Logbuch # 1 / 2020

Abstand – Corona machts möglich

Kurz vor den ersten Ausgangsbeschränkungen hatte ich noch überlegt, auch einen Corona-Blog zu machen. Das tägliche Beobachten der Fallzahlen, das Abwarten der Pressekonferenzen und das allabendliche Streamen der Tagesschau. Kein anderes Thema mehr, und gleichzeitig fand es jeder spannend, weil auf einmal alles anders war. Naja, Mitte Mai hat sich das meiste ja doch wieder beruhigt, zumindest bei mir. Das liegt aber auch daran, dass ich nicht spürbar betroffen bin, weder wirtschaftlich (oder?) noch sonst wie. Ich würde fast soweit gehen, dass ich für mich persönlich (das muss man wohl immer dazu sagen) der Krise viel abgewinnen konnte. Dazu zählen nicht nur Sachen wie Aufräumen, Ausmisten und in Rekordzeit die Steuererklärung fertig gemacht zu haben. Obwohl sich bei mir eigentlich nicht viel geändert hat (ok, ich habe geheiratet), haben sich durch die Corona-Zeit vor allem meine digitalen Gewohnheiten verändert:

  • Zum Beispiel die erneute Feststellung, dass Instagram für mich nix ist. Der Vorwurf an mich selbst, dass mein Blog ja zu ähnlichen Zwecken der Selbstdarstellung dient, sehe ich aufgrund der unterschiedlichen Zugangsarten nur teilweise (Webseite vs. ICH-SPRING-DIR-MIT-MEINEM-NEUESTEN-THROWBACK-THURSDAY-INS-GESICHT). Nach ungefähr zwei Wochen vermisse ich daran nichts und freue mich über die gewonnene Zeit…
  • Facebook ist seit längerem ein Löschkandidat, durch Mitgliedschaft in G650X und Trans-Euro-Trail Gruppen zögere ich noch etwas. Aber auch hier… ich bin sicherlich mehrfach täglich drin, scrolle durch die Gegend, lese unmögliche Kommentare, bei denen man nur allzu gerne daran glaubt, dass sie von Fake-Accounts geschrieben wurden. Gleichzeitig versteht man sehr gut, wie manche Leute in eine Filterblase gelangen können und sich das Weltbild evtl. verschiebt…
  • Apropos, ich blicke auch mit etwas anderen Augen und Abstand auf die (großen) Motorradforen. Und umso mehr ich lese, umso wurschtiger werden mir Diskussionen um das beste Motorrad, den besten Reifen, dass Elektromotorräder eh scheiße sind, blablabla.
  • Zum Abschluss etwas Positives: Wir machen nun seit zwei Monaten fast jeden Tag Yoga, was unglaublich gut tut. Bei wem es jetzt schon wieder zuckt: Es kommt darauf an, ist aber fast immer schweißtreibend. Einfach mal ausprobieren.

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Feedback

Ein Thema, das mich schon lange und immer wieder beschäftigt. Mit Kritik umgehen ist so eine Sache. Jeder, der irgendeine Art von geistiger Arbeit abliefert, wünscht sich das. Ok, manche sind vielleicht auch mit einem Like zufrieden oder sind froh, wenn Leute ein „Abo da lassen“. Aha. Es gehört jedenfalls zum guten Ton, Feedback einzufordern. Und so sehr man sich über positive Nachrichten freut, muss man sich vor allem daran gewöhnen, kein Feedback zu hören. So wie „nicht geschimpft“ eben seit Jahrhunderten „genug gelobt“ sein soll. So weit, so gut. Wesentlich schwieriger wird es dann schon bei negativer Kritik. Klar, wer Lob haben will, muss auch einstecken können. Negative Kommentare sind für mich ein wesentlicher Grund, warum ich mich seit jeher in Foren zurückhalte und auch die Veröffentlichung vieler Beiträge hier genau abwäge. Obwohl niemand gezwungen ist, sie zu lesen. Oder gar dafür zu zahlen. Ja, um die Hosen runterzulassen, ich habe kein dickes Fell was das angeht. Dabei halte ich mich nicht
gerade für beratungsresistent.

