„MOTORRAD“ im Spiegel des 20. Jahrhunderts (Teil IV)

2.3 1933 bis 1945

2.3.1 Das Dritte Reich

Der schnelle Systemwechsel, der offenbar vom Großteil der Bevölkerung auch als außerordentlich erfolgreich angesehen wurde, veränderte den Alltag der deutschen Bevölkerung innerhalb weniger Monate radikal (Grube, 1982, S. 6). Bereits nach wenigen Monaten hatte die Regierung die letzten Grundsätze von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit abgelegt, im August 1934 wurden die Ämter des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten in der Person Hitlers als Führer und Reichskanzler vereinigt (Herbert, 2017, S. 308). Mithilfe von Notverordnungen, die Grundrechte außer Kraft setzten, hatte das Regime Hitlers alle Möglichkeiten. Politische Gegner wurden verhaftet, Parteien und Zeitungen verboten. Auch die Brutalität gegenüber der jüdischen Bevölkerung nahm schnell zu. Die Gleichgültigkeit oder gar das Begrüßen dieser Maßnahmen lag nicht zuletzt am tief verwurzelten Antisemitismus, wie er in vielen westlichen Ländern verbreitet war. Schriften, die das Judentum für sämtliche Probleme der Moderne verantwortlich machten, existierten bereits um 1900, ebenso wie bereits damals „rassenhygienische“ Überlegungen publiziert wurden, die im Dritten Reich tatsächlich umgesetzt wurden (Herbert, 2017, S. 62f). Das Vorgehen wurde dabei immer brutaler, radikaler und schließlich systematisch. Während diese Entwicklungen im Ausland genau verfolgt wurden, stieß die Judenverfolgung in Deutschland auf eine bemerkenswerte Indifferenz, die auch auf den mittlerweile stark ausgebauten Repressionsapparat des Regimes zurückzuführen war. Zum anderen stießen die Maßnahmen teilweise auch auf Zustimmung, wenngleich die harten Methoden kritisiert wurden (Herbert, 2017, S. 333). Ferner beschreibt Autor Frank Grube (1982, S. 35) eine Situation der ständigen Berieselung und allgegenwärtigen Propaganda, unermüdlich wiederholter Ermahnungen und Massenveranstaltungen, welche die Begeisterung hochpeitschten und von den Problemen ablenkten.

Im Herbst 1932 lebte mehr als ein Drittel der Bevölkerung von öffentlicher Unterstützung und in Armut. Die Nationalsozialisten knüpften an die vorher beschlossenen Maßnahmen an, die ab Herbst 1933 auch den Bau der Reichsautobahnen betrafen. Sie waren zwar schon in den späten zwanziger Jahren konzipiert worden, eigneten sich jedoch gut für die NS-Propaganda. Diese Maßnahmen trugen ohne Zweifel zum Rückgang der Arbeitslosigkeit bei. Von sechs Millionen Arbeitslosen im Januar 1933 sank die Zahl 1934 auf 2,7 Millionen. Dafür waren aber spätestens 1934 nicht mehr die zum Straßenbau eingesetzten Arbeiter verantwortlich, sondern die einsetzende Aufrüstung der Wehrmacht (Herbert, 2017, S. 343).

Die Rüstungsausgaben explodierten und damit das Wirtschaftswachstum, bereits 1937 wurde fast überall Arbeitskräftemangel gemeldet, der Begriff des „Wirtschaftswunders“ kam auf (Herbert, 2017, S. 345). Der wirtschaftliche Erfolg zeigte die scheinbare Überlegenheit des Regimes gegenüber liberalen Demokratien, die immer noch mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise zu kämpfen hatten. Die persönliche Situation verbesserte sich für den Großteil der Bevölkerung, so erreichten die Löhne ab 1936 wieder das Vorkrisenniveau. Mit Förderung für den Kauf des „Volkswagens“ und staatlich organisierten Urlaubsreisen („Kraft durch Freude“-Programme) versuchte die Diktatur auch Freizeit und Urlaub zu organisieren, was letztlich auch der Erziehung im nationalsozialistischen Sinne diente (Grube, 1982, S. 123).

