Logbuch # 2 / 2021

Mal wieder Meta

Nach langer Zeit nehme ich mir mal wieder Zeit, einen Blogbeitrag im ursprünglichen Sinne zu schreiben: als binary log. Durch diese lange Pause drängte sich zwischenzeitlich auch mal wieder die Frage auf, ob ich den Blog so weiter gestalten möchte, oder das Ganze mangels Unregelmäßigkeit/Irrelevanz/Unvollständigkeit/Unvollkommenheit/Unerfahrenheit einfach einstampfen sollte. Stammleser, sofern es sie gibt, kennen diese Gedanken aus früheren Beiträgen. Zwei Aspekte begünstigen das noch: Je höher die monatlichen und jährlichen Abrufzahlen werden, desto eher habe ich das Gefühl, etwas bieten zu müssen. Und hohe Ansprüche habe ich grundsätzlich, weshalb ich viele alte Beiträge auch zigfach mit neuen Bildern versehe, ganze Texte überarbeite, neu schreibe oder ab und zu neue Infos einbaue. Aber letztlich haben diese Abrufzahlen für mich keine wirkliche Aussagekraft, da ich nie genau weiß, was oder wer wirklich dahinter steckt. Auch wenn ich damit sicherlich schicke Business-Präsis mit tollen Graphen basteln könnte. Das andere ist, dass ich versuche mich mehr und mehr aus dem Internet herauszuhalten. Zumindest aus den Auswüchsen, die damit zusammenhängen: „Social“ Media, hitzige Forendiskussion und unendlich viel Content, den kein Mensch mehr ernsthaft erfassen kann. Kuratiert durch irgendwelche Algorithmen, was mal mehr, mal weniger gut funktioniert, warum man sich dann doch lieber auf persönliche Empfehlungen verlässt. Und trotzdem mache ich dann das, was alle machen, indem man zeigt und beschreibt was man hat, was man macht und gemacht hat? Hmm… dann komme ich aber wieder an den Punkt, wie das angefangen hat, als Projekt im zweiten Semester. Und eigentlich macht mir das immer noch Spaß. Auch wenn das Netz (selbst in der relativ kleinen Motorrad-Filterblase) voll davon ist, und viele damit besser/häufiger/spektakulärer/Suchmaschinen-optimierter/weitgereister/hardcore-iger/erfolgreicher sind. Ich mach es eben so, wie es mir passt. Und mehr will ich doch eigentlich auch garnicht.

Zeit unterm Helm ist Zeit zum Nachdenken

Modellpflege

Statt Fortschritte an der Duke (die es spätestens im Herbst und Winter wieder geben wird) habe ich meine begrenzte Zeit eher dafür investiert, Kleinigkeiten an den fahrfähigen Motorrädern auszubessern. Nach der großen Kofferaktion an der GS wurde es Zeit, die Bremsbeläge zu wechseln (easy). Die Reifen habe ich bei einer Werkstattgelegenheit jedoch aufziehen lassen. Die von mir geschätzten Mitas E-07 hätten sicherlich noch 2000 Kilometer oder länger gehalten, mit meinen ursprünglichen Reiseplänen (mal wieder Balkan) wäre das jedoch etwas knapp geworden. Daher fahre ich jetzt den berühmten Kompromissreifen aus Heidenau, den K60 Scout, der konzeptionell quasi deckungsgleich mit dem Mitas ist. Die Kombination aus neuen Reifen und neuen Bremsbelägen war anfangs sehr merkwürdig, nach ein paar Hundert Kilometern hat sich das aber gelegt.


Das andere Dauerthema war die Originalhalterung von Garmin. Mit der RAM-Befestigung schwebte der Bildschirm weit erhaben über den Instrumenten, das sah einfach nicht sauber und nach einem ungesunden Hebel aus. Nachdem ich sämtliche Möglichkeiten des RAM-Mount-Systems durchging (und das sind viele), wurde ich irgendwann bei Polo fündig. Ein simpler Halter für die direkte Montage am Rohrbügel. Genau das, was ich gesucht habe. Warum Garmin so eine Option nicht direkt anbietet, verstehe ich nicht. Die Schelle war zwar etwas zu groß für den BMW-Navibügel, mit etwas Tape war das aber behoben. Kosten? Knapp 20 Euro.

