Solo Italia – Tag 8

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  • Abschnitt: Palazzo (Marche) – Scanno (Abruzzo)
  • Strecke: 450+ Kilometer
  • Fahrzeit: 10:30 – 19:30
  • Erkenntnis des Tages: Was für ein Tag…

Ich komme zwar früh aus dem Bett, brauche aber viel mehr Zeit als ich dachte. Ich muss den Müll rausbringen, alle Fenster zu machen, Bett abziehen, … und vor allem meine Sachen zusammensuchen, die ich über das halbe Haus verteilt habe. So schaffe ich es erst gegen halb elf aus dem Haus. Ich bin fast ein bisschen wehmütig, als ich wegfahre und weiß, dass es für einige Zeit das letzte mal sein wird. Aber ich freue mich auch darauf, mehr von Italien kennen zu lernen. Denn alle Regionen in denen ich bis jetzt war, kannte ich schon mehr oder weniger.

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Nur schöner bei Nacht

Ich komme gut voran, da ich mir mit einer Karte der Marken einige Wegpunkte aufgeschrieben habe. Die SP 14 wird schnell sehr kurvig und es macht viel Laune, durch schöne kleine Käffer zu fahren. Das vorläufige Highlight ist ein kleiner Pass, den ich eigentlich nur fahren wollte, weil ich den Namen aus einer gewissen Serie kenne. Aber für mich ist der Pass schöner als jeder bisherige, vor allem weil ich die ganze Zeit darauf alleine fahre.

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Und das war nur der Hinweg…

Bei der Abfahrt reihte sich Kurve an Kurve, teilweise sehr enge Kehren der ohnehin sehr schmalen Straße. Die Aussicht ins Tal ließ mich oft anhalten und Fotos machen, aber der Effekt ist natürlich nicht der selbe.

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Noch einige Kehren und Höhenmeter bis nach Matelica

Der Weg führte mich durch Matelica, ein etwas größerer Ort den ich bisher nur von einem Weinflaschenetikett kannte. Genauso roch es dort auch. Ein paar hundert Meter weiter wechselte das Aroma in Richtung Gasherd. Rechter Hand standen unzählbare Gastanks. Nach dieser wenig schönen Industrieatmosphäre passierte ich allerdings noch die Altstadt. Ab jetzt fuhr ich nach meiner Karte. Schon bald waren Auswirkungen des Erdbebens sichtbar. Zuerst wunderte ich mich über die Stützpfeiler und Stahlseilverstrebungen an machen Gebäuden. Bis mir eben das Erdbeben einfiel. Ich fühlte mich sofort wie ein Elendstourist und hatte ein schlechtes Gefühl, als ich weiter Richtung Süden rollte. Von Dorf zu Dorf waren die Auswirkungen sichtbarer. Hier und dort ein eingestürztes Haus, dort ein Lager aus Containern der Carabinieri oder der Feuerwehr… und überall Gartenlauben und Holzhütten, in denen Bars und andere Geschäfte ihren Betrieb wieder aufgenommen haben. In so einer Bar hätte ich mich allerdings erst recht unwohl gefühlt. Ich kam nach Visso, wo viel plattgewalzt war und wieder aufgebaut wurde. Auch hier gab es eine Feldlager-ähnliche Siedlung, an der ich vorbeifuhr. Bevor die Straße auf einmal endete.

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Route wird neu berechnet…

Ich machte eine kurze Pause, schlürfte meine Fanta aus der Dose und sah auf die Karte. Als ich zusammen packen wollte, rollte ein Auto der Carabinieri auf mich zu. „Tutta a posto?“ Bevor ich lange erklären konnte, dass ich nur einen neuen Weg suche, sagte ich einfach „Si, si“. Ich fand es nett, dass sie fragten, als das Auto aber stehen blieb und die beiden eine Raucherpause einlegten, wurde ich den Eindruck nicht los, dass sie mich indirekt schon wegfahren sehen wollten. Ich fuhr also in eine andere Richtung, nur um dort ebenfalls auf Schilder zu stoßen, die auf gesperrte Straßen hinwiesen. Ich nahm eine Straße, die scheinbar nicht gesperrt war. Und landete in einem Dorf, dass wie eine zerbombte Geisterstadt wirkte. Überall Bauzäune, Häuser die teilweise eingestürzt waren, eine Kirche die von allen Seiten gestützt wurde, und die Straße, die eigentlich hinausführen sollte, wurde ein Schotterweg der irgendwann in einem Verbotsschild endete. Mit soviel Militär und Polizei in der Gegend wollte ich nichts riskieren.

