Solo Italia – Tag 6

  • Abschnitt: Palazzo
  • Strecke: ca. 0,01 Kilometer
  • Fahrzeit: /
  • Erkenntnis des Tages: Die Reise muss für mich Sinn machen, nicht für meine Erwartungen oder die Erwartungen, die ich denke, durch meinen Blog geschürt zu haben.

In der Nacht wache ich oft auf und kann nur schlecht wieder einschlafen. Gegen vier merke ich, dass es draußen nun doch wieder ziemlich stürmt. Als ich den Gedanken nicht loswerde, dass sich meine Unterhosen und Socken auf den Dächern der Nachbarn verteilt haben, gehe ich hoch und hänge die Wäsche ab. Alles noch da, nur ein paar Socken liegen auf dem Boden.

Ich stehe gegen neun auf, da ich nicht mehr länger schlafen kann. Seit gestern schiebe ich die Entscheidung vor mir her, wie es weiter gehen soll. Eigentlich genieße ich die Ruhe hier und die Zeit, die ich habe. Dass ich Wäsche waschen kann, selbst kochen kann, nicht ein- oder auschecken muss. Aber es unterstützt meine Unentschlossenheit. Mit Kalender und Karte gehe ich diverse Routen durch. Ich bin mir zumindest irgendwann sicher, dass eine stressfreie, kurvige Route Richtung Norden mehr Wert ist, als sagen zu können „Ich bin bis Lecce gekommen!” Das ist wohl die Wahrheit, vor der ich mich in Glühbirnen wechseln, Lesen, Karte studieren und Regal aufbauen geflüchtet habe. L’Aquila bleibt dennoch mein nächstes Etappenziel. Aber ich habe mir zuviel vorgenommen. Nicht verwunderlich, wenn man mit Google Earth und Luftlinien grob plant.

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Ja, was soll man da schon machen

Es wird Zeit für einen Kaffee. Draußen ist es bewölkt und windig, aber ich muss heute noch an den Strand. Oder zumindest raus. Denke ich gerade, als ich den Regen draußen bemerke. Wäre ich mal lieber gestern zum Strand gefahren… Später donnert es sogar recht heftig, für eine halbe Sekunde ist sogar der Strom weg. Ich akzeptiere die Tatsache, dass ich heute wohl nicht mehr rauskomme. Und erst Montag weiter fahren werde, eine weitere Entscheidung, die ich bis eben vor mir hergeschoben habe.

Mein zwischenzeitliches Fazit des Alleinereisens ist gemischt. Vielleicht drückt aber auch nur das Wetter auf die Stimmung. Mir gefällt natürlich die Flexibilität, ich habe allerdings das Gefühl, dass ich damit nicht umgehen kann. Die Idee, sich abends spontan eine Pension zu suchen, habe ich schon recht früh aufgegeben. Es ist für mich teilweise Überwindung genug, alleine Essen zu gehen, an einer Bar zu halten oder nach dem Weg zu fragen. Abends lange nach einer Pension zu fragen, um dann eventuell weit über meinem Budget zu landen, ist etwas das ich mir erlaube zu vermeiden. Auf dem Weg dort hin bleibt genug Möglichkeit der Nase nach zu fahren, obwohl ich ursprünglich komplett spontan fahren wollte.

Aber jede Nacht woanders zu sein hat aber auch einen Vorteil: Der Urlaub kommt mir wesentlich länger vor. Dennoch habe ich die ganze Zeit das Gefühl, nicht genug Zeit zu haben. Vor allem, weil ich in den letzten Tagen der Semesterferien noch meinen besten Freund in NRW besuchen will. Das Gefühl schon auf dem Heimweg zu sein, werde ich einfach nicht los.

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Der Höhepunkt des Tages

Ich verschiebe also den Strandtag auf morgen, im nahegelegenen Einkaufszentrum werde ich meine Booking.com – App bemühen eine Pension um L’Aquila zu finden. Wer weiß, wenn ich wieder auf der Straße bin, sieht die Welt sicher wieder ganz anders aus. Ich schätze, das gehört zum Alleinreisen dazu. Es gibt keine Ablenkung, oder nie genug um sich nicht mit sich selbst auseinanderzusetzen. Obwohl das Wetter langsam besser wird, schiebe ich das Motorrad nochmal durch die Haustür in den Flur. Als es gegen zwei Uhr wie aus Eimern schüttet, schlafe ich wenigstens entspannt weiter.

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