Raus aus der Wirbelschleppe

Eine größere Geschichte, die vielleicht auch noch ihren eigenen Beitrag bekommt, wird das Thema Windschild an der GS. Etwas, dass mich bereits bei der 650er GS Zeit, Geld und Nerven gekostet hat. Am besten war es immer mit einer kurzen Scheibe oder ganz ohne. Bei meiner 650 Xchallenge ist das mangels Windschild zum Glück kein Thema. An der 1200 GS hatte ich mich mehr oder weniger damit arrangiert, immerhin ist die Scheibe ja verstellbar. Aber ob in der tiefen, mittleren oder hohen der vielstufigen Rasten: So richtig zufrieden bin ich auf Dauer auch nicht. Spätestens ab 100. Und bei gemütlichen 120-130 auf der Autobahn buckel ich mich immer zusammen und frage mich, wie groß dieser Dummy wohl sein mag, den BMW im Windkanal auf die Prototypen schnallt. Eine kurze Episode ohne Windschild hatte ich noch gut in Erinnerung, allerdings gibt es durch die Verkleidung trotzdem Turbulenzen und wirklich gut aussehen tut’s auch nicht. Man sieht, dass etwas fehlt. Außerdem fühlt es sich nicht so gut an, wenn sich das Navi komplett gegen Wind, Regen und Insektenhagel stemmen muss.

Die GS mal wieder oben ohne… schönes Fahrgefühl, aber auch nicht frei von Turbulenzen. Merkt man spätestens wenn man aufsteht und „laminar angeströmt wird“, wie man so sagt

Was also tun? Die stimmige Originalscheibe gehört für mich eigentlich fest zur GS-Linie, beeinträchtigt für meine 1,87 aber selbst mit Ohrenstöpseln viel des sonst sehr hohen Reisekomforts. Ohne ist wie beschrieben auch keine dauerhafte Lösung und eine hohe Scheibe mit und ohne Spoiler ist für mich ebenfalls keine Option, auch wenn das der Großteil der GS-Fahrer gefühlt anders sieht. Hübsch und stimmig wäre höchstens noch die große Scheibe der GS Adventure, aber selbst das ist mir zu viel Plastik vor den Augen. Die wenigen kurzen Scheiben, die es zu kaufen gibt, sind designtechnisch aber auch nicht viel besser… Also bleibt mir wohl nur die Do-It-Yourself-Option.

Sir Tape-a-Lot und der Grundsatz „Fake it till you make it“

Mir schwebt dabei ein Windschild vor, dass vor allem deutlich kürzer ist und gleichzeitig gut ins Gesamtbild passt. Da die Originalscheibe unten relativ breit wird, gar nicht so einfach. Grob orientiert habe ich dabei an den Scheiben der früheren G 650 GS und F 800 GS. Was dabei herauskommt, weiß ich im Moment selbst noch nicht. Für alle Fälle habe ich mir jedoch ein gebrauchtes Windschild besorgt, das sogar in besserem Zustand als mein altes ist. Das war trotzdem noch günstiger, als die kurzen Scheiben, die es noch fertig zu kaufen gibt.

„results may vary“ – Dank vier Wochen Praktikum als Clay-Modelleur habe ich auch das „Split-Model“ gelernt. Linke Hälfte: kurze Variante, rechte Hälfte: die etwas höhere Variante

