Nach A. und via I. zurück – Tag 14

  • Abschnitt: Delfi – Agrinio
  • Strecke: 160 Kilometer
  • Fahrzeit: 09:30 bis 13:00 Uhr
  • Motto / Idee des Tages: Ich mag Griechenland, aber nur als Freund.
  • Lied des Tages: Fleetwood Mac – The Chain

Gestern Abend hatte ich mein erstes richtig griechisches Abendessen, unter anderem mit Tzatziki-Vorspeise und einem schönen Ausblick, den auch mein Balkon und fast jede Bar auf dieser Seite der Straße zu bieten hat, man sieht runter bis Itea und den Golf von Korinth.

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Golf von Korinth

Nach erneut schmalem Frühstück und ein paar Verwirrungen beim Bezahlen kann ich bereits um halb 10 wieder aufsatteln. Davor habe ich nochmal Luftdruck, Öl, Kühlflüssigkeit und die Kette gecheckt. Alles fühlt sich sehr nach endgültiger Abreise an, obwohl ich noch eine Übernachtung und einen halben Tag Anreise bis zur Fähre habe. Mein Eindruck von Griechenland bleibt diffus, irgendwie hat es mir sehr gut gefallen, aber gleichzeitig könnte ich jetzt nicht sagen, ein neues Lieblingsreiseland entdeckt zu haben. Das ist allerdings sehr unfair, da ich es mehr oder weniger bewusst mit Italien vergleiche. Sehr unfair eigentlich, denn ich kann kein Griechisch, es liegt nicht um die Ecke und ich habe keine jahrelange emotionale Verbundenheit mit dem Land. Aber wie bei vielen Sachen in diesem Urlaub mache ich mir vielleicht auch einfach zu viele Gedanken, anstatt es einfach zu genießen.

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Go!!!!!!!!!

Delfi werde ich trotzdem in sehr guter Erinnerung behalten, für seine sehenswerten Ruinen, den Touri-Bergdorfflair mit billigen Souvenirs und einer unglaublichen Anzahl an Hotels, Bars und Restaurants, die fast alle an zwei Straßen aneinander gereiht existieren. Die Preise waren aber trotzdem so niedrig, wie fast überall bis jetzt in Griechenland.

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Delfoi, Delfi, Delphi

Kurz nach dem Start bahnt sich schon ein Carrerabahn-ähnliches Kurvenkarussel an, das mich Richtung Küste bringt. Dank unglaublich weiter, glatt geteerter Kehren zielt das kurveninnere Knie schon Richtung Boden und ich wünsche mir kurz sogar ein straßenmäßigeres Motorrad, es macht aber auch so viel Spaß. Wie gesagt, mit einer Enduro bist immer gut angezogen.

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Auch der Weg nach Delfi ist schön, außer man sitzt auf dem Rücksitz

Ich hatte an diese große Straße nicht viele Erwartungen, doch der Weg führt erst durch das von Delfi gut sichtbare Itea und dann direkt am tiefblauen Meer entlang. Kurz lege ich einen Orientierungshalt ein, damit ich weiß, wo ich ungefähr landeinwärts abbiege. Ich peile mal die Stadt Thermo an. Ich hatte mir schon Witze mit dem Thermomix überlegt, mir wollte aber nichts einfallen. In der Ferne sehe ich schon die Brücke (Rion-Antirion), die diesen Landesteil mit der Peloponnes verbindet. Ich meine mich zu erinnern, sie von der Fähre aus gesehen zu haben. Kurz denke ich an die übermüdete Ankunft vor einer Woche.

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Das Kraftrad möchte auch in den Schatten

Da die Abzweigung nach Thermo ausgeschildert ist, folge ich einer Straße in die Berge, die immer schlechter wird. Links und rechts zugewuchert, in der Mitte oft tiefe Schlaglöcher, enge Kehren mit Sand und Schotter am Straßenrand. Wenn hier nicht ein paar Autos entgegenkommen würden, hätte ich gedacht, mich verfahren zu haben. Ich bin aber auf Kurs und tanke, bevor es wieder wilder wird. Zwischendurch taucht auch noch eine abenteuerliche Brücke auf. Sie sieht zumindest heruntergekommen genug für ein paar Fotos aus.

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Zweckmäßige Brücke über ein recht ausgetrocknetes Flusstal

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In der ersten, etwas größeren Siedlung Kato Markinou sieht man außerdem schon den Stausee, den ich nun am Süd- oder am Nordufer passieren kann. Es ist zwar erst Mittag und ursprünglich wollte ich nördlich auf der 38 nach Agrinio fahren, aber in der Hitze freue ich mich über den überraschend kurzen Fahrtag. In bewährter Art und Weise fahre ich an unzähligen Straßencafés vorbei, obwohl ich eigentlich Lust auf einen Kaffee (heiß oder kalt) hätte. Eigentlich wollte ich auch noch ein paar Sachen für die Überfahrt kaufen, bis mir klar wird, dass Sonntag ist und die Supermärkte hier am Sonntag auch zu sind. Ich checke im Agrinio Imperial ein, dessen noble Inneneinrichtung stark in Kontrast zum Gewerbegebiet steht, in dem es sich befindet. Mein Motorrad kann ich in der Tiefgarage parken, wo ich nochmal die Kette schmiere und die Sachen so packe, wie ich sie auf der Fähre brauche. Vor lauter Fahrerei wird mir nicht bewusst, dass ich noch nie so lange mit dem Motorrad unterwegs war und noch eine gute Woche unterwegs sein werde. Der Urlaub kommt mir trotzdem schon jetzt wie drei Urlaube vor, was ja streng genommen auch zutrifft. Morgen kann ich mir viel Zeit für Frühstück und Einkaufen lassen, ich sollte gegen 18 Uhr am Hafen sein. Ich bin nun wesentlich entspannter, da ich das Prozedere schon kenne und außerdem weiß, wie ich am wenigsten schlecht schlafen kann.

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