Nach A. und (i) zurück – Tag 6

  • Abschnitt: Penne – San Severo
  • Strecke: ca. 200 Kilometer
  • Fahrzeit: 09:30 bis 14:15 Uhr
  • Motto / Idee des Tages: Zu weit gefahren um jetzt umzudrehen
  • Lied des Tages: The Boxer Rebellion – Semi-Automatic

Nachdem ich mich in Unterkunft recht wohl gefühlt habe und mir den Frust halbwegs aus der Seele geschrieben habe, ging es mir schon wieder besser. Im „Tatobbe“ bestellte ich mir alles worauf ich Lust hatte und kam trotzdem auf eine übersichtliche Rechnung. Zwar esse ich nicht gerne alleine, aber ich habe sowieso keine Wahl und außerdem genieße ich das Essen dann oft bewusster, neben den Gedanken dass es all diese guten Sachen (Rotwein, Bruschetta, Salat und Pizza) wahrscheinlich schon vor 2000 Jahren gab. Das liebe ich an Italien, im Großen wie im Kleinen. Die Bars, das süße Frühstück, das orangene Absperrband der Baustellen, das gute Essen, freundliche Menschen (wenn ich in die Gelegenheit komme) und die Städte, die oft ebenfalls aussehen, als würden sie schon seit 2000 Jahren stehen. Oder wenigstens seit 300. Nach Essen und Philosophieren laufe ich noch alibimäßig durch ein paar Gassen und mache ein paar Fotos, und auch wenn es bestimmt viel zu sehen gab, wollte ich im Prinzip möglichst bald ins Bett.

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Nach dem belebten Marktplatz wurde es stimmungsvoll, aber etwa duster

Meine Sachen waren natürlich noch nicht trocken, zumindest nicht die, auf die es ankam: Stiefel und Handschuhe. Wichtiger war aber, endlich den Einreisefragebogen für Griechenland zu erledigen. Das Ergebnis und die Information, ob man auf Corona getestet wird, erfährt man bei der Einreise. Ich bin mal gespannt. Auf dem Balkan, bzw. der entscheidenden Schranke in Montenegro gibt es derweil nichts Neues. So abenteuerlich das sein mag, wenn sich das nicht ändert (und vielleicht sogar wenn), dann nehme ich die Fähre zurück nach Italien. Ich habe mich vorerst damit abgefunden nicht besonders gut im Alleine-Reisen zu sein, weswegen ich mir mit dem Balkan nichts beweisen muss. Aber wer weiß, vielleicht seh ich das nach Griechenland ja auch wieder ganz anders.

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Von Abruzzen habe ich in diesem Urlaub nicht viel gesehen

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, kam mir eine Idee, wie ich zumindest ohne nasse Socken weiterfahren könnte. Denn an Masken und Einmalhandschuhen mangelte es im B&B nicht. Statt der feuchten Handschuhe wollte ich einfach die dünnen Enduro-Handschuhe überziehen, nahm dann aber doch die 2-in-1-Handschuhe. Die wasserdichte Kammer war namlich trocken, der Rest konnte dann (wie die Stiefel) im Fahrtwind trocknen.

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if it works, it ain’t stupid II

Beim Beladen und Luftdruck prüfen ließ ich mir Zeit, denn in der Früh war es zwar nicht so sommerlich wie die letzten Tage, aber es war sonnig und warm. Kurz vor dem Motorrad auf die Straße bugsieren fing es an zu tröpfeln. Ich nahm das so hin und packte die gerade verstauten Regensachen mit verhältnismäßig wenig Frust aus. Ich ließ mich vom Google Navi aus Penne herausführen und stellte erstant fest, dass bereits Samstag war, was mit viel Verkehr und Marktständen einherging. Es regnete nicht mehr, ich ließ die Sachen aber an, auch als es langsam wärmer wurde und ich mich zwischen all den Olivenbäumen und einer Straßensperre verfuhr. Bei rund 190 Kilometern leuchtete das Reservelämpchen auf, was ich nach guten zehn Kilometern schnell beheben konnte. Die Tankstellenbar hatte auch geöffnet, machte auf mich aber keinen besonders einladenden Eindruck. Ich fühlte mich wieder wie ein Astronaut. So blieb mir nur mein Raumschiff zu besteigen und weiterfahren. Da ich dem guten Wetter nicht trauen wollte und sich am Horizont permanent dunkle Wolken zwischen die weißen mischten, blieb ich beim Plan, erstmal Kilometer zu machen und kurz vor Foggia auf Landstraßen auszuweichen. In Pescara durchkreuzte ich rund 25 Kreisel, bei denen die Google-Ansage nicht hilfreich war. Nach der Ausfahrt wurde mir jedes Mal noch der Straßenname dazu gesagt, der weder angeschrieben noch brauchbar ausgesprochen wurde.