Zum Schluss eine gute Nachricht

Nachdem ich schon mehrfach kurz davor war, Apple+ zu abonnieren habe ich mich umso mehr gefreut, dass „Long Way Up“ nun doch noch auf DVD erscheinen soll. Aktuell gibt es für das Vorbestellen leider erst eine Benachrichtigung per E-Mail. Das finde ich aber umso schöner, da diese Dauerstreamerei sicherlich viele Vorteile hat, was dabei aber fehlt, merkt man erst, wenn man mal wieder einen physischen Datenträger in der Hand hat. Das Schallplatte auflegen, Kassette umdrehen, Seite umblättern, CD einlegen, DVD 2 von 3 einlegen ist einfach etwas anderes, als nach zehn Sekunden Trailer von der Autoplay-Funktion überstimmt zu werden und im Dauerstream so lange bestrahlt zu werden, bis man sich in die Hose macht oder einschläft. Bei einer DVD bleibt man höchstens in der 20 sekündigen Dauerschleife des Hauptmenüs hängen. Aber (wie im ersten Beitrag): Vielleicht wird man so, wenn man älter wird. Ich freue mich jedenfalls auf die dritte Serie, mit der können die Erkältungen und kalten Wintertage dann auch noch etwas länger werden.

7 Gedanken zu “Logbuch # 2 / 2021

    • Servus Gerhard,

      danke für den Tipp, das Givi Airflow habe ich wie diverse Windschilder von MRA und Wunderlich schon mehrfach angeschaut. Mir ist ein stimmiger Gesamtlook jedoch auch wichtig, was für mich (!) keines der Tourenscheiben so richtig erfüllt. Und unterm Strich sitze ich eh lieber im (gleichmäßigen) Fahrtwind, auch weil ich selten über 140 fahre.

  1. Hey Ferdinand,
    also, du hast schoon deine Stammleser…so isses nicht. Ich finde du solltest dir selbst nicht so viel Druck machen. Und wie du schon selbst gesagt hast, ich zittiere: „Ich mach es eben so, wie es mir passt“. Erst recht brauchst du dich nicht mit den anderen Seiten vergleichen. ICh habe so eine Blogs gelesen aber keiner von denen hatte mich auf anhieb gepack wie deine Seite. Liebe deine Art zu schreiben und wie Du die Sachen erklärst. Meine bitte wäre, mach Dir kein Stress und vorallem stampfe die Seite bitte bitte nicht ein.
    Herzliche Grüße

    • Hi Metin,
      vielen Dank für die lieben Worte. So ein Kommentar ist so viel mehr wert, als 1000 anonyme „Daumen hoch“. Klar, so komplett für sich alleine macht man so etwas eben doch nicht, da mache ich mir eben manchmal zu viele Gedanken. Wollte mit dem Beitrag auch keine Komplimente abgreifen, aber diese persönlichen (auch mal negativen) Gedanken hinter der Webseite gehören für mich als „One-Man-Show“ eben auch dazu, genauso wie in meinen Reiseberichten. Um nicht jeden damit zu nerven, sind die „Logbuch“-Einträge aber auch bewusst eine eigene Kategorie. 😉

  2. „…Und eigentlich macht mir das immer noch Spaß….“
    Welchen anderen und besseren Grund sollte es geben, den Blog NICHT „einzustampfen“?
    Ausser, dass er mir persönlich sehr sehr fehlen würde….

  3. Servus Ferdinand,
    deine Seiten sind toll, weil du deine Gedanken, Zweifel und sonstigen Überlegungen sehr authentisch rüber bringst. Völlig „unaufgeregt“, sehr gut zu lesen, einfach eine „erliche“ Seite. Und wie alle anderen auch schreiben, bleib dabei, weil es a) dir gefällt, b) du es so schreibst wie DU willst und c) du eh nicht mehr willst. Und wir die Leser wollen auch nicht mehr, also schon mehr Geschichten usw aber keinen Stress und so Zeuchs, eben gemütlich. Also Urlaub machen und meherer Tagen oder Wochen nix Neues is auch OK. Is halt wie Weihnachten is au nur einmal im Jahr. Sonnige Grüße aus Niederbayern Rolo

    • Danke Rolo für die lieben Worte. Wenn alles klappt wie geplant gibt es dieses Jahr doch noch einen Reisebericht zum lesen… mal schauen wie es sich im Oktober ausgeht.

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