Mit diesem Selbstbewusstsein konnten verstärkt außenpolitische Ziele angegangen werden, etwa das Bekenntnis des Saarlandes zum Reich 1935, die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes 1936, sowie der Anschluss Österreichs 1938. Damit hatte sich die politische Konstellation in Europa innerhalb weniger Jahre komplett verändert, die Nachkriegsordnung der Pariser Verträge von 1919 war zerstört (Herbert, 2017, S. 358). Die Einverleibung Österreichs hatte symbolische und wirtschaftliche Wirkung. Der Einmarsch am 1. Oktober 1938 in der Tschechoslowakei war jedoch ein weitaus größeres Risiko, und nicht zuletzt hier stand Europa erneut kurz vor einem erneuten Krieg. Doch Großbritannien und Frankreich hatten erneut nachgegeben und stimmten Ende September dem Münchner Abkommen zu, wonach die Gebiete mit deutscher Bevölkerungsmehrheit dem Deutschen Reich angegliedert werden sollten (Grube, 1982, S. 223). Wieder konnte das Reich die materielle Basis für seinen geplanten Krieg erheblich erweitern. Nach einem inszenierten Überfall auf den Sender Gleiwitz begann mit dem Angriff auf Polen am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg (Müller et al., 2004, S. 281). Der Krieg war zunächst von militärhistorisch beispiellosen Feldzügen der Wehrmacht geprägt, die innerhalb eines Jahres den Großteil Europas erobern konnte. Der Vormarsch stockte erst im einsetzenden Winter 1941, kurz vor Moskau.

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Das erste Wochenschau-Kino 1931, Bild: Bundesarchiv, Bild 102-12285 / Georg Pahl / CC-BY-SA 3.0

In der Heimat sorgten Film und Rundfunk, Restaurants und Bars für Zerstreuung. Neben Rundfunk, der wie die Presse unter der Aufsicht des Propagandaministers Goebbels stand, wurde die in Kinos gezeigte „Deutsche Wochenschau“ zum wichtigsten Propagandainstrument mit rund 20 Millionen Besuchern pro Woche (Grube, 1982, S. 160). Mit häufigeren Bombenangriffen schlug die Stimmung vor allem in Großstädten um, die Wehrmacht geriet an der Front in die Defensive, erschwert wurde die Situation durch aufgebrauchte Reserven und überdehnte Nachschubrouten. Etwa vom Herbst 1942 bis zum Herbst 1943 wendete sich der Krieg zu Gunsten der Alliierten.

 

Dennoch zog sich der Krieg bis zum Mai 1945 hin. Selbst in den letzten Tagen und Stunden des Krieges wurden absurde Strafen verhängt oder Deserteure erschossen. Anders als im Ersten Weltkrieg war auch die Zivilbevölkerung direkt vom Krieg betroffen. Allein der Vormarsch der Roten Armee zwang mehr als sieben Millionen Deutsche zur Flucht nach Westen. Von den ungefähr 65 Millionen Toten waren mehr als die Hälfte Zivilisten. Das Ausmaß der Zerstörung, die Zahl der Ermordeten und Gefallenen, der Flüchtlinge und der Waisen war immens. Europa war zu großen Teilen verwüstet, ein deutscher Staat existierte nicht mehr und die Zukunft war ungewiss (Herbert, 2017, S. 546).

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Kriegsende in Berlin, Bild aus Wikipedia, gemeinfrei

 

2.3.2 Motorräder in Krieg und Frieden

Im Gegensatz zur politischen und gesellschaftlichen Situation änderte sich in der Motorradtechnik nur wenig. Viele Hersteller überstanden die Weltwirtschaftskrise nicht. Die Zahl der Firmen reduzierte sich von mehreren Hundert auf knappe 60 im Jahr 1933 (Hoffmann, 2012, S. 46). Wesentliche Innovationen umfassten die sich durchsetzende Hinterradfederung und die damit einhergehende notwendige Abstimmung der Vorderradfederung. Hydraulisch gedämpfte Teleskopgabeln fanden Einzug in die Serienfertigung. Neben sportlichen Maschinen dominierten genügsame kleine Zweitakter mit 7 PS, die zwar nicht mehr führerscheinfrei waren, aber bis 250 Kubikzentimeter genügte eine einfache Prüfung bei der Polizei (Simsa, 1987, S. 38).