Das große Problem liegt dabei für mich im Medium Internet, genauer gesagt, in der Anonymität. Und nichtmal das, auch unter Bekannten werden sowohl Sender als auch Empfänger oft anders als gedacht interpretiert, arroganter, besserwisserischer oder wie auch immer. Dabei war alles ja ganz anders gemeint. Eine neue Dimension erreicht das Thema für mich erst, seit ich bei MOTORRAD schreibe und den Podcast betreue. Leserpost, so negativ sie auch sein mag, hat immerhin einen halbwegs klaren Absender und einen klaren Empfänger. Seitdem wir den Podcast machen, bin ich ebenso neugierig auf jede Art von Rückmeldung. Mit bald sieben Folgen gab es auch schon ein paar Mails, die allesamt positiv waren. „Sympathisch, freue mich schon auf die nächste Folge, toll dass es jetzt sowas gibt“ etc. Nach einer Google-Suche stieß ich dann letztens auf einen ersten negativen Kommentar, der mich ungefähr drei Tage lang beschäftigt hat. Weil die „Jungangestellten“ oder „Praktikanten“ da so reden, als ob sie seit Jahren dabei wären. „Unglaublich unprofessioneller Quatsch“, „zum Fremdschämen“. Das tut weh. Gerade dann, wenn man sich an etwas Neuem versucht und das Gefühl hat, garnicht so rüberkommen zu können,  wie das dann aber wohl gesehen wurde. Jetzt, mit etwas Abstand, sehe ich das schon entspannter. Und damit hier auch kein Missverständnis entsteht: Ich will keinem den Mund verbieten, ich will auch nicht verlangen, Feedback NUR an uns zu schicken, damit wir wenigstens drauf reagieren können. Aber einen Kommentar zum Kommentar verfassen? Das wäre wohl auch komisch.

Ich finde es einfach schade, dass es wie so viele Youtube-Kommentare dann im Netz steht, weil sich jemand spontan ausgekotzt hat. Ein gutes Beispiel war ein Kommentar unter einem 1000PS-Video, über den „deitschen Zipfe“ der da irgendwas labert. Als 1000PS-Chef Nils dann darauf geantwortet hat, war alles nur noch halb so schlimm, „meinte ja nur“ und „nicht so gemeint“. Ja wow. Ich habe immerhin die Hoffnung, dass das bei vielen so ist. Das einzige, was ich an dieser ganzen Sache ändern kann, ist meine Einstellung dazu. Und auch wenn das Negative schwerer wiegt, es bleibt einem nichts übrig, als sich damit auseinanderzusetzen und zu überlegen, wie viele Leute es gut fanden. Solange die Rechnung positiv bleibt (und man nicht wirklich Scheiß geschrieben oder geredet hat), ist ja eigentlich alles ok.

Back To Bikes

Wie erwartet sind die Mopeds im Moment eher Stehzeuge, aber immerhin habe ich nun die wesentliche Wartung erledigt. Frisches Öl, frische Luftfilter, neue Bremsflüssigkeit und, wie jüngst in Instagram illustriert, neue Reifen auf der 650er. Da die Versandhäuser viele Rabatte angeboten haben, bin ich nun auch im Besitz eines Auswuchtblocks. Ich freue mich darauf, endlich wieder mehr mit der 650er zu fahren. Im Nachhinein war es vielleicht doch keine gute Idee, den zweiten Radsatz zu verkaufen. Egal. Das Gefühl, alles (bis auf TÜV im Juni) erstmal erledigt zu haben, hielt auch nur kurz an. Mein geschätzter Kollege Johannes öffnete ein ganz neues Fass, indem er mich nach dem letzten Gabelservice fragte. Ähm, ja. Wie die Kühlerschläuche vor zwei Jahren tendiere ich jetzt auch hier zum unbequemen Standpunkt, dass es schon an der Zeit wäre. Immerhin reißt das kein großes Loch in das Budget. Für den Bremsservice war ich übrigens wieder bei BMW in Vaihingen, was immer eine spannende Erfahrung ist. „Der Meister kommt gleich zu Ihnen, Sie können sich gerne im Verkaufsraum umsehen.“ Ok. Gebrauchte NineT für 12 000? Hmm. F 850 GS mit und ohne Adventure? Gingen schon steil in Richtung 20 000. Boxer-GS sowieso. Heftig. Es blieb beim „umsehen“ und beim sich vorsehen, um keinen zusätzlichen Service angedreht zu bekommen. Bei all den rundum geschützen GS mit Topcase und oder Alu-Kofferset und zig Zubehörteilen war mir auch wieder klar, was viele im Kopf haben, wenn ich von meiner GS rede. Aber auch hier: Jeder, wie er möchte.

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