Von „Momentum“ (dem letzten Beitrag zum Duke-Projekt) zur Vollbremsung. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Nicht allzu viel. Trotzdem soll die Duke nicht so nebenbei verabschiedet werden, sondern mit einem letzten, eigenen Beitrag. Auch wenn es eine für mich unrühmliche Geschichte ist, die ich damit erzähle. Oder?

„Sag niemals nie“ – dieses Motto fiel mir schon ein, als ich die Xchallenge verkaufen wollte. Wie mehrfach erwähnt brachte die HP2 meinen sorgfältig austarierten Fuhrpark etwas durcheinander. Vier Motorräder waren mir eins zu viel – physisch, aber vor allem auch mental. Vollkommen logisch, dass das einzige Motorrad ohne familiären Bezug gehen musste. Es dauerte dann noch ein paar Wochen, Blogbeiträge und Gespräche, dann war klar, was schon lange vorher klar war. Aber das ist wohl immer so. Nachdem eine Entscheidung mal getroffen (und vollzogen) wurde, liegt rückblickend alles offen, was man vorher nicht gesehen hat (oder nicht sehen wollte).
Konkret bedeutet das: Die Duke war für mich eine Herausforderung, die mich mal mehr, mal weniger gestresst hat. Voller Motivation holten wir das Motorrad damals (2021, ja, so lange ist das schon her) nach Stuttgart – ich begriff es als ehrenwerte Aufgabe, die gut zehn Jahre stehende KTM wieder ins Rollen zu bringen. Dass sie mir dann Spaß machen würde, daran bestand kein Zweifel. Dass mir der Weg dorthin Spaß machen würde, daran hatte ich von Anfang an Zweifel. Denn trotz Youtube-Universität und gedruckter Reparaturanleitung: Selbst wenn ich Zeit für die Duke hatte, war ich für vieles auf fremde Hilfe angewiesen. Hin und wieder konnte ich etwas dazulernen und auch ein wenig stolz darauf sein, den Vergaser ausgebaut und zerlegt zu haben. Für alte Hasen eine Kleinigkeit, für mich halt nicht.
Die Rückkehr in die alte Wirkungsstätte verleihte dem Projekt (das schon lange keines der berüchtigten Corona-Projekte war) wieder Aufwind – endlich schien das Kühlsystem zu funktionieren, endlich waren die über 20 Jahre alten Reifen ersetzt. Und zwischendurch auftauchende Kleinigkeiten – etwa die defekte Hupe – waren schnell gelöst. Ich lernte außerdem (mal wieder), wie man Bremsflüssigkeit wechselt, und das unter erschwerten Bedingungen. Mit der erfolgreichen Wiederzulassung schien der größte Meilenstein geschafft. Trotzdem lief die Duke noch lange nicht so, wie sie sollte. Das zickige Anspringen, der zu hohe Leerlauf, das Ausgehen nachdem sie ein paar Minuten lief. Man hätte das alles lösen können – wenn nicht selbst, dann mit Geld. Und professioneller Hilfe. Aber die Aussicht, dass die Duke als sportliches Motorrad einfach immer eine gewisse Pflege einfordern würde, schmälerte die Vorfreude zunehmend.
In den letzten Monaten war die Zeit noch knapper und genügend andere Dinge wichtiger – und die Duke verstaubte mal wieder unter ihrer Plane. Das schlechte Gewissen konnte ich gut verdrängen, denn nach dem Umzug war ich immer seltener in der alten Werkstatt. Umso mieser fühlte ich mich, als ich die Duke ummeldete – und bis zuletzt nicht einmal das neue Nummernschild anbrachte.
Insofern versuchte ich mein Glück und inserierte das Motorrad. Machte noch einmal schöne Fotos. Ärgerte mich kurz, als sie so schön herausgeputzt vor mir stand. Und fühlte mich schäbig, sie für rund 2000 Euro ins Netz zu stellen. Hatte keine Lust auf große Preisdiskussionen und fühlte mich gleichzeitig schlecht, weil ich nicht abschätzen konnte, wie viel Ärger sie dem neuen Besitzer noch machen würde. „Verkauft wie gesehen“? So ticke ich nicht. Als ich das einem Kollegen erzählte, gab es bald eine glückliche Fügung, einen „würdigen“ Käufer und einen zufriedenen Verkäufer. Nachdem die Duke dann zum zweiten Mal in Stuttgart ausgeladen wurde, passierte in wenigen Tagen mehr, als in den letzten Monaten. Vermutlich wird sich der Kilometerzähler bald wieder deutlich schneller drehen. Zeit wird’s!
Im ersten Moment fühlt sich all das wie eine Niederlage an. Weil eine KTM LC4 von 1996 nicht die zu Tode zitierte Raketenwissenschaft ist. Weil man im Internet doch alles nachlesen kann. Weil man als jemand, der sich beruflich mit Motorrädern beschäftigt, doch erst Recht so etwas hinbekommen sollte. Natürlich hat mir niemand diese Vorwürfe gemacht, außer ich selbst. Mit etwas Abstand merke ich, dass ich erleichtert bin. So sehr der Anblick der Duke in der Redaktionsgarage schmerzte: Es war die richtige Entscheidung und eine, die längst überfällig war. Und wenn die ganze Sache etwas Positives hat, dann die Erfahrung, dass man sich so etwas auch eingestehen können muss. Der metaphorische Elefant war, auch Bissen für Bissen, einfach zu viel für mich.
Zum Abschluss spare ich mir die Liste der Dinge, die wir gemacht haben und die Dinge, die noch gemacht werden müssen. Stattdessen zeige ich nochmal die Bilder, die sonst unveröffentlicht auf meiner Festplatte gelandet wären.










yesterday‘s heroes are forgotten today