Solo Italia – Tag 3

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  • Abschnitt: Martello (Südtirol) nach Bordeno (Emiglia Romagna)
  • Strecke: ca. 360 Kilometer
  • Fahrzeit: von 09:50 bis 18:00
  • Erkenntnis des Tages: Mein Italienisch ist teilweise sehr nützlich, teilweise aber auch garnicht.

Nach erholsamen Schlaf tappere ich zum Frühstücksbuffet. Erst nach zwei einhalb Tassen Kaffee fühle ich mich bereit, meine Sachen zu packen. Meine gestern gewaschenen Sachen sind tatsächlich trocken. Zahlen ist trotz der netten Chefin (Typ fitte fast-80-Jährige) gar nicht so einfach. „Där nimmt de Koadnn ned. Silvia? Probierma den ondan.“ Das zweite (von drei) Kreditkartenbezahlgerät funktioniert dann. Zwar ohne Beleg, aber das „Ietz iss Bappier fäärtig“ war es wert. Nach der Verabschiedung parke ich das Motorrad aus. Da meine XChallenge die letzten Tage auffällig niedrig war, baue ich die Luftpumpe aus der Sitzbankunterseite. Unter den neugierigen Blicken einer Wandertruppe, die auf den Bus wartet, pumpe ich das Federbein von 7 auf 8 Bar auf. Obwohl es schon wieder schweinekalt ist, komme ich schnell ins Schwitzen.

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„I’ve got to pump it up“ – irgendso ein schrottiger RnB-Song vor ein paar Jahren

Richtung Meran sehe ich mehr deutsche Autos als italienische. Ich überlege kurz, in Meran einen Kaffee zu trinken, will aber eigentlich voran kommen. Natürlich verfahre ich mich in einer Meraner 30er Zone und schaffe es nur mit Navi heraus. Da mein Akku schon unter der Hälfte ist, setze ich das Navi sparsam ein. Der weitere Weg führt mich, ohne es geplant zu haben, über einen kleinen Pass (dessen Name ich vergessen habe). Ich hangel mich an den wenigen, kleinen Ortsnamen entlang, die auf meiner riesigen Italienkarte verzeichnet sind. Das Ortsbild wechselt recht schnell von östereichischem Bergdorf zu typisch italienisch.

Irgendwann lasse ich die letzten zweisprachigen Schilder hinter mir. Die Straße wird langweiliger und führt mich, parallel zur Autobahn an Trento vorbei. In Rovereto wird der Wunsch nach Kaffee und einem Snack immer größer, die Stadt wirkt aber wenig einladend. Ich schaffe es außerdem, mich zu verfahren und lande fast am Gardasee. Ich finde den Weg zurück zur SS 12 Richtung Verona, die zwischendurch unerwartet kurvig wird. Leider nicht lange. Hier und da taucht eine Bar auf, da dort aber keiner sitzt, beschließe ich weiter zu fahren.

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Links die Autobahn, irgendwo rechts der Gardasee

Das geht für einige Kilometer so weiter, bis ich in Volargne eine einladende Bar finde. Wurde nach rund 150 Kilometern auch echt Zeit. Als ich bezahlen will, stelle ich fest dass die vier Euro fuffzig nicht ganz reichen werden. Mit Kredikarte zahlen geht auch nicht. Schon wird der langweilige Tag auf der Straße von einem kleinen Abenteuer unterbrochen. Der Kellner und zwei offensichtliche Stammgäste beschreiben mir den Weg zur nächsten Bank. Als der Kellner nach Papier kramt, verkünde ich stolz, dass ich es schon verstanden habe. Ich frage noch, ob ich etwas da lassen soll, aber er glaubt mir auch so. Ich finde die Bank tatsächlich. Doch der Bankomat will keine meiner beiden Karten akzeptieren. Die Bankangestellte erklärt mir, dass der Automat nicht geht. Aha. Mist. Ich fahre weiter, frage einen Tankwart nach einer Bank. Der gibt mir eine weitere Beschreibung, die ich auch gut verstehe. Und tatsächlich gibt es dort zwei Banken nebeneinander. Es ist vermutlich noch nicht viel Zeit vergangen und doch fühle ich mich schon wie ein potenzieller Zechpreller.

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Ich habe mich schon lange nicht mehr so über eine Bank gefreut.

Ich fahre zurück, bezahle die Rechnung und entschuldige mich nochmal. Der Kellner nimmt es sehr gelassen und sagt mir, dass es IHM ja leid tut, dass ich jetzt so viel fahren musste. Lauter Tankstellen aber keine Bank, jaja, „Italia“ sagt er schulterzuckend. Wie auch immer. Bei dem ganzen Stress ist mir völlig entgangen wie (erwartet) warm es mittlerweile ist und dass ich endlich meine Sonnenbrille aufsetzen kann.

