Enduro statt Bollerwagen – Sandschmeißen in Ungarn (2)

Der nächste Fahrtag begann mit ähnlich perfektem Wetter gegen 10 Uhr. Die ersten Minuten führten über die Strecke, die wir schon am Vortag beackerten. Dieses mal ohne Zwischenfall. Das Tempo, das Tourguide Laci vorgab, war natürlich schneller als bei der gestrigen Erkundungstour.

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Laci auf seinem 3/4 Takter

Auch heute enthielt die Strecke plattgedrückten Sand, tiefen Sand, kurze Verbindungsetappen auf Teer, getrocknete Fahrspuren aus Lehm, Schlammlöcher oder eine Mischung aus alldem. Auf vielen Pisten waren ungewohnt hohe Geschwindigkeiten möglich. Das andere Extrem war ein schmaler Trampelpfad zwischen Maschendrahtzaun und Bäumen.

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Die kleinen Tanks der leichten Enduros benötigten schnell Nachschub.

Mein Feingefühl für das Motorrad schwankte heute stärker als am ersten Fahrtag, was ich zum einen auf das höhere Tempo und zum anderen auf eine langsam einsetzende Erschöpfung zurückführte. Der drei Liter fassende Trinkrucksack war jedenfalls ziemlich schnell leergesaugt. Zumindest versprachen die kurzen Fahrten auf der Straße eine gewisse Entspannung. Dörfer und kleine Siedlungen, die mitten im Nirgendwo lagen, sorgten stets für bellende Hunde, neugierge Erwachsene und vor Freude strahlende Kinderaugen.

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Für diese Gegend (scheinbar) typischer Forstweg

Nach mehrmaliger Überquerung der Schienen bog Laci schließlich in einen Schotterweg ein, der parallel zur Bahnstrecke verlief. Hier schossen wir mit den nun üblichen 60 – 80 km/h entlang, gerade noch langsam genug um nicht über eine der Bodenwellen abzuheben.

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Die Transdanubische Eisenbahn vielleicht?

Wenig später mussten Laci und Maxi wieder auf mich warten. Der Feldweg, der mitten durch grüne Felder schnitt, bestand hier aus mehreren Rillen. Der feuchte, vermutlich von Traktorreifen aufgetürmte Lehm hatte sich dank der Hitze in tiefe Furchen verwandelt. Eine Sekunde nicht aufgepasst, und man verfehlte die vermeintliche Ideallinie. Somit füßelte ich durch die grabenartige Spur, die mir die Fußrasten hochklappte und auch kein seitliches Herausfahren erlaubte. Mit einem Boxermotor wäre man hier, je nach Krümmerführung, mehr oder weniger aufgeschmissen gewesen.

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Hier war der Feldweg noch sehr einfach zu befahren…

Es war bereits Nachmittag als wir, nach mehreren Begegnungen mit der anderen Gruppe, langsam aber sicher den Heimweg antraten. Heute würden wir früher im Hotel sein, allerdings waren wir auch, kurze Pausen ausgenommen, durchgefahren.

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Wir holten die andere Gruppe im Laufe des Tages mehrfach ein

Nach 15 Uhr nahm meine Konzentration rapide ab, ich verschaltete mich ständig, verlor Schwung und kämpfte um die Geschwindigkeit im Sand zu halten. Auch kurze Abstecher durch tiefen Matsch sorgten für einige Rodeo-Momente. Als ich von der Piste abkam und fast einen Busch umarmte, machte ich eine kurze Pause und schüttelte mich aus. Dass mir einfach die Kraft ausgegangen war, sah ich zwei Kurven später ein, als ich das Motorrad horizontal abstellte.

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Die Absturzstelle

Wir beschlossen daher, auf Straßen zum Hotel zurückzufahren. Bis dahin waren es noch ein paar hundert Meter voller Sand, durch die ich mich irgendwie durchwühlte. Obwohl weder mir noch der Maschine etwas passiert war, war ich mit meiner Leistung unzufrieden. Dass ich mich, relativ gesehen, wacker geschlagen habe, sah ich erst mit einigen Stunden Abstand ein. Das sehr gute Abendessen, eine scharfe Hühnersuppe,  Gulasch und Salat, half jedenfalls dabei.

Vor uns sollte nun wieder eine zehnstündige Autofahrt mit vielen Umfahrungen liegen, die ich hauptsächlich damit verbrachte, über ein leichteres Motorrad oder einen Rallyeumbau meiner Sertao nachzudenken. Als ich mit dem Träumen fertig war, fiel mir aber vor allem die nun anstehende Putz- und Wartungsaktion ein.

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