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Außer Lastern, die den Schutt abtransportierten, war auf der Straße nicht viel los…

Ich kam mir ziemlich dumm vor und wollte schleunigst raus aus dieser Gegend. Mein Navi wollte mich natürlich nur über die Straßen führen, die gesperrt waren. Und auf meiner großen Karte sah es so aus, als ob alle Wege aus Visso dicht waren. Oder irgendwo am Berg endeten. Mir blieb also nichts übrig, als den ganzen Weg zurückzufahren. Die einzigen Optionen waren ein weiter Bogen im Westen, östlich davon oder ganz weit außen über die Autobahn. Ich entschied mich zu letzterem… auf der mautfreien Autobahn Richtung Küste langten aber 30 Kilometer um nach der nächstbesten Ausfahrt Ausschau zu halten. Über Ascoli Piceno würde es zwar länger dauern als über die Autobahn, aber wenigstens hatte die Straßen Kurven. Und zwischenzeitlich hatte ich eigentlich schon echt wieder genug vom Fahren. So viel zum Thema Routenplanung…

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Kaffeepause in Amandola

Die Kurven zogen sich ewig und selbst eine lang überfällige Pause, bei der ich einen Caffè macchiato und ein Tomaten-Käse-Tramezzino hatte, half nicht wirklich. An dieser Stelle musste ich einsehen dass es schon wieder saublöd war vorab zu buchen und vor allem, so weit weg zu buchen. Ich überlegte schon, auf die Rückerstattung zu verzichten und nach Palazzo zurückzufahren… aber es half alles nichts. Ich nahm dann doch die Abzweigung Richtung Pesano, also Richtung Küste, um auf der Autobahn zu fahren. Irgendwann hörte ich sogar auf, mich darüber aufzuregen… ich freute mich einfach nur noch auf eine Pizza, eine warme Dusche und ein Bett. Trotzdem schade dass ein Tag, der so gut angefangen hatte, durch meine planerischen Fähigkeiten versaut wurde. Die Sonne ging langsam unter, und es wurde schon wieder frisch. Als ich durch die Mautstation fuhr, 13,50 € bezahlte und die Frage „È un cross?“ mit „Mezzo mezzo“ beantwortete, wurde alles wieder ein bisschen besser.

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In den Berg gehauene Straße Richtung Scanno

Die gut 20 verbleibenden Kilometer waren bereits jetzt atemberaubend. Eine hügelige Landschaft, Dörfer die wie am Felsrand gewachsen schienen, und die sich mit Tunneln und Brücken einen Weg bahnende Straße. Die dann noch von Schildern geschmückt war, auf denen vor Bären gewarnt wurde. Beziehungsweise, nicht zu schnell zu fahren, um keinen Bär zu töten.

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Stauseen faszinieren mich irgendwie, vor allem in so einer Landschaft

Auf der Suche nach dem Hotel fuhr ich zwei oder dreimal auf und ab, bis ich dann doch wieder das Navi herauskramen musste. Nachdem ich mein Zimmer bekam und mein Motorrad (zum ersten Mal auf dieser Reise!) mit dem Kettenschloss abgesperrt hatte, ging ich in die Stadt. Sofort fiel mir eine eigenartige Atmosphäre auf, die durch das fahle, gelb-orange Licht noch verstärkt wurde. Eine Stunde zuvor waren noch recht viele Menschen unterwegs, aber als ich jetzt zum Essen ging, waren die Gassen fast menschenleer. Hier und da wurden Geschäfte zugemacht, die Ware eingeräumt und zwischen Regalen mit Schmuck, Ketten, Gold und Silberkitsch beäugten mich die kritischen alten Augen des Juweliers. Ich fand dennoch eine einladende Pizzeria, in der auch andere Leute saßen. Für mich immer das einladendste Argument. Ich bestellte die erste Pizza in diesem Urlaub, einen Salat und ein Glas Rotwein. Wein und Wasser kamen nach einer Minute, der Salat nach drei und die Pizza nach gefühlten fünf Minuten. Und alles war wahnsinnig lecker. Auf dem Heimweg beeilte ich mich ein wenig, um rechtzeitig alles erledigen zu können. Schließlich muss ich für morgen wieder ein Hotel buchen. Bei der Entfernung werde ich mich zurückhalten…

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Ein kläglicher Versuch mit der Handykamera etwas Stimmung einzufangen

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