Nach A. und via I. zurück – Tag 12 und 13

  • Abschnitt: Lavrion – Delfi
  • Strecke: 230 Kilometer
  • Fahrzeit: 09:30 bis 14:00 Uhr
  • Motto / Idee des Tages: Ich habe meinen Poser-Komplex besiegt.
  • Lied des Tages: Paul Kalkbrenner – Aaron

Der spontan drangehängte Tag beginnt streng genommen in der Nacht, die so warm und stickig ist, dass ich gegen 2 nochmal durchlüften will. Ich bin wachsamer als sonst, denn am Abend habe ich zum ersten Mal seit der Kindheit eine Kakerlake gesehen und sie trotz aller Tierliebe plattgemacht. Ich schaffe es trotzdem eine Wanduhr von der Wand zu streifen, als ich nach dem Lichtschalter taste. In der Früh kehre ich die Scherben zusammen und räume meine verstreuten Sachen zusammen, nur um dann gegen halb 11 in ein höchstens zwei Kilometer entferntes Hotel einzuchecken und die Sachen wieder vom Motorrad zu packen. Der sehr nette und aufmerksame Besitzer muss zu den fünf freundlichsten Hotelbesitzern in Griechenland gehören, da bin ich mir sicher. Vom Ums-Eck-Balkon des Zimmers habe ich sogar mein Motorrad im Blick, das ich direkt vor die 24-Stunden-Rezeption stellen darf. Der Rest ist Durchschnitt, aber ok.

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Premium Parkplatz mal wieder

Die Mittagszeit verbringe ich mit Lesen, für alles andere ist es viel zu heiß. In einem Copyshop lasse ich mir später noch das Fährticket und den obligatorischen Corona-Fragebogen ausdrucken. Am Abend gehen wir dann ein letztes Mal an den Strand, was dank Taucherbrille nochmal mehr Spaß macht als sonst. Wir machen ein paar Unterwasserfotos mit meiner Outdoorkamera, die ich wegen ihres Weitwinkels sonst vor allem benutze, um Fotos direkt von der Sitzbank aus zu machen.

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Die Kamera kann auch Unterwasser

Nach einem überschaubaren Frühstück packe ich mir noch Reste vom gestern gekauften Brot und Hummus ein, um eine kleine Mittagspause machen zu können. Ich verabschiede mich von meiner Frau, die dafür einen Tagesauflug auf die Insel Kea macht. Kurze Zeit später werden die Taschen schon wieder gepackt und mein Motorrad von einem amerikanischen Jungen gebührend bewundert, seine erwachsene Begleitung reagiert jedoch nicht wirklich auf das „Wow, look at the mow-dercycle.“ Ich fahre nochmal durch Lavrion, dass ich mittlerweile schon ein bisschen kennen und schätzen gelernt habe. Nach einer geschätzten halben Stunde bin ich schon wieder im Großraum Athen, es ist aber durch weniger Verkehr etwas erträglicher als letztes Mal. Ich biege ab Richtung Korinth und später Richtung Thiva. Die Hitze lässt mit der Höhe etwas nach und ich mache eine kurze Pause, um besagte Hummus-Reste auszulöffeln. Nach ein paar weiteren Kurven und Desktop-Wallpaper-tauglichen Ausblicken wird es wieder gerade und flach. Ich halte hintereinander an fünf Tankstellen, die allesamt außer Betrieb genommen wurden. An der nächsten klappt es dann, bald wird es wieder bergiger und mein heutiges Ziel Delfi steht schon auf den Schildern. Dass es dort nochmal etwas mehr zu sehen gibt, als sonst, wusste ich auch nicht. Eigentlich fahre ich in Griechenland ständig an Schildern vorbei, die auf Ruinen oder anderes aus der Antike deuten, aber das antike Delphi (mit ph) ist offensichtlich noch etwas sehenswürdiger.

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Kurz vor Delfi: Arachova

Kurz vor Delfi fahre ich noch durch Arachova, ein herausgeputzter und hübscher Ort, der sich deutlich von dem abhebt, das ich bis jetzt so gesehen habe. Die kleine Hauptstraße ist gefüllt mit schönen Cafés, Geschäften und hübsch hergerichteten Häusern. Delfi selbst kommt kurze Zeit später, auf dem Weg dahin fahre ich schon am Museum und seinen Außenanlagen vorbei. Nachdem ich mein Motorrad nochmal kurz ein paar Meter schiebend umparke, fällt es mir fast um, weil ich den Seitenständer nicht ausgeklappt habe. Ich kann es gerade noch halten und wieder aufrichten. Nach der Eincheck-Routine ziehe ich mich um und laufe zurück Richtung Museum.

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Der größte Teil der Freiluftausstellung

Da ich meine Maske im Hotel vergessen habe, darf ich nur das Außengelände besuchen. Ich schätze, dass hier sowieso spannendere Sachen zu sehen sind. Da alles am Hang liegt, ist es ganz schön schweißtreibend, bis ich am Stadion angekommen bin. Das gehört auch zu den Ruinen, die am anschaulichsten erhalten geblieben sind. Bei allen anderen Überresten gilt das leider nur bedingt.

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Nicht schlecht für das Alter

Die anderen Gelände liegen noch etwas weiter die Straße runter, das Gymnasium ist jedoch gesperrt und ist sich nur von der Straße aus sichtbar. Den dritten Teil der Ausstellung spare ich mir, da man das Wesentliche schon vom Eingang aus sieht und ich langsam echt durch bin. Ich mache nur ein Foto und drehe um.

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Athena-Tempel

Auf dem Rückweg hole ich mir noch ein Wasser aus dem Automaten und laufe zurück durch das neue Delfi, entdecke ein paar einladende Restaurants, ein paar Schwalbennester und Roller, bei denen der Schaumstoff der Sitzbank so verschlissen ist, dass der Fahrer quasi auf dem Plastik sitzen muss. Ich werde nachher noch ein Hotel Richtung Agrinio buchen, morgen versuche ich wieder ein paar kleinere Bergstraßen einzubauen. Außerdem möchte ich zur Abwechslung mal wieder nur mit Karte navigieren. Von Agrinio aus sind es dann etwas über zwei Stunden bis Igoumenitsa, wo ich am Abend wieder auf eine Fähre rolle. Die Olympic Champion hat sogar ein Schwimmbad zu bieten, das ich aber bestimmt genauso wenig nutzen werde wie die Slot Machines. Ich habe irgendwie das Gefühl, nicht wirklich viel von Griechenland gesehen zu haben. Andererseits habe ich durch den Besuch in Lavrion viel Alltägliches erlebt und dadurch vielleicht mehr mitbekommen, als bei einer Tour, die auf der Landkarte länger und beeindruckender aussieht.

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Ja, ich war wirklich da

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