Zu den stärksten Serienmotorrädern gehörten die Zweizylinderboxer von BMW (BMW R 66 mit 30 PS) und Zündapp mit der KS 600 (28 PS) bzw. die K 800 mit Vierzylinder-Boxer und 20 bis 22 PS. In England und Italien setzte sich die Fußschaltung durch, die nun auch zunehmend in Deutschland verbaut wurde. Aerodynamische Überlegungen, die in dieser Zeit Autos und Züge betrafen, machten auch vor Hochgeschwindigkeitsversuchen mit Motorrädern nicht halt. 1937 stellte beispielsweise Ernst Henne auf einer verkleideten BMW mit 279 Stundenkilometern einen Rekord auf, der 14 Jahre lang hielt (BMW Motorrad, 2013). Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kam der Individualverkehr so gut wie zum Erliegen.

Im Kriegseinsatz bewährten sich Motorräder erneut als Aufklärungs-, Melde- und Transportfahrzeuge, oft in Kombination mit Seitenwagen, die mit einem Maschinengewehr bestückt waren. Breite Verwendung fanden die sogenannten Wehrmachtsgespanne BMW R 75 und Zündapp KS 750. Auch DKW fertigte viele Motorräder für die deutschen Verbände. Nach Kriegsende wurden noch erhaltene Produktionsstätten teilweise demontiert oder stellten dringend benötigte Alltagsgegenstände wie  Kannen und Eimer her (Hoffmann, 2012, S. 65).

2.3.3 „Das Motorrad“ in der gleichgeschalteten Presselandschaft

Für diese Epoche wurden folgende Ausgaben untersucht:

  • Ausgabe 6 von 1933, ergänzend Ausgabe 10/1933 und 26/1933
  • Ausgabe 37 von 1939, ergänzend Ausgabe 16/1938 sowie 40/1939
  • Ausgabe 25 von 1942, ergänzend Ausgabe 26/1942 sowie 6/1943

Grundsätzliches und Anzeigen

Die Ausgaben dieser Jahrgänge erscheinen weiterhin im Berliner Verlag Georg König. Die Titel der Dreißigerjahre fallen mit ihren individuellen Titelbildern auf. Die Titel sind teilweise gezeichnete Motive, teilweise Fotografien (Abbildung 4). Die Erscheinungsweise ist alle acht Tage, ein Vierteljahresabo kostet 1933 4 Reichsmark, heutigen 17,60 Euro entsprechend, die Einzelausgabe kostet 35 Pfennig, also etwa 1,50 Euro (Bundesbank, 2018). Eine Einzelausgabe umfasst 1933 76 Seiten. Die ersten neun Seiten nach dem Titel sind mit Anzeigen gefüllt, kleinere Anzeigen sind jedoch auch über das Heft verteilt. Die Hefte schließen mit vier durchgängigen Anzeigenseiten. Als Werbende treten überwiegend Motorrad- oder Autohersteller sowie Händler, Zulieferer (Osram, Varta) oder Werkstätten auf. Bekleidungshersteller, Motorradreiniger von Henkel oder Leica-Kameras schalten ebenfalls Anzeigen.

Der Einzelpreis änderte sich bis 1939 nicht, das vierteljährliche Abo kostet 3,60 Reichsmark, die heute etwa 15 Euro entsprechen (Bundesbank, 2018). Ausgaben aus 1939 umfassen 28 Seiten. Anzeigen sind in diesem Jahrgang über das Heft verteilt, ähnlich den heutigen. Insgesamt hat der Anzeigenanteil abgenommen, neben den klassischen Branchen inserieren nun auch Händler für Rundfunkgeräte, „Kola“ von Dallmann sowie Zeitschriften wie die „Fußballwoche“ und „Box-Sport“.

