Endlich (wieder) Tschechien – Ein Plan

Billige Zigaretten (und andere Substanzen), Tanken, Vietnamesenmarkt, Paintball und Junggesellenabschied – das sind (leider) für viele die einzigen Gründe, nach Tschechien zu fahren. Für mich gehört Tschechien zu meinen absoluten Lieblingsländern, auch wenn ich bis jetzt immer nur für wenige Tage am Stück dort war. Mit dem Motorrad habe ich es bisher nur einmal geschafft*. Daher plane ich seit Jahren hin und her. Höchste Zeit endlich eine kleine, schöne Tour draus zu machen…

Die sorgfältig recherchierte Route um Prag – Daten von OpenStreetMap – Veröffentlicht unter ODbL

Da ich Prag und Pilsen schon besucht habe, werde ich mir diese Klassiker sparen. Beide sind allerdings absolute Empfehlungen, auch wenn Prag schon sehr touristisch ist. Für ein langes Wochenende bzw. ein paar Tage Urlaub habe ich mir folgende Ziele herausgesucht:

  • Je nach Zeit schnelle Anreise über die A93 oder über die fränkische Schweiz.
  • Erster Anlaufpunkt muss mal wieder Eger/Cheb sein.
  • Kaffeestop in Karlsbad.
  • Nächster Halt in der Nähe von Usti nad Labem/Aussig. DayZ-Spieler wissen warum…
  • Großer Bogen um Prag mit Ziel Benesov. Genauer gesagt, eine Brauerei, die nach mir benannt wurde. Oder war es andersrum?
  • Wenn man schon im Biermodus ist, kann man Budweis auch mitnehmen.
  • Auf dem Rückweg noch nach Cesky Krumlov, das ebenfalls sehr sehenswert sein soll.
  • Je nach Zeit noch ein paar Meter durch den Böhmerwald, zurück über die A92.

Was mir an Tschechien so gut gefällt, ist schwer zu beschreiben, versuchen möchte ich es trotzdem. Dass mein Opa aus Eger kam, war vielleicht immer ein Fixpunkt, aber mittlerweile sind genügend andere Gründe dazugekommen. Die Basis für alles ist sicherlich die nicht abstreitbare West-Prägung, die dafür sorgt, dass man Tschechien auch in meinem Alter noch mit einem gewissen „Ost“-Gefühl begegnet. „Uuuh, jetzt bin ich im wilden Osten.“ Irrational, aber egal! Ich mag vor allem das Rustikale daran (im positiven Sinne), das sich für mich in vielen Kleinigkeiten manifestiert. Hübsch renovierte Häuser, zwischendurch eben schon länger nicht mehr ganz frische Häuser und Gartenzäune aus sozialistischen Zeiten statt Neubausiedlung mit weiß-grauen Flachdach-Wohnbunker. Der Geruch vieler Kamine. Wenig Verkehr. Eine Sprache, die einem im Alltag so überhaupt nicht begegnet. Dann wieder schön hergerichtete Gebäude aus der k.u.k.-Zeit (z. B. in Franzensbad!). Und dann fährt man durch kleine Siedlungen, vorbei an hässlichen Plattenbauten, dazwischen Müllberge und Menschen, die um ein Feuer (in einer Tonne) stehen. Wenn ich versuche, das auf einen Nenner zu bringen würde ich sagen: Die Kontraste sind größer, die Farben und Unterschiede intensiver. Das Gefühl, das hier zum Glück nicht alles perfekt reglementiert ist. So nah, und doch so fremd. Entscheidend waren aber auch die netten und herzlichen Menschen, denen ich im Laufe dieser Zeit begegnet bin, ob jetzt durch Softair-Events, in Bars (nach Softair-Events) oder wie letztes Jahr im Urlaub. Und natürlich das Essen! Der vielleicht trivialste Grund von allen: Zwei tschechische Entwicklerstudios sind für viele meiner Lieblingscomputerspiele verantwortlich. In einem Spiel (ArmA II bzw. später DayZ) wurde sogar ein Teil Realwelt digitalisiert und nachgebaut. Was den verrückten Effekt zur Folge hat, dass viele DayZ-Spieler in genau diese Region fahren und dort Vergleichsvideos drehen. So oder so, Tschechien hat einen besonderen Platz in meinem Herzen, und doch finde ich viel zu wenig Zeit, das Land länger zu besuchen. Mit dieser Reise ändert sich das hoffentlich. Herbst, Winter, Frühjahr? Mal sehen…

