Logbuch # 2 / 2020

Luxusproblem Nr. 423

Sorgen um die Jobsicherheit? Unzufriedenheit mit der kleinen Wohnung in Stuttgart-Mitte? Zweifel am gesunden Menschenverstand? Bedenken ob der generell schwer planbaren Zukunft mit einem zeitlichen Horizont von 1,5 Jahren? Ja, auch. Aber was mich im Moment wirklich umtreibt, ist weitaus belangloser. Und das kam so:

Jeder Gebrauchtkauf für MOTORRAD oder neuerdings auch RIDE birgt eine gewisse Gefahr, mit der ein Jungredakteur sicherlich erstmal umgehen lernen muss. Klar, bei vielen Motorrädern besteht dazu kein Anlass. Vor anderem schützt einen ja die Arbeitssicherheit, z.B. im Archiv vom Regal erschlagen werden. Der höhenverstellbare Schreibtisch bewahrt mich vor Rückenschmerzen. Gefährlich wird es aber dann, wenn als zu behandelndes Modell keine Honda CBF 1000 F im Heftplan steht, sondern eine KTM 1190 Adventure R. Und selbst bei der Honda habe ich mich kürzlich in Frankreich erwischt, wie ich mich nochmal nach einer umgedreht habe und gedacht habe: So schlecht sieht die in natura ja gar nicht aus. Viele Motorräder kenne ich mittlerweile ja vom sehen, aber beim Bilder heraussuchen und in alten Berichten blättern oder scrollen, da kann schon mal ein Funke überspringen. Beim obligatorischen Preischeck auf Gebrauchtplattformen passiert es dann. Das Motorrad rutscht in vermeintlich erreichbare Sphären.

1090 Adventure, ähnlich wie die 1190 schlank, hoch und mit mächtigem V2 gesegnet

Die Schwärmerei für die 1190 war trotzdem relativ schnell kuriert, eine Erklärung wie sie entstehen konnte, lag auch in meiner früheren Begeisterung für die 1090 Adventure. Beide gefallen mir noch heute ausgesprochen gut und deutlich besser als die späteren 1290er Modelle mit ihren ausgeprägten Frontansichten. Der Orange Crush traf mich jedoch erneut und besonders heimtückisch.

Hello Sexy (die KTM, nicht ich)

Durch das gelegentliche Surfen auf der KTM Homepage bin ich wieder auf die 790 Adventure R (das R ist wichtig) gekommen, von der ich schon viele Fahrberichte gelesen und sie oft mit der Ténéré 700 verglichen habe. Ich konnte sie vor einem Jahr auch einmal kurz fahren, habe aber nicht wirklich was draus gemacht. Das Motorrad sollte schließlich von der Fotoproduktion zurück in den MPS-Hangar. So richtig angemacht hat sie mich damals nicht, und ich konnte nicht sagen, woran es liegt. Wahrscheinlich auch am Stuttgarter Verkehr. Genauso wenig kann ich sagen, warum ich mich jetzt wieder über sie informiere. Eigentlich weiß ich doch schon alles. Außer natürlich das, was über eine Probefahrt hinausgeht. So sehr ich die Yamaha (Ténéré) mag und sie dafür schätze, dass sie genau zwischen Allround-Einzylinder und schwere Reise-Enduro sitzt: Die KTM tut das auch, aber sie hat mich in ihrer Gewalt. Nicht trotz, sondern wegen ihrer gewöhnungsbedürftigen Optik.

Wir waren in der Fotobox, aber ein zweites Date gab es (noch) nicht

Das Problem liegt wie so oft und erstaunlicherweise genug nicht im leisten können sondern im leisten wollen. Denn grob überschlagen und optimistisch gesehen würde ich schon ungefähr auf 12 000 bis 13 000 Euro kommen, wenn ich meine beide Motorräder verkaufen würde. Ich hänge aber zu sehr an ihnen, auch wenn die KTM so ziemlich die perfekte Mitte zwischen beiden darstellt:

799 cm³ mit 95 PS (652 cm³ mit 53 PS / 1170 cm³ mit 105 PS)
Kompakter Reihenzweizylinder (Einzylinder / Zweizylinder-Boxer)
215 kg vollgetankt (165 kg / 248 kg)
20 Liter, bis zu 450 Kilometer (9,5 l und 250 km / 20 l und 400 km)
240 Millimeter Federwege (270 mm / 190 mm bzw. 200 mm)

Auch was die Geländefähigkeiten und – oft wichtiger – die Tourentauglichkeit auf der Straße angeht, dürfte die KTM einen sehr guten Kompromiss bieten. Dazu kommen natürlich noch Annehmlichkeiten wie Kurven-ABS, Wartungsintervalle von 15 000 Kilometern und einfach ein modernes Motorrad, bei dem man erstmal keine Probleme mit Ersatzteilen oder altersbedingten Macken bekommt. Fairerweise könnte es dafür andere, bisher unbekannte Problemstellen geben.

Mit der GS auf Erkundung im Schwarzwald

Als ich dann letztens, kurz vor Mitternacht, von München nach Freising gefahren bin, gab mir die A9 etwas Zeit zum nachdenken. Es war schon Ende September und bei Temperaturen um die 11 Grad freute ich mich über die Heizgriffe. Über den Boxer sowieso, wie bei jeder Fahrt. Die GS ist einfach unkompliziert, zuverlässig, funktioniert, fährt super, und es wird sicherlich noch dauern, bis ich fahrdynamische Grenzen auslote. Ebenso liebe ich die Leichtigkeit der Xchallenge, genauso wie das Reisen mit ihr großen Spaß gemacht hat. Es ist klar, dass ich die Mopeds nicht verkaufen werde. Trotzdem erlaube ich mir ab und zu ein paar Minuten der Schwärmerei, ein paar Minuten um Fragen in Adventure-Foren zu finden, deren Antworten ich schon vorher kenne. Vielleicht sollte ich einfach mal eine Gebrauchtberatung zur GS oder G650 schreiben? Ende. Offen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s