Die Ausgaben der Kriegsjahre sind bereits auf den ersten Blick erkennbar, die Titelbilder, gleichzeitig Werbung der großen Zweiradhersteller, zeigen ausschließlich gezeichnete Motive vom Kriegseinsatz in Wüste und Schnee. Die Preise bleiben gleich, doch die Erscheinungsweise wird kriegsbedingt auf alle 14 Tage verringert. Bis zur Einstellung 1943 werden die fortlaufenden Seitenzahlen beibehalten. 1942 umfasst das Heft immerhin 35 Seiten, davon sind jedoch die ersten fünf bzw. mit Titelbild sechs Seiten Werbung, sowie die letzten drei Seiten. Dazwischen finden sich die üblichen Kleinanzeigen. Auch die Anzeigen lassen Rückschlüsse auf die allgemeine Lage zu, Reifenhersteller Continental ruft zum Reifensparen auf, Hanomag wirbt für Transporter, die mit Holzgas betrieben werden. „Den besten Soldaten die besten Kampfmittel“ verspricht eine Anzeige von BMW. Das Spektrum der Anzeigekunden hat sich abermals erweitert, auch Eberhard Faber wirbt für Stifte, Bohnofix für Schuhpflegemittel, ebenso wird für Kautabak geworben. Die letzte Ausgabe 1942 vom 26.12.1942 umfasst dagegen noch 20 Seiten, davon jedoch nur 14 redaktionell gestaltet. Die letzte Ausgabe erscheint am 20. März 1943, folgende Ausgaben werden mit anderen Autozeitschriften zusammengelegt.

Redaktion und Rubriken

Für die Redaktion ist zunächst weiterhin Paul Friedmann als Hauptschriftleiter angegeben, die Autoren werden vor oder nach den Artikeln genannt. Ab Ausgabe 19/1933 folgt Gustav Müller als Chefredakteur, Friedmann war jedoch noch für weitere Hefte als Redakteur tätig. Für die Hefte der Jahrgänge 1933 wird bereits ein Inhaltsverzeichnis aufgeführt. Die erste Hälfte des Magazins ist thematisch gemischt gestaltet. Auf den späteren Seiten folgen dann wiederkehrende Rubriken wie „Öffentliche Meinung“, „Industrie-Nachrichten“, „Rechtsauskunft“, „Touristischer Ratgeber“ oder „Technischer Briefkasten“. Kleinanzeigen für Händler und Gebrauchtmotorräder, nach Großstädten sortiert, schließen mit Witze- und Rätselseiten („Das lachende Motorrad“ und „Das grübelnde Motorrad“) das Heft.

Auch 1939 bleibt diese Einteilung erhalten. Im Kriegsjahr 1942 sind davon nur noch der technische Briefkasten, Kurznachrichten und Kleinanzeigen übrig geblieben. Die restlichen Artikel sind thematisch unsortiert. Auffallend ist das erstmalig ausführlichere Impressum, das neben Hauptschriftleiter Müller auch seinen Vertreter H.G. Sievers und Christian Christophe für den technischen Teil, Ernst Rosemann für den übrigen Teil verantwortlich nennt. In Klammern ergänzt das Impressum bei Müller „bei der Wehrmacht“, bei Sievers „im Felde“.

Inhalt

Anfang 1933 dominiert die Internationale Automobil- und Motorrad-Ausstellung in Berlin das Magazin. Sie fand zuletzt im November 1928 statt und wird als Signal der wieder aufstrebenden Motorradwirtschaft gefeiert. Eine umfangreiche Auflistung der ausstellenden Hersteller samt Beschreibungen und Fotos kennzeichnet Ausgabe 6. Die neue Politik wird aus Sicht des Magazins positiv bewertet. Schon in Ausgabe 10 vom 11.03.1933 kommentiert Friedmann die Inhalte der Rede Adolf Hitlers auf der Internationalen Auto- und Motorradschau. Konkreter wird es im Vorwort der Ausgabe 26, in dem Gustav Müller (1933, S. 1075) den Bau der Reichsautobahnen lobt und die Steuerbefreiung der Neufahrzeuge als „große Tat für das Kraftfahrwesen“ ansieht. Auch der Zusammenschluss der Kraftfahrerverbände werden positiv wahrgenommen, genauso wie die „nationale Erhebung“, die über Deutschland „gebraust“ sei und ein starker Führer mit einem Worte die politische Einheit des Reiches hergestellt hätte (Friedmann, 1933, S. 715). Das NSKK wurde bald alleiniger Träger aller Motorsportveranstaltungen (Seidler, 1984, S. 627).

