Alles hat eine Ende – nur die Wurst hat zwei

Wie schon mehrfach berichtet habe ich mich von der XChallenge getrennt. Mit so gut wie keinem Trennungsschmerz, wenn ich ganz ehrlich bin. Das Thema war irgendwann einfach durch. So gern ich an meine erste(n) Tour(en), Erkundungen der umliegenden Wälder und geglückte und missglückte Wartungsaktionen denke, so muss ich doch sagen: Alles hatte seine Zeit. Selbst als ich dieses Jahr bei der Hard Alpi Tour dabei war (wo der selbsternannte Expedition Master etwas überfordert war, siehe MOTORRAD Ausgabe 23/2026 bzw. höre Podcastfolge #125…), wo mindestens zwei oder drei Xchallenge dabei waren, hatte ich nicht das Gefühl, hier jetzt unbedingt auch mit der Xchallenge am Start sein zu müssen.
Nicht, dass ich dem Konzept entwachsen wäre. Ich finde das Motorrad nach wie vor so genial wie zeitgemäß. Es passt einfach nur nicht mehr in meine Lebenssituation, die nun mal sehr speziell ist. Aber so ist das ja eigentlich immer. In diesem Sinne fasse ich mich etwas kürzer, als ich könnte. Das Universum hat mich und einen Käufer zusammengebracht, bei dem ich mich wohl gefühlt habe. So wie bei der Duke. Was passiert, wenn er die X weiterverkaufen sollte, ist mir egal, aber beim direkten Gebraucht-Verkauf habe ich schon immer so getickt. Praktischerweise hat er sich auch gleich über den großen Karton mit mehr und teilweise auch weniger nützlichem Zubehör gefreut. Bei der Übergabe habe ich noch ein letztes Mal das Öl gewechselt. Aus Pflichtgefühl und damit die 650er auch weiterhin immer mit der richtigen Menge Öl aufgefüllt wird. Und dann war im Prinzip alles wie zuvor, wenn man vom einigermaßen gut gefüllten Handschuhfach absieht. Denn da das Motorrad schon eine ganze Weile nicht mehr bei mir stand, war der Abschied eigentlich schon längst vollzogen.

Viel unterwegs, aber nur selten mit dem eigenen Material
Dieses Jahr war ich gefühlt noch mehr on (und off…) the road als 2025. Die Tour nach Istanbul (MOTORRAD 17/2026…), eine Präsentation auf Island (da konnte ich nicht nein sagen), eine weitere Heavy-Metal-Tour (siehe RIDE 31) rund um den Attersee, die Hard Alpi Tour (siehe oben) und jüngst eine Tour rund um Mattighofen für RIDE. Da blieb nicht wirklich viel Zeit für private Mopeds – die meisten Kilometer dürften die beiden Boxer dieses Jahr (leider) wieder auf dem Weg nach Stuttgart und zurück gesammelt haben. Immerhin habe ich mittlerweile einen halbwegs passablen Kompromiss aus Landstraße und Autobahn gefunden, wenn es mich in die Redaktion verschlägt. Ein wohliges Gefühl ist irgendwie immer da, spätestens auf der Alb. Die Abzweigung bei Ulm und die Straßen rund um Geislingen erinnern mich jedes Mal an mein erstes Praktikum 2016, bei dem ich noch auf der Sertao nach Stuttgart gerollt bin.

Bei der Gelegenheit konnte ich die HP2 zumindest mal auf die Redaktionswaage stellen. Sie pendelte sich bei knapp 201 Kilo ein, was immer noch weit unter meinem derzeitigen Favoriten, der R 12 G/S, liegt. Die geht mit Sturzbügel und Co. nämlich stramm auf 240 Kilo zu. Auch wenn man es weiß, stört das beim Fahren nicht wirklich. Überrascht hat es mich trotzdem. Aber das nur als Randnotiz.
Neue und alte Versuchungen
Bei der Mattighofen-Tour, die erst wenige Tage zurückliegt, verbrachte ich seit einigen Jahren mal wieder Zeit mit der 790 Adventure. Mein einstiger Crash, für den ich hin und wieder überlegt hatte, beide Mopeds zu verkaufen. Die KTM hatte sich bei den letzten Begegnungen einigermaßen entzaubert, auch wenn es dabei sogar die stärkere 890er war. Warum, kann ich nicht sagen. Sie machte mich einfach nicht mehr so an. Die Erwartungen bei dieser Tour waren dementsprechend niedrig – das galt für die Gegend genauso wie das Motorrad. Eine SIEBEN-Neunziger, und dann auch noch ohne „R“? Schon okay, und deutlich angenehmer als viele andere Modelle. Wohlfühlen und Spaß garantiert, aber mehr auch nicht.

Beim Trip rund um die KTM-Zentrale wurde ich dann schnell eines Besseren belehrt. Wie erwartet war die Gegend nicht besonders kurvig und auch nicht besonders bergig. Trotzdem waren die vielen Straßen, die mich teils stark ans Allgäu erinnerten, die reinste Freude. Ein Auf und Ab zwischen Bauernhöfen, Sonnenblumenfeldern, kleinen Schotterabstechern und langgezogenen Kurven auf dem Hügelkamm. Saftig grünes Gras, strahlend gelbes Laub und satt orange Kürbisse. Eine wunderbare Herbst-Tour, inklusive Besuch der Motohall. Und was sich erst als zu klein und komisch anfühlte, machte mir bald sehr viel Spaß – mit leichtfüßigem Handling, einem spritzigen Twin und einem Look, der sich schnell wieder ins Herz schmeichelte. Die 790er (und spätere 890er) Adventures findet ja offiziell niemand schön, mir hat sie schon immer gut gefallen. Vor allem eben als „R“ – die Proportionen der normalen finde ich nach wie vor nicht ganz stimmig.
Nur aus Neugierde schaute ich dann gleich mal, wie viel die Motorräder mittlerweile kosten. Mit der zehn PS stärkeren 890 und dem Nockenwellen-Drama rund um die LC8c-Motoren dachte ich schon, dass es einigermaßen schwer sein dürfte, eine 790 zu verkaufen. Preise ab 6500 Euro haben mich dann aber doch ziemlich überrascht. Exemplare mit 20.000 Kilometern oder deutlich weniger für unter 8000 Euro waren keine Seltenheit. Bedeutet für mich: Sogar theoretisch leistbar, wenn ich die GS verkaufen würde. Vermutlich werde ich mir das auch wieder schnell aus dem Kopf schlagen. Aber bis dahin genieße ich noch das „Ich könnte, wenn ich wollte“-Gefühl. Das „Ich müsste dafür die GS verkaufen“-Gefühl genieße ich weniger. Tief im Herzen passt die eh viel besser zu mir.
In eigener Sache
Auch wenn es auf dem Blog jedes Jahr etwas ruhiger zu werden scheint und ich hin und wieder mit dem Gedanken spiele, alles aus dem Netz zu nehmen, lasse ich das weiterlaufen, bis es mir zu blöd oder zu teuer wird. Vielleicht bringt der Winter ja wieder Erzählenswertes hervor. Mittel- bis langfristig habe ich ja ein paar Dinge vor:
- Hintere Bremsleitung der HP2 tauschen
- Neues Federbein an der HP2
- Überhaupt: mal mehr als Feldwege mit der HP2 fahren und den dritten Radsatz dafür reaktivieren
- Für die GS fällt mir bestimmt auch wieder was ein…
In diesem Sinne: Bis vielleicht nicht ganz so bald, aber bis zum definitiven nächsten Mal!
