Ölwechsel (Getriebe und Endantrieb) an der R 1200 GS (2008/2009)

Bei den meisten Motorrädern wird das Getriebe auch vom Motoröl geschmiert, bei den luftgekühlten GS-Modellen sind Motor und Getriebe jedoch getrennt. Auch das Öl im Hinterradantrieb sollte regelmäßig gewechselt werden. Die Wechselintervalle sind länger als beim Motor, aber wie immer auch etwas Glaubenssache. Vorgeschrieben sind alle zwei Jahre oder 20 000 Kilometer (Endantrieb) bzw. zwei Jahre oder 40 000 Kilometer (Getriebe). Gerade beim statistisch etwas auffälligen Endantrieb der 12er GS wechseln manche sogar jährlich. Zum Glück ist das keine große Sache und eine 1-Liter-Flasche reicht genau für beides, daher ist ein gleichzeitiger Wechsel der Getriebeöle sinnvoll. Bitte beachten: Beschreibung für den Endabtrieb nur gültig für die luftgekühlte R 1200 GS von 2008 bis 2009 (MÜ), im Prinzip auch für spätere DOHC-Modelle (TÜ) von bis 2012. Bei den Modellen von 2004 bis 2007 sind noch keine Ablass- und Einfüllschrauben vorhanden, weshalb der Endantrieb abeklappt werden muss. Am Getriebeölwechsel hat sich von 2004 bis 2012 aber nichts geändert. Eine Zusammenfassung auf einer Seite (ohne Bilder!) gibt es hier zum Download.

#GS-Lifestyle. Nur echt mit dem dreifachen Ölwechsel

Das wird benötigt:

Genug Platz und Zeit
– Werkzeug (das Bordwerkzeug reicht dafür nicht, Drehmomentschlüssel empfohlen)
– Auffangbehälter, zusätzlich empfehle ich öldichte Einmalhandschuhe und einen Trichter
– Spritze, Schlauch oder einen Ölbehälter mit ausziehbarem Rüssel
– Messbecher
– 1 Liter Getriebeöl (API GL-5 [früher SAFXO] 75W90, häufig empfohlen wird auch 75W140)
– Für Getriebe: Kupferdichtringe 18x22x1,5 und 14x18x1,5
– Für Endantrieb: O-Ring 11,2×1,8 und Kupferdichtring 12x16x1,5

Vorbereitung

Auch Getriebeöl sollte „warm“ gewechselt werden, das Motorrad also kurz warmgefahren werden. Damit werden Verunreinigungen und Abrieb in der Schwebe gehalten und beim Ölwechsel mit herausgeschwemmt. Außerdem soll es schneller gehen. Da alle Schrauben gut zugänglich sind, gibt es sonst vorher wenig vorzubereiten. Es schadet aber nicht, das passende Werkzeug schon mal bereitzulegen und sich die Positionen der Schrauben anzusehen.

Getriebeöl

Um die Ablassschraube besser lösen zu können, sollte hierfür der praktische Hauptständer ausnahmsweise gegen einen Scherenheber o. ä. getauscht werden. Der Behälter sollte ca. einen Liter fassen können, eine große Eispackung passt z. B. ganz gut. Wichtig: Für das Einfüllen muss das Motorrad senk- und waagerecht stehen. Dann am besten schonmal die Positionen der Schrauben sichten und entsprechenden Behälter bereit legen. Ein Trichter empfiehlt sich zusätzlich, dann hält sich die Sauerei in Grenzen.

Los geht es mit der Einfüllschraube, die seitlich gut zugänglich ist. Danach an die Ablassschraube, für die eine Verlängerung der Ratsche hilfreich ist. Die Ablassschraube genau wie am Motor lösen. Während das Öl dann abläuft, können beide Schrauben gereinigt werden, insbesondere an der Ablassschraube hängt etwas Metallabrieb. Beide Schrauben freuen sich auch über neue Dichtringe aus Kupfer. Übrigens, es ist normal, dass das Getriebeöl etwas strenger riecht.

Der Trichter ist vor allem für die ersten Sekunden hilfreich und verhindert, dass sich Öl am Motorschutz sammelt und an Krümmer oder Hauptständeraufnahme spritzt. Danach einfach noch etwas weiter tröpfeln lassen.
Neue Dichtringe für Ablassschraube (links) und Einlassschraube (rechts)

Wenn nichts mehr herausläuft, Gewinde trocken wischen und die Ablassschraube wieder einsetzen. Sie wird mit 30 Nm angezogen. Das frische Öl wird am besten mit dem integrierten Rüssel der Ölflasche eingefüllt. Alternativ auch mit einer Spritze. Das Öl wird bis zur Öffnung aufgefüllt, so dass es schon fast wieder herausläuft, das entspricht ungefähr 700 ml. Nach BMW-Definition: „bis Unterkante Gewinde der Einfüllöffnung“. Eine Taschenlampe hilft dabei, diesen Punkt nicht zu verpassen. Danach abwischen, Schraube wieder einschrauben und ebenfalls mit 30 Nm anziehen. Fertig.

Sehr praktische Einfüllhilfe, die mittlerweile jeder Ölbehälter bieten sollte

Ölwechsel am Hinterradantrieb

Ich wiederhole nochmal, die folgenden Schritte gelten nur für GS ab Baujahr 2008. Ab Baujahr 2010 ist der Ablauf ähnlich, die Position der Einlassöffnung (und ggf. auch Drehmoment) wurde aber nochmal geändert. So oder so: Für diese Arbeit muss das Hinterrad abgebaut werden, worauf ich hier nicht näher eingehe. Jemand der sich einen Ölwechsel zutraut, sollte sowas schon gemacht haben. Falls nicht: das steht sogar im ansonsten recht spärlich gehaltenen Handbuch.

