser Motorräder, würde ich mich wohl für die goldene Mitte entscheiden und mir eine möglichst leichte Zweizylinder-Enduro kaufen. Auf der Anreise weniger komfortabel als die GS, aber wesentlich kommoder als die Xchallenge. Offroad weniger agil als die 650er, aber deutlich kompetenter als die 1200er. Es dürfte niemanden überraschen, dass ich an dieser Stelle gerne erneut eine Empfehlung für die Yamaha Ténéré 700 und KTM 790 bzw. 890 Adventure R (das „R“ ist wichtig) ausspreche. Die mittlerweile unverschämt günstige Gebrauchtalternative dazu wäre die F 800 GS, die dieses Feld schon zwölf Jahre früher beackert hat. Ich finde sie als 21-Zoll-Vorderrad-Alternative zur Boxer-GS immer noch gut, auch als Adventure-Version mit großem Tank…

Was soll ich sagen, die 800er rockt halt immer noch… (Bild von 2016 in Ungarn)

II. Reifen

Das Thema Reifen wäre für mich in diesem Fall schnell abgehandelt. Ich würde die Entscheidung einzig und allein von der Reisedauer und der zu erwartenden Distanz treffen. Sind insgesamt deutlich mehr als 5000 Kilometer zu erwarten, würde ich Heidenau K60 Scout oder Mitas E-07 aufziehen. Mit diesen 60/40 Reifen aus Sachsen oder Tschechien dürften 99 Prozent der TET-Strecken aber auch problemlos machbar sein, zudem bieten sie mehr Reserven für die Landstraße. In allen übrigen Fällen würde ich ganz klar einen Grobstoller wie Conti TKC 80, Metzeler Karoo 3 oder Michelin Anakee Wild bevorzugen. Die verkraften auch Autobahnkilometer und bringen einfach noch mehr Souveränität (vulgo Spaß) im Gelände.

Her mit dem Grobstoller!

III. Gepäck

In dieser Hinsicht fällt die Entscheidung leichter, als bei den Motorrädern. Aufgrund der Gewichtsersparnis, der geringeren Verletzungsgefahr und des vernachlässigbaren Sicherheitsaspekts würde ich zu Softgepäck greifen. Wenn dann aber Zelt, Isomatte, Schlafsack, Kocher, Geschirr, Stativ, Kamera und Wechselobjektive verstaut werden sollen, dann scheitert die Theorie schnell an der Praxis. Will man also nicht auf die Flexibilität verzichten, die einem die Campingausrüstung ermöglicht, kann es je nach Gepäcksystem eng werden. Wer dann auch noch gute Bilder mitbringen will und sich dabei nicht auf Handy- oder Kompaktkamera verlassen will, bekommt schnell Platzprobleme. Das ist aber nicht wirklich eine Sache zwischen Packtaschen und Alu-Koffern, sondern höchst individuell. Denn auch Weichgepäck gibt es in allen Größen und Formen. In meinem Fall bieten die Alu-Koffer einfach wesentlich mehr Platz, als die Satteltaschen von Enduristan. Ich würde im Zweifelsfall eher auf die Campingausrüstung verzichten, als auf Kamera und Co. Hier müsste ich nochmal intensiv probepacken, bevor ich mich entscheide.

IV. Klamotten

Beim Thema Bekleidung schwanke ich oft zwischen dem, was ich für „Style“ und „Funktion“ halte. Genauso wie ich Reiseenduros liebe, mag ich Anzüge, mit denen man um die Welt fahren kann. Manchmal fühle ich mich damit aber so deplatziert wie jemand mit Wanderstiefeln und Funktionsklamotten im Drogeriemarkt (bis ich selbst gemerkt habe, wie unglaublich gemütlich so eine Softshellhose ist…). So oder so ist mir ein gewisses Maß an Sicherheit wichtig, weshalb ich zum Beispiel auch gefühlt zu 97 Prozent meiner jährlichen Fahrleistung mit hohen Motorradstiefeln, zu 2,5 Prozent in Kurzstiefeln und zu 0,5 Prozent mit Turnschuhen fahre. Das heißt: Bei manchen Jacken trage ich drunter lieber meine gut sitzende Protektorenweste, als mich auf die wackeligen, sehr kleinen Level-1-Protektoren zu verlassen. So bin ich beispielsweise auch in Tschechien gefahren, wo ich lieber mit meiner wiederentdeckten (bzw. wieder für cool empfundenen) Wachscotton-Rev’it-Jacke unterwegs war, als mit einer hochfunktionellen Textilkombi. Eine Regenkombi hatte ich natürlich trotzdem im Gepäck. Einen Italien-Urlaub habe ich auch mit Motorradjeans und Lederjacke mit untergezogener Protektorenjacke verbracht.

Die Rev’it Zircon hat mittlerweile eine ordentliche Patina bekommen. Für den TET gibt’s Besseres…