Ich fahre zum vierten Mal auf die Esse Esse Dodici und zum zweiten Mal an der Tankstelle vorbei. Schnell weg hier. In Verona lauert die nächste Herausforderung. Denn hier ist nur die Autobahn ausgeschildert, nicht über die Bundesstraße Richtung Modena, über die ich weiter fahren wollte. Ich lande also in der nächsten 30er Zone und schalte punktuell das Navi ein, dass nur noch ein Drittel Akkulaufzeit anzeigt.

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Die Straße nach Verona

Damit schaffe ich es recht schnell aus dem Stadtverkehr raus. Ich tanke zum zweiten Mal am Tag und stelle fest, dass die Po-Ebene auch auf Landstraßen genauso spannende Straßen zu bieten hat, wie die Autobahn. Es würde mich nicht wundern, wenn hier die meisten Harleys in Italien gekauft werden. Das Navi macht mir langsam Sorgen, denn mit meiner Landkarte werde ich das gebuchte Agriturismo nie finden. Ich schalte es nur alle paar Kilometer ein und merke, dass ich ohne wirklich aufgeschmissen wäre. Ich ärgere mich, dass ich das Kabel für die Bordsteckdose nicht mehr gefunden habe. Zur Not bleibt wohl nur, nach dem Weg zu fragen. Hat ja eigentlich halbwegs funktioniert.

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Comin‘ round to meet you, the long way down…

Irgendwann schaffe ich es nach Casumaro zu kommen, wo es nichtmal viele Straßen gibt. Trotzdem fahre ich scheinbar blind an der Pension vorbei. Das „battery low“ ignorierend schmeiße ich das Garmin ein letztes Mal an, fahre zurück und sehe auf der linken Seite die zwölf Apostel. Macht von außen einen genauso familiär-herzlichen Eindruck wie von drinnen. Nach dem Klingeln am großen Tor werde ich sofort von der Besitzerin begrüßt, so als ob sie schon auf mich gewartet hat. Hat sie wohl auch, wie mir eine E-Mail-Anfrage über Booking.com später zeigt.

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Ja, ist halt schon versteckt gewesen…

Als sie mich zur Garage lotst, verstehe ich langsam nur noch jedes dritte oder vierte Wort. Als die gute Dame (Typ fitte-fast-70-Jährige) dann die Google-Übersetzer-App bemüht, bemühe ich mich noch mehr, mich verständlich zu machen. Bevor sie mir den Weg zum Restaurant beschreibt, frage ich vorsichtshalber nochmal, ob ich nicht hier Abendessen kann. Kann ich. Come vuole. Wie ich möchte. Das höre ich ziemlich oft aber das macht es für mich nicht einfacher. Und sie macht mir extra eine vegetarische Gemüsesauce. Ich verstehe außerdem noch, dass ich im Garten essen kann. Frühstück? Wann ich möchte. Ok. Wir einigen uns auf halb 9. Es ist gleich halb 8, Essenszeit. Ich nehme mal lieber das Wörterbuch mit an den Tisch.

Nachtrag:

Ich werde bedient und bekocht wie ein Enkel, der die Oma mal wieder besucht. Ihr Mann ist auch sehr nett und spricht ein paar Brocken Deutsch, dass er vor 70 Jahren gelernt hat. Und ihr Sohn (?) war begeistert als er merkt, dass ich aus Deutschland bin, denn ich bin wohl der erste Gast aus Deutschland. Ich sage dass die meisten Deutschen wohl in Südtirol und am Gardasee bleiben und nur wenige weiter fahren. Nach Limoncello und einem Gläschen Weißwein gehe ich ins Bett. Dass man auch sowas bei Booking.com findet, begeistert mich ja schon wieder.

12apostoli

4 Gedanken zu “Solo Italia – Tag 3

  1. Ich liebe diese Logbücher. Danke, Ferdinand, dass du uns mit auf die Reise nimmst. Babs ( fitte 52 jährige).

  2. Moppedfahrer, kommst du nach Trento – fahre östlich hinauf ins Brentatal Richtung Bassano del Grappa . Livico Therme und die kleinen Bergstrassen warten schon …
    Gruß von Achim
    Zimjoa.wordpress.com

    • Hi Achim, musste dank der langen Strecke und fehlender Thermoklamotten leider viele schöne Sträßchen links (oder rechts) liegen lassen… mache ich garantiert nicht mehr 🙂

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