* Was bisher geschah:

Den ersten Anlauf gab es bereits 2015. Da hatte ich meinen Führerschein seit einem guten Jahr, ordentliche Stollen auf die 650 Sertao aufgezogen und immer noch keinen Plan vom Reisen. Was ich damals natürlich nicht wusste. Es ging damit los, dass ich „möglichst offroad“ nach Tschechien fahren wollte. Also viele Feldwege mitnehmen. Das Beste war der Zeitpunkt… Anfang März. Jeden Tag wurde das Wetter gecheckt. Jedes zusätzliche Plusgrad war ein großer Erfolg. „Hey, an dem Tag hat es sogar 3 Grad! Perfekt.“ Kurz nach Landshut dümpelte ich also an der Isar entlang, kämpfte mit der langsamen Route und den tiefen Temperaturen. Cool wie ich war, hatte ich natürlich einen Crosshelm und Crossbrille auf, meine adventureske Günstig-Kombi von Polo war jetzt auch nicht gerade die perfekte Schutzhülle gegen einstellige Temperaturen. Die Handschuhe? Dünnes Leder für sportliches Feedback. Mit Heizgriffen nicht wirklich warm. Irgendwann kam ich dann in Zwiesel an, kurz vor der Grenze und machte Pause im McD. um mich aufzuwärmen. Vor mir eine große Tasse Kaffee, daneben das Handy, draußen das Motorrad und die Sorge, dass einer der juvenilen Restaurantbesucher meine Gepäckrolle klaut. Irgendwann dann das Einsehen, dass ich total durchgefroren bin und das Wetter die nächsten Tage sicher nicht besser wird. Also das Hotel in Susice storniert. Umgedreht. Irgendwann auf die A92 gefahren. Oh nein, die guten Stollenreifen. Auf der Reserve noch in die Tankstelle gerollt, die ich am Vormittag erst passiert hatte, den Tank fast komplett aufgetankt. Mehr Lehrgeld musste ich immerhin nicht bezahlen.

Noch voller Vorfreude nehme ich ein Stück Isar mit, bevor ich auf langweilige Bundesstraßen einbiege

Etwas später, im September, gab es dann erneut eine Gelegenheit zumindest einen Abstecher nach Tschechien zu machen. Nach einem Verwandschaftsbesuch im bayrischen Wald fuhr ich Richtung Domazlice, erkundete ein paar Waldwege und war erstaunt über die schönen Straßen und den sparsamen Verkehr. Hier machte ich ein paar Stopps und machte viele Fotos, wie ich sie heute nicht mehr machen würde.

Damit fuhr ich ungefähr entlang der Grenze nach Süden. Unterwegs wunderbarer Asphalt, die ein oder andere Serpentine und eine grüne, sanft-hügelige Landschaft. Vermutlich war es die Straße 190. Bald kam Zelezna Ruda, auf der anderen Seite Bayrisch Eisenstein, das mir noch aus der vierten Klasse und dem Schullandheim ein Begriff war. Nach dieser kurzen Tagestour war ich angefixt und wollte unbedingt wieder kommen. Mit sechs Jahren zusätzlicher Erfahrung und etwas besserer Ausrüstung sollte ja wirklich nichts mehr schiefgehen… ob mit Zelt oder ohne ist jedoch genau wie damals vor allem eine Frage der Temperaturen.

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