In Ausgabe 37 vom 09.09.1939 wird bereits der Einmarsch in Polen thematisiert. Mit Kritik an den schlechten Straßen sowie der Thematisierung des deutschen Anrechts an Danzig und der provozierenden Haltung Polens ist das Vorwort Müllers auf Linie der Propaganda. Im weiteren Heft wird auf die vorgeschriebene Verdunkelung für Kraftfahrzeuge hingewiesen. In der Folgeausgabe werden Feldpostadressen und Einheiten deutscher Motorradsportler bekannt gegeben. Auch wird zur Sparsamkeit mit Öl und Benzin sowie zu verschleißarmer Fahrweise aufgefordert, sofern man nicht ohnehin aufs Fahrrad umsteigen musste. Ein weiterer Beitrag widmet sich derlei Rechtsfragen und erklärt, dass Motorräder über 500 Kubik Hubraum nur noch in Ausnahmefällen benutzt werden dürfen. Diese Zwangsumstellung vieler Motorradfahrer auf das Fahrrad wird jedoch auch humoristisch mit einem Comic kommentiert.

1942 wirkt das Magazin deutlich ernster. Nostalgisch regt das Vorwort der Ausgabe 25 zum Nachdenken über die sich verschiebenden Maßstäbe der Zeit an. Durch Flugzeuge und Maschinen würden Entfernungen kaum noch eine Rolle spielen. Die Postkutsche war „einst Maßstab der Zeit“, heute wäre noch gar nicht absehbar, „wie weit uns diese Entwicklung umkrempelt“ (Rosemann, 1942, S. 671). Viele Artikel entstehen aus dem Archiv, zeigen etwa die ersten Motorräder um 1900 oder wiederholen Rennberichte von 1939. Unter dem Titel „Gute Gedanken“ zeigt das Heft den Einfallsreichtum der improvisierenden Soldaten oder lobt die Industrie für seine geländegängigen Fahrzeuge. Auch in der letzten Ausgabe 26/1942 werden Kameradschaft, Gemeinschaft, Durchhalten und der Endsieg beschworen.

2.3.4 Zwischenergebnisse

Der Einfluss der NS-Diktatur auf die Presse und damit auch auf das Magazin „Das Motorrad“ wird bereits kurz nach der Machtübernahme deutlich. Für diese Epoche bedeutet das eine Auswertung, die sich deutlich von früheren und späteren Jahren absetzt.

1: Politik findet sich nur mit Bezug zum Motorrad im Heft wieder.

Diese Hypothese wurde klar widerlegt, denn die Politik der Nationalsozialisten wurde auch durch NSKK, Motor-Hitlerjugend oder Straßenbau vertreten. Im Krieg verbreitete das Heft Durchhalteparolen und pflegte die politisch vorgegebene Ansicht eines gerechten Verteidigungskrieges.

2: Aktuelles Zeitgeschehen ist nur vereinzelt und angedeutet erkennbar.

Das Zeitgeschehen jenseits der Zweiradthematik wurde zumindest idealisiert wiedergegeben, sogar oder gerade während der Kriegsjahre.

3: Gesellschaftliche Trends sind eher an Anzeigen als an den Artikeln erkennbar.
Diese Hypothese ist nur eingeschränkt überprüfbar, da die Anzeigen zum Großteil der Zweiradindustrie entspringen. Vereinzelt warben jedoch auch andere Firmen, etwa für Medikamente, Pflaster, Schuhcreme oder Kautabak.

4: Die gesellschaftliche Bedeutung des Motorrads ist direkt erkennbar.

Diese Hypothese wurde klar bestätigt, denn das Motorrad erreichte in den Dreißigerjahren wieder breitere Bevölkerungsschichten. Mit Ausbruch des Krieges fand die Nutzung vor allem im Kriegseinsatz statt.

5: Die Ausgaben werden zunehmend weniger technisch-nüchtern, sondern eher unterhaltsam und informativ gestaltet.

Diese Hypothese wurde bereits in den Heften der zwanziger Jahre widerlegt. Auch die Ausgaben der Dreißiger- und Vierzigerjahre waren eine Mischung aus sehr sachlichen und durchaus locker-unterhaltsam geschriebenen Artikeln.

6: Die Auflagezahlen entsprechen dem Trend der Zulassungszahlen.

Da für diese Zeit weder belastbare Auflage- noch Zulassungszahlen existieren, konnte diese Hypothese nicht überprüft werden.

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