Bei einer TET-Tour würde ich mich jedoch klar für die Funktion entscheiden. Das heißt, eine Textilkombi, die viele Taschen, gute Belüftung, ein hohes Sicherheitsniveau und nette Extras (z. B. hochschließenden Kragen, eine transparente Tasche am Handgelenk, eine große Tasche überm Hintern) bietet und sich an jede Witterung anpassen lässt. Die „klassischen“ ich 3-in-1-Jacken mit Einzip-Membran mag ich mittlerweile immer weniger, da ich immer den idealen Zeitpunkt verpasse, um die Schutzschicht rein- oder rauszumachen. Besonders nervig bei der Hose, bei der die Membran dann meistens einfach drin bleibt, wenn das Wetter wechselhaft ist… Außerdem brauchen diese Kombis lange zum trocknen, da sich die Außenschicht mit Wasser vollsaugt. Eine Alternative sind laminierte Kombis, die meist während der Fahrt und in jedem Fall ohne Umziehen durch Schließen der Reißverschlüsse schnell wasserdicht gemacht werden können. Diese Anzüge sind aber recht steif und meist erst ab einer gewissen Preisklasse wirklich überzeugend, vor allem für anspruchsvolle Offroad-Nutzung. Was ich mittlerweile als besten Kompromiss empfinde, sind die immer häufiger angebotenen Kombis mit separatem „Outsert“. Das heißt, eine Membranjacke, die bei Regen über der Jacke getragen wird. Für die Hosen gilt das gleiche. Zwar muss ich hier auch kurz anhalten, es reicht aber, Jacke und Hose überzuziehen. Umso besser ist dafür die Belüftung bei heißem Wetter. Wenn Thermofutter für Jacke und Hose nicht sowieso dabei sind, würde ich selbst im Sommer zumindest eine Thermojacke mitnehmen. Am besten eine, die auch am Abend in der Zivilisation getragen werden kann. Also eine Fleece- oder Softshelljacke, bei der sich niemand über die vielen abstehenden Knöpfe und die kurzen Ärmel wundert… Der Rest ist klar: Enduro-Tourenhelm, zwei Paar Handschuhe (Gelände + Tour), Funktionsunterwäsche, wasserdichte Enduro- (und nicht Motocross-) stiefel. Generell habe ich die Erfahrung gemacht, dass so gut wie alle Motorradklamotten im wahrsten Sinne des Wortes ausreichend sind. Aber, ohne Werbung für überteuerte Produkte machen zu wollen: teure Motorradkleidung ist ihr Geld oft wert, das spürt man meistens bei jedem Anziehen aufs Neue.

Mit dieser Einsteiger-Kombi hatte Freude, bis ich hochwertigere Textilanzüge tragen durfte…

V. Ausrüstung

Auch dieses Kapitel ist schnell abgehandelt, denn ich versuche grundsätzlich nur das Nötigste mitzunehmen, was erfreulicherweise mit jedem Urlaub etwas weniger wird (und durch mehr Fotoausrüstung ausgeglichen wird). Als essenziell (weil abgeschieden und evtl. ohne Empfang) würde ich jedoch ein umfangreiches Bordwerkzeug bezeichnen, mit dem man auch umgehen können sollte (*hust*).

Noch lange nicht vollständig ausentwickeltes Bordwerkzeug

Auch ein Erste-Hilfe-Paket und eine kleine Notration (v. a. Wasser) sollte selbstverständlich sein. Grundsätzlich halte ich mich an den Grundsatz, nicht alleine ins Gelände zu gehen. Andererseits besteht der TET nach meinem Eindruck aus Strecken, die grundsätzlich befahren werden. Wenn es nicht anders geht, würde ich über ein GPS-Ortungssystem nachdenken. Apropos GPS, fast unverzichtbar für die konkret ausgearbeiteten Trails ist ein Navi oder Handy, das wunderbar den GPX-Track anzeigen kann, dem man dann nur nachfahren muss.

Back o‘ Beyond – das ist der Reiz daran (die rote Linie ist der TET Bosnien)

VI. Hausaufgaben

Wann ich das alles in die Tat umsetzen kann, kann ich jetzt noch nicht sagen. Zumindest das Thema Bekleidung hat sich vorerst erledigt – mit der On-/Offroad-Textilkombi eines namhaften Herstellers habe ich endlich einen von der Redaktion völlig unabhängigen Anzug, der das perfekte Gegenstück zu meiner üblichen Kombi aus Wachscotton- oder Lederjacke mit Motorradjeans darstellt. Da mir bereits Reiseplanung und -vorbereitung Spaß machen, werde ich mich im Frühling zunächst daran machen, beide Motorräder mal wieder dezent umzubauen. Bei der GS werde ich z. B. mal wieder das Koffersystem abbauen und testen, wie viel ich mit den Satteltaschen und einer Gepäckrolle unterbringe. Freue mich schon drauf. Selbiges an der Xchallenge. Ob die Entscheidung dadurch leichter wird?

TET-Setup für die GS

6 Gedanken zu “Auf der Suche nach dem idealen TET-Setup

  1. Servus Ferdi,
    weniger (kleiner, leichter) ist mehr . . . blablabla kann ich hier vom warmen Büro am PC jedenfalls behaupten.
    Lg Rolo

    • Servus Rolo, das stimmt. Hab mich wahrscheinlich schon zu sehr an den GS-Komfort gewöhnt. Wenn sowas ansteht, wäre schon die 650er das passendere Gefährt. Ich such mir bei meinen Reisen irgendwie immer genau das falsche Moped aus. 🙂

  2. Hallo Ferdinand,

    du fährst nicht zufällig zur Bosnien Rally mit der XCh dieses Jahr?

    Gruß Diana

    PS: bin nur zufällig auf deinen Blog gestoßen bei der Suche nach „Ölwechsel“

    • Hallo Diana,

      ich fahre zwar voraussichtlich nach/durch Bosnien, aber nicht zur Rally. Hatte schon davon gelesen, sieht nach einer genialen Veranstaltung aus…

      Gruß
      Ferdinand

      P.S. ja, die Beiträge zum Ölwechsel werden fast am meisten geklickt

      • …ich bin für Bosnien angemeldet und hab nen Startplatz, packe die XCh für die Anreise aber auf einen Trailer, nächstes Jahr mache ich dann den TIM in Italien und fahre nach Island

      • Nicht schlecht, aber das ist glaube ich das perfekte Moped für so etwas… (ok, bis auf den fehlenden Roadbookhalter vielleicht…)!

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