Hinterrad abbauen, macht dank Einarmschwinge immer wieder Spaß

Der Auffangbehälter wird dann einfach unter die Ablassöffnung gestellt, die Schraube verlangt nach einem fetten 45er Torx-Bit. Da hier nur 180 ml herauslaufen sollten, reicht auch ein kleiner Becher. Nach kurzer Zeit sollte alles herausgelaufen sein.

Das mitunter pannenanfälligste Teil der R 1200 GS und ein etwas übertriebener Auffangbehälter

Die Ablassschraube wird ebenfalls gereinigt und hat das sogar nötiger als die im Getriebe. Sollten hier größere Teilchen oder sonstige Auffälligkeiten auftauchen, sollte man das Spiel am Hinterrad nochmal kontrollieren und ggf. den Endantrieb überholen lassen. Keine Panik, viele GS fahren seit über 100 000 Kilometer völlig unauffällig, manch einer hat bis dahin aber schon ein oder zwei Überholungen durch… es schadet also nicht, ein Auge auf diese Baugruppe zu haben. Danach wird ein neuer O-Ring übergestülpt, die Schraube wieder angeschraubt und mit 20 Nm festgezogen. Jetzt können schon die frischen 180 ml abgemessen werden. In alten Dokumenten findet ihr vielleicht noch 230, 240 oder 250 ml als Angabe, die Vorgabe wurde (genau wie die Maßgabe „Lifetime-Füllung) von BMW jedoch schnell geändert, so dass auch für frühe Modelle 180 ml gelten. Wer eine passende Spritze hat, kann das Öl aus dem Messbecher aufziehen, ich habe die Menge einfach in die (ohnehin leere) Ölflasche zurückgefüllt, da diese keine Skala hatte und diese ggf. auch zu ungenau wäre.

180 Milliliter – nicht mehr, nicht weniger

Ohne Hinterrad wird hoffentlich schnell ersichtlich, wo das frische Öl eingefüllt wird. Falls die Schraube nicht zu sehen ist, einfach an der Bremsscheibe drehen. Auch diese Schraube kann etwas fester sitzen, aber keine Panik, hier tropft nichts raus. Einfach entfernen, reinigen und ebenfalls mit neuem Kupferdichtring versehen und kurz zur Seite legen.

Hier wird das frische Öl eingefüllt – zumindest bei den MÜ-Modellen (2008/2009)

Dann mit der Spritze oder, wie in diesem Fall, dem zugeschnittenem Schlauch der Ölflasche einfüllen. Die Schläuche sind für die Öffnung fast zu dick, daher verwende ich mittlerweile ein Ölkännchen mit dünnerer Stahlspitze. Weil ich dann besser sehe, wo es landet gibt mir das (in Verbindung mit einer Taschenlampe) ein wesentlich besseres Gefühl. Egal wie, etwas Öl kann trotzdem danebenlaufen, daher am besten ein Tuch unter die Einfüllöffnung stecken. Danach wieder Schraube einsetzen, einschrauben und ebenfalls mit 20 Nm festziehen. Gerade in diesem Bereich penibel mit Bremsenreiniger nachwischen, falls z. B. Öl auf die Bremsscheibe getropft ist.

Der Schlauch oder die Spritze sollten dünn genug sein, um in die Öffnung zu passen

Nacharbeiten

Sofern noch nicht geschehen, alle Öffnungen ölfrei reinigen und die Schrauben mit korrektem Drehmoment anziehen. Beim Getriebe jeweils mit 30 Nm, am Endantrieb je 20 Nm. Optional für ein gutes Gefühl noch mit einem farbigen Edding Markierungen anbringen. Danach kann das Hinterrad wieder montiert werden. Der Vollständigkeit halber: Schrauben über Kreuz anziehen und mit 60 Nm festziehen. Auch dort bringe ich immer Markierungen an. Eine Ölstandskontrolle wie beim Motor entfällt in diesen Fällen logischerweise, dennoch werfe ich bei den nächsten Fahrten nochmal ein Blick auf alle Schrauben.

Ein Kardan ist eben auch nicht wartungsfrei – aber jetzt wieder bereit für zwei Jahre oder 20 000 Kilometer…

Alle Angaben nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr. Ein gewisses Grundwissen und entsprechendes, fahrzeugspezifisches Werkzeug (insbesondere Torx) werden vorausgesetzt. Für Wartungsarbeiten empfehle ich grundsätzlich auch die entsprechende BMW-Wartungs-DVD oder eine modellspezifische Reparaturanleitung.

2 Gedanken zu “Ölwechsel (Getriebe und Endantrieb) an der R 1200 GS (2008/2009)

  1. Einfuellschraube des Endantrieb 2010 zu fest vom Freundlichen angezogen u nun beim Versuch auszudrehen von mir ,,vermurkst,,!
    Ein Tipp wie ich diese Schraube jetzt heraus kriege.?
    Danke

    • Leider nicht, da gibt es in Youtube und in jeder Suchmaschine sicherlich kompetentere Hilfe. 😉 Mir ist das bisher nur einmal passiert (weiß nicht einmal mehr, welches Motorrad das war). Da ging es mit dem reinsägen zweier Schlitze, die dann mit einem Schlitz- oder Kreuzschraubenzieher wieder anzupacken waren. Könnte bei der Position der Einfüllschraube am Endantrieb aber schwierig werden… bei allen weiteren Stufen (aufsägen etc.) möchte ich mich jetzt aber nicht zuweit aus dem Fenster lehnen und würde je nach verfügbarem Werkzeug ggf. auch bei einer Werkstatt nachfragen.

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