Solo Italia – Tag 4

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  • Abschnitt: Casumaro (Emiglia-Romagna) – Palazzo di Arcevia (Marche)
  • Strecke: ca. 350 Kilometer
  • Fahrzeit: von 09:15 bis 17:00
  • Erkenntnis des Tages: Abenteuer beginnt dort, wo du keine Kontrolle mehr hast

Auch beim Frühstück werde ich fürstlich bedient. Neben gutem Kaffee gibt es hausgemachtes Brot mit selbstgemachter Marmelade. Ich bekomme noch etwas für den Weg mit und verabschiede mich von den beiden. Heute wartet wieder ein langer Fahrtag. Die erste Stunde war zum einen von ständigen Orientierungsstopps, zum anderen von vielen Kanälen geprägt. Es zeigte sich schnell, dass die Norditalienkarte, auf der fast jedes Dorf eingezeichnet war, mir einen Umweg über die Autobahn sparen würde.

Bald tauchte Ravenna auf den Wegweisern auf, mein nächster Wegpunkt. Ich folgte für einige Zeit der SS 16, die Richtung Rimini führt. Von der langweiligen Straße eingelullt, bemerkte ich zu meiner linken einen anderen Motorradfahrer. Da ich, weit rechts fahrend, schon viele überholen ließ, wunderte ich mich, dass er nicht vorbeifährt. Ich drehte also den Kopf noch links und der hinter getöntem Visier Verborgene zeigte mir einen Daumen hoch. Ich zuckte irritiert mit den Schultern, er hielt den Daumen hoch und fuhr weiter. Okay. Ich pausierte kurz an einer Raststätte und merkte, dass ich bald von dieser Straße runter muss.

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bar aperto

Nach ein paar Abzweigungen landeinwärts wurde es langsam bergiger, bis ich irgendwann so hoch war, dass ich schon das Meer sehen konnte. Kurze Zeit später rollte ich durch San Marino.

Ich stellte fest dass dort zwar 30 verschiedene Parkplätze ausgeschildert waren,
aber die angeschriebenen Orte schienen mir alle zu weit an der Küste zu liegen. Also rollte ich ziemlich planlos den Berg rauf und anschließend wieder runter. Alle Orte die nun angeschrieben waren, fand ich auch nur auf der detaillierten Norditalienkarte. Gut dass San Marino gerade noch drauf war. Ich wollte zwar einen Schlenker um San Marino machen, aber ein weiterer Orientierungshalt zeigte mir, dass der Bogen um San Marino ganz schön groß wurde. Aber zurück wollte ich nun auch nicht mehr.

Ich genoss die kleinsten Kehren, die mir je unter die Räder gekommen sind, aber ich wurde das Gefühl nicht los, schon wieder total falsch zu fahren. Als nur noch Dörfer angeschrieben waren, die nicht mal auf der detaillierten Karte zu finden waren, grub ich das Garmin-Navi aus dem Tankrucksack. Es zeigte immerhin mehr Akku als gestern an. Außerdem schien sich die Routenpräferenz Rallye eingestellt zu haben. Denn was nun folgte, hätte ich mir nichtmal ausdenken können.

Der Asphalt, der eh schon sehr bröckelig war, wich einer Schotterstraße. Aber nicht nur das, die Strecke war zerfucht und mit Steinen jeglicher Größe gespickt. Ich hatte zwar meinen Spaß dabei, aber gleichzeitig wollte ich (vor allem mit Gepäck) nichts riskieren und die verbleibende Akkulaufzeit nicht verspielen.
Ich kam an kleinen Höfen vorbei und irgendwann gab es sogar wieder Ortsschilder. Die Straße war zwar wieder asphaltiert aber trotzdem mit Löchern und Rissen übersät. Nach einer guten halben Stunde oder länger erreichte ich ein Dorf mit Tankstelle. Ich füllte vorsichtshalber nochmal auf. Diese Ecke schien mir unberechenbar zu sein. Gleichzeitig erscheinte das erste Mal Urbino auf den Schildern. Na endlich.

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Dafür bin auch (unter anderem) so weit gefahren

Obwohl die Strecke hier wieder sehr interessant wurde, blieb das Navigieren schwierig. Ich unterschätzte zum einen die Entfernung, zum anderen waren die größeren Orte nur ab und zu angeschrieben. Ich musste also darauf vertrauen, der Hauptstraße zu folgen. Durch die vielen Kurven zogen sich die letzten Kilometer endlos. Als ich Pergola erreichte, meinte ich bereits mich auszukennen. Doch ich kannte mich nicht aus und konnte nicht einschätzen, welche der angeschriebenen, weit entfernt liegenden Städte
nun günstiger lagen um unser Ferienhaus zu erreichen. Also nahm ich die sichere Route über Arcevia. Wie sich später herausstellte, ein weiterer Umweg von 20 Kilometern oder mehr.

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Arcevia

Endlich konnte ich den Schildern folgen, ohne an jeder dritten Kreuzung auf die Karte glotzen zu müssen. Es war etwas surreal, die schönen Straßen, die ich schon oft mit dem Auto gefahren bin, endlich mit dem Motorrad zu fahren. Da tauchte schon Palazzo am gegenüberliegenden Hang auf.

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Ich rollte die letzten Meter, fuhr durch das alte Tor und stellte mein Motorrad auf der kleinen Piazza ab. Wenige Wochen zuvor noch undenkbar, denn im August ist das verschlafene Dorf nicht wiederzuerkennen. Jeden zweiten Tag ist ein Fest und Parken
kann man höchstens am Straßenrand auf dem Weg ins Dorf.

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Ich werde nachher im Restaurant essen, das auf der anderen Seite des Tals liegt. Eine andere Möglichkeit für WLAN gibt es nicht, außerdem wird das Il Rustico langsam zu meinem Stammlokal hier. Morgen werde ich dann erstmal ausschlafen, zum Strand fahren, und mir überlegen wann es weitergeht. Und vor allem, in welche Richtung.
Ich habe zwar noch viel Zeit, und die Kosten sind eigentlich halbwegs kalkulierbar… aber alles, was ich bis jetzt gefahren bin, muss ich auch wieder zurückfahren. Die nächsten Tage wird es also voraussichtlich kein tägliches Update geben.

ilrustico

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