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Wetter und Stimmung: durchwachsen, aber deutlich besser als gestern!

Auf der Küstenstraße SS16 angekommen, wurde es etwas entspannter und im positiven Sinne langweilig. Durch die unmittelbare Nähe zum Meer und eine Straßenführung mit ein paar netten Kurven und schönen Küstendörfern war die Adriatica sogar unerwartet schön. Für so eine Straße zumindest. Dabei bin ich auch wieder an zwei oder drei Kaffee-Bars vorbeigefahren, bei denen ich bestimmt gerne gehalten und etwas gegessen hätte, wenn ich nicht alleine gewesen wäre. So blieb es bei einer Banane, einem süßen Teilchen vom Frühstück und warmen Mineralwasser.

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Von der SS16 sind es oft nur wenige Meter bis zum Strand

Ich fahre durch Touri-Orte mit Hotelbunkern links und rechts der Straße, die gefühlt auch immer schlechter wird. Trotzdem bin ich jedes Mal aufgeregt, wenn ich Richtung FOGGIA abbiege und werde traurig, wenn die Autobahn in die andere Richtung mit ANCONA angeschrieben steht. Ich glaube noch trocken davon zu kommen, fahre dann aber doch unter einer dunklen Wolke durch, die aber wie erhofft nach fünf Minuten und nur wenig Regentropfen überstanden ist. Ich konsultiere meine viel zu große Italienkarte und biege Richtung Chieuti ab, was mir zumindest noch ein paar Kilometer Landstraße beschert. Erst hier merke ich, dass sich die Landschaft deutlich verändert hat, flacher, weiter, trockener.

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Zwischen Serracapriola und San Paolo di Civitate

Ich will noch einmal volltanken, damit ich morgen nicht tanken muss, lande aber bei einer Tankstelle, deren Tankautomat so aussieht, als sei er einer der ersten seiner Art. Mit einem Fünfer kann ich nicht ganz volltanken, es sollte aber bis Bari reichen. Und wenn nicht, bin ich selbst mit Tasche-losbinden-und-anheben nicht länger als zehn Minuten beschäftigt. Ich hatte mit mehr Zeit gerechnet, rolle kurz darauf schon nach San Severo, die letzten Meter fahre ich durch ein blockartiges Labyrinth aus Einbahnstraßen. Mittendrin und als offensichtlicher Neubau unschwer zu verfehlen: Der Palazzo Ducale.

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Die Straße Richtung Unendlichkeit

Ich freue mich über einen Obstkorb, ein sauberes Zimmer und die Möglichkeit, nochmal Wäsche zu waschen. Frühstück bekomme ich sogar aufs Zimmer gebracht. Mein treuer Reisebegleiter freut sich wieder über eine Garage. Dass ich so früh angekommen bin, überrascht mich zwar, entspannt mich aber unheimlich. Morgen sollte ich schon um halb 12 am Hafen sein, weshalb ich in der Früh nicht mehr packen und Route planen möchte. Wobei Routenplanung in diesem Fall vermutlich obsolet ist, da ich auf schnellstem Wege nach Bari fahre. Ich werde das Stadt erkunden daher vor dem Abendessen erledigen. In meinem Gepäckwirrwarr habe ich nun getestet, die Satteltaschen wie ursprünglich geplant am Motorrad zu lassen. Ich habe mir daher nur das herausgenommen, was ich brauche. Das war zum Glück so wenig, dass alles in den Rucksack gepasst hat. Damit spare ich mir morgen noch mehr Zeit und werde das auf der Fähre wohl genauso machen. Damit geht der Urlaub jetzt eigentlich